Pro-Familia-«Familienbarometer» 2026 erschienen
Den Familien geht das Geld aus

79 Prozent der Familien sind mit ihrem Familienleben zufrieden. Ein stabil hoher Wert. Gleichzeitig befürchten drei Viertel, dass sich die Situation für Familien in den kommenden drei Jahren verschlechtern wird. Wegen äusserer Einflüsse. Hauptsorge bleibt das Geld.

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DIE LUFT WIRD DÜNNER: Viele Familien in der Schweiz erwarten finanziell schwierige Zeiten. (Foto: Canva)

Die grosse Mehrheit der Familien ist zufrieden mit dem eigenen Familienleben. Aber unverändert pessimistische 76 Prozent gehen davon aus, dass sich in den kommenden drei Jahren die Situation für Familien weiter verschlechtern wird. Dieser Pessimismus ist nachvollziehbar: Wer sieht, wie die Prämien jedes Jahr steigen, die Löhne aber unverändert bleiben, muss nicht Ökonomie studiert haben, um die Rechnung zu machen.

So bestätigt das «Familienbarometer» 2026*, was viele Familien längst am eigenen Leib spüren: Die finanzielle Luft wird dünner. Und während die Politik über Steuersenkungen für Gutverdienende debattiert, rutschen immer mehr Familien in die Zone, in der am Monatsende kaum etwas oder gar nichts mehr übrigbleibt.

Jede zweite Familie in der Schweiz gibt an, dass das Haushaltseinkommen nur knapp fürs gemeinsame Familienleben reicht. Bei 7 Prozent reicht es schlicht nicht. Besonders hart trifft es Familien mit Kleinkindern: Bei Familien mit Kindern in der Altersgruppe 0 bis 3 Jahre sagen 53 Prozent, das Geld sei knapp.

Das Geld wird knapp

  • 47%: Einkommen reicht für das Familienleben
  • 46%: reicht nur knapp
  • 7%: reicht nicht

Das Geld, das nicht da ist

Über die Ursachen muss man nicht rätseln: Die Löhne stagnieren seit Jahren. Wie die jüngste Lohnstrukturerhebung des Bundes zeigt, lag der mittlere Lohn 2024 teuerungsbereinigt gerade einmal 6 Franken höher als 2016. Noch schlimmer bei den tiefen Löhnen: Die untersten 10 Prozent haben real sogar 21 Franken verloren. Für das bestverdienende Prozent ging es pro Monat dagegen um 3761 Franken obsi.

Kein Wunder also, dass die Krankenkassenprämien im «Familienbarometer» zum vierten Mal in Folge die grösste Sorge der Familien sind. 49 Prozent nennen sie als eines der drei drängendsten Themen – das ist der höchste Wert seit Beginn der Erhebung. Auf Platz zwei folgen die steigenden Preise (37 Prozent), danach Gesundheit und Wohnkosten.

Das macht Familien am meisten Sorgen

  • Krankenkassenprämien: 49%
  • Steigende Preise: 37%
  • Gesundheit: 26%
  • Wohnkosten: 25% 

Ferien und Ausflüge gestrichen

Was das im Alltag bedeutet, zeigen die Verzichtszahlen. 42 Prozent der Familien müssen bei den Ferien kürzertreten, 36 Prozent bei den Restaurantbesuchen, 27 Prozent bei Freizeitaktivitäten. Und 29 Prozent der Familien können gar nichts sparen. Zwei Drittel bringen es auf höchstens 500 Franken monatlich. Damit sind unerwartete Ausgaben – zum Beispiel eine Zahnarztrechnung – bereits ein finanzieller Notfall.

Besonders alarmierend: In der Romandie und im Tessin verzichten 14 bis 15 Prozent der Familien auf Gesundheitspflege. Zahnarzt- und Arztbesuche werden aus Kostengründen verschoben oder gestrichen.

Hier müssen Familien streichen

  • Ferien: 42%
  • Restaurantbesuche: 36%
  • Freizeitaktivitäten: 27%

Politik soll und muss endlich liefern

Die Familien wissen auch, was sie von der Politik erwarten. 51 Prozent fordern, dass die Familienpolitik auf die Reduktion der Krankenkassenprämien fokussiert. Im Tessin sind es sogar 71 Prozent. 39 Prozent wollen eine stärkere direkte finanzielle Unterstützung. Und 30 Prozent verlangen eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

A propos Vereinbarkeit: Die Mehrheit der Familien (67 Prozent) bewertet diese zwar als zufriedenstellend. Homeoffice-Möglichkeiten und flexible Arbeitszeiten werden von je 43 Prozent als wirksamste Massnahme genannt. Bei der externen Kinderbetreuung sind es die Kosten, die drücken: 67 Prozent der Familien fordern tiefere Tarife. Auch darüber muss sich niemand wundern: Die Schweiz investiert gerade einmal 0,1 Prozent des BIP in die familienergänzende Betreuung. Der Durchschnitt der Industriestaaten liegt bei 0,8 Prozent.

AHV bleibt der Anker

Und im Alter? Für Familien mit einem Einkommen bis 100'000 Franken – also die grosse Mehrheit – ist die AHV die wichtigste Säule der Altersvorsorge. Erst bei höheren Einkommen rückt die Pensionskasse in den Vordergrund. Das ist eine klare Botschaft an die bürgerliche Parlamentsmehrheit, die bei der AHV gerade aktuell wieder und seit Jahrzehnten auf Abbau setzt, statt die kostengünstige und sozialfinanzierte erste Säule zu stärken.

*Seit 2023 veröffentlicht Pro Familia Schweiz, unterstützt von der Pax-Versicherung, ihr «Familienbarometer». Für die eben erschienene Ausgabe 2026 wurden 2036 Familien befragt, sie gilt als repräsentativ. www.familienbarometer.ch

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