Sensation in Nevada, USA
Sexarbeiterinnen gründen Gewerkschaft

Die Sexarbeiterinnen der «Sheris Ranch» in Nevada, USA, fordern: faire Bezahlung, eine Krankenversicherung und mehr Schutz. Sie gründen eine ­Gewerkschaft und schreiben damit Geschichte.

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ORGANISIEREN SICH: Molly Wylder (l.) und Jupiter Jetson. (Foto: Keystone)

Prostitution ist in den USA illegal. Ausser in wenigen Bezirken des Bundesstaates Nevada. Und genau dort nutzen die Sexarbeiterinnen ihren legalen Status, um für alle Büezerinnen zu kämpfen: 74 Sexarbeiterinnen aus dem Bordell «Sheris Ranch» organisieren sich und wollen die Gewerkschaft «United Brothel Workers» gründen. Auslöser war ein neuer Vertrag, der im Dezember den Arbeiterinnen vorgelegt wurde.

Eine neue Klausel im Vertrag forderte, dass ihr Arbeitgeber Bildmaterial der Arbeiterinnen ohne ihre Zustimmung weiterverwenden darf. Das brachte das Fass zum Überlaufen. Eine Arbeiterin äussert ihre Sorgen: Das Bildmaterial kann einfach weiterverwendet werden. Besonders mit der künstlichen Intelligenz kann neues Material erstellt werden, ohne dass die abgebildete Frau auch nur einen Cent dafür verdient. In Japan sei dies nämlich bereits ein riesiges Problem für Sexarbeiterinnen.

Jupiter Jetson ist bei der Gewerkschaftsgründung ganz vorne dabei. In US-Medien sagt sie:

Wir wollen Bedingungen wie alle anderen Arbeiterinnen und Arbeiter. Wir verdienen einen sicheren und respektvollen Arbeitsplatz.

Unterschreiben oder gehen

Die Betroffenen suchten das Gespräch mit der Geschäftsleitung des Bordells. Diese setzte den Arbeiterinnen ein simples Ultimatum: unterschreiben oder gehen. Während einige unter Zwang unterschrieben, wurden andere wegen ihrer Bemühungen um die Gewerkschaftsgründung entlassen. Sexarbeiterinnen arbeiten unter prekärsten Um­ständen. In den USA werden viele als (Schein-)Selbständige bei Bordellen angestellt und haben so noch weniger Rechte als Angestellte. Molly Wylder, ebenfalls Sexarbeiterin, sagt:

Ist man einmal in dieser Branche drin, wird es schwierig, sie zu verlassen und einen anderen Job zu finden.

Doch die Büezerinnen liessen sich von ihrem Arbeitgeber nicht einschüchtern. Mit ihrer Gewerkschaft fordern sie, was allen Arbeiterinnen und Arbeitern zustehen sollte: faire Bezahlung, eine Krankenversicherung und mehr Schutz.

Belgien und die Schweiz

Auch den belgischen Sexarbeiterinnen gelang vergangenes Jahr der Durchbruch: Ein neues Gesetz sichert ihnen weitgehende Arbeitsrechte zu. Beispielsweise Krankengeld und Kündigungsschutz. In der Schweiz ist Sexarbeit seit 1942 zwar legal, die Arbeiterinnen haben aber wenig Rechte, keinen Schutz und sind Diskriminierung ausgesetzt. Oft wird Sexarbeit mit Menschenhandel in Verbindung gebracht.

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