Rosa Zukunft ‒ Technik, Umwelt, Politik
Künstliche Intelligenz: Sitzen wir auf einem Vulkan,der unsere Arbeitsplätze bald wegradiert?

Ein mögliches Zukunftsszenario: Künstliche ­Intelligenz (KI) zerstört immer mehr Arbeitsplätze. Und dies viel schneller, als bisher angenommen. Sollten Millionen von Arbeitsplätzen wegradiert werden, würde ohne Gegenmassnahmen der Konsum und somit das Wirtschaftswachstum einbrechen.

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KI-ANGST: Frisst die künstliche Intelligenz unsere Jobs rascher, als bisher ­angenommen? Wir wissen es nicht, aber die Politik ist gefordert. (Foto: Dreamstime)

Alle zwei Wochen schreibt Miriam Meckel im deutschen «Handelsblatt» einen in der Regel sensationell informativen Artikel über die digitale Revolution. Meckel ist vieles gleichzeitig: Unternehmerin, Kommunikationswissenschafterin und Professorin in St. Gallen, ­Publizistin und Verwaltungsrätin bei Tamedia.

Wer das alles mit 59 Jahren gleichzeitig bewältigt, muss Nerven aus Stahl und eine schnelle Auffassung haben. In der Ausgabe des «Handelsblattes» vom 25. Februar 2026 jedoch wirkt Miriam Meckel zum ersten Mal etwas ratlos.

Es geht darin um die Zukunft mit KI. Die grossen Tech-Konzerne pumpen Hunderte von Milliarden in unterschiedliche KI-Projekte, oft auch fremdes Geld. Werden sich diese Investitionen je rechnen? Und wenn ja, welche? Oder kommt es zu einer gigantischen und gleichzeitig schöpferischen Zerstörung von Kapital?

In dem Gedankenexperiment mit dem Titel «The 2028 Global Intelligence Crisis» skizzieren die beiden Autoren James van Geelen und Alap Shah eine Welt im Jahr 2028, in der KI so effizient geworden ist, dass sie nicht mehr nur einfache Jobs ersetzt.

Konkret geht der KI-Unternehmer Shah davon aus, dass innert zweier Jahre die Arbeitslosigkeit in den USA auf 10 Prozent steigt und die Tech-Aktien durchschnittlich 40 Prozent ihres Wertes verlieren werden.

Der Grund: Künstliche Intelligenz zerstört immer mehr auch gutqualifizierte Arbeitsplätze. Und dies viel schneller, als bisher angenommen. 70 Prozent der amerikanischen Wirtschaft macht der Konsum aus. Wenn Millionen von Arbeitsplätzen wegrasiert werden, bricht ohne Gegenmassnahmen der Konsum und somit das Wirtschaftswachstum ein.

Sieht dies Alap Shah, dessen Newsletter eine abonnierte Auflage von 120 000 Exemplaren aufweist, zu schwarz? Dies nur deshalb, weil nächstens die künstliche Intelligenz Software selber entwickeln und humanoiden Robotern aller Art zum Durchbruch verhelfen wird?

Niemand weiss es, und deshalb müssen wir uns auf verschiedene Szenarien vorbereiten. Der britische Finanzexperte und Banker Krishna Guha zum Beispiel mag nicht so recht an Shahs Prognosen glauben und geht davon aus, dass die US-Notenbank massiv Anleihen aufkaufen würde, sollte das S­zenario Shah eintreten. Will heissen: Die Notenbank müsste unbeschränkt Geld drucken.

Politik muss reagieren. Wenn die künstliche Intelligenz wirklich einen gewaltigen Produktivitätsfortschritt mit sich bringen sollte, müsste linke Politik gegensteuern. Der Staat – und niemand sonst – müsste subito die Lebensarbeits­zeiten von uns allen senken und nicht erhöhen. Und man müsste das Lohnvolumen stabilisieren, unter anderem mit Mindestlöhnen pro Stunde für fast alle.

Klar scheint mir für die Schweiz Folgendes:

  • Die Zuwanderung wäre (zu meinem Leidwesen) kein Thema mehr, weil die Schweiz nicht mehr, sondern weniger Arbeitskräfte bräuchte.
  • Bund, Kantone, Gemeinden und die Schweizer Unternehmen könnten sich aus den Klauen der US-Tech-Giganten lösen.

Gefordert wären die Universi­täten, das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) und die Schweizerische Nationalbank. Aber die sind zurzeit damit beschäftigt, uns beizubringen, dass wir vor Donald Trump kuschen sollen. Obwohl der, wie seine Rede zur Nation belegt, davon ausgeht, dass er die Zwischenwahlen im November (Midterms) verlieren wird. Und sich deshalb über den Zollentscheid des Obersten Gerichtshofes hinwegsetzen will. Dieser hat entschieden, dass ein Grossteil der von Trump angeordneten Zölle nicht rechtmässig ist. Trump stützt sich nun auf eine andere Grundlage für die neuen Zölle.

Link:

  • rebrand.ly/kolumne-ki
    O-Ton Meckel: «Lowtech ist der neue Luxus. (…) Haustiere retten unsere Gefühlswelt. (…) Analoge Unberechenbarkeit ist der neue Individualismus. (…) AGI steht für «Allgemeine Grosse Ineffizienz.» Spielerisch oder zynisch? Wohl beides!

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