Skandal-Stellenausschrieb gegen «Gen Z»
Wenn Arbeitskräfte aufgrund von Alter diskriminiert werden 

Ein Stellinserat titelt deutlich: Bewerbungen von Arbeitskräften aus der Generation Z sind nicht erwünscht. «Hochproblematisch!», findet Unia-Jugendsekretärin Félicia Fasel. 

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INSERAT DES ANSTOSSES: Eine private Spitex schliesst die Generation Z vom Bewerbungsprozess aus. (Montage: work)

Vor Kurzem sorgte ein Stelleninserat für grosses Aufsehen: Im Inserat einer privaten Spitex im Raum Zürich steht klar und deutlich im Titel: «Keine Gen Z!». Im Stellenbeschrieb kommt es aber noch dicker: «Keine Montag/Freitag-Krankenschein-Mentalität». Das Inserat impliziert, dass 16- bis 27-jährige Büezerinnen und Büezer faul, unzuverlässig und empfindlich sind. Doch was ist da dran? Unia-Jugendsekretärin Félicia Fasel, selbst Teil dieser Generation, ordnet für work den Fall ein:
 
work: Ist ein Stelleninserat, welches das explizit die Generation Z ausschliesst, diskriminierend?
Félicia Fasel: Das ist klar und deutlich eine sehr problematische Formulierung. Laut unserer Bundesverfassung gilt ein Diskriminierungsverbot. Auch aufgrund von Alter kann man diskriminiert werden, wie dieses Beispiel zeigt. Das ist aber nicht nur juristisch problematisch, sondern zeigt, wie tief die Vorurteile auch gesellschaftlich verankert sind. In diesem konkreten Beispiel werden Arbeitskräfte nicht aufgrund von Kompetenzen selektiert, sondern aufgrund von Vorurteilen.
 
Spricht dieser Stellenausschrieb aus, was viele Arbeitgeber von dieser Generation denken?
Die Generation Z wird regelmässig in die Mangel genommen. Doch es ist nicht die erste Generation, die mit Vorurteilen zu kämpfen hat. Sogenannte «Generationsdebatten» kommen immer wieder vor. Die Zahlen vom des Bundesamtes für Statistik aus dem letzten Quartal 2025 zeigen die Produktivität der Generation Z: Über 65 Prozent sind erwerbstätig, wobei die Arbeitslosenquote bei 8.8 Prozent liegt. Kritisch zu beobachten: Viele der Angestellten arbeiten mit befristeten Verträgen, was Unsicherheit bedeutet und nicht unbedingt motiviert. 

WEHRT SICH GEGEN PAUSCHALISIERUNGEN: Unia-Jugendsekretärin Félicia Fasen. (Foto: zvg)

Weiter steht in der Stellenausschreibung: Keine Montag/Freitag-Krankenschein-Mentalität. Was ist da dran: Ssind junge Arbeitnehmende häufiger krank? 
Von einer «Mentalität» zu sprechen, ist plump. Tatsächlich ist ein Anstieg der IV-Renten aufgrund psychischer Erkrankungen bei jungen Erwachsenen festzustellen. Laut Bundesamt für Sozialversicherungen sind psychische Erkrankungen heute die häufigste Ursache für neue IV-Renten bei unter 30-Jährigen. Solche Erkrankungen haben verschiedene Ursachen, doch die Arbeitsbedingungen spielen eine zentrale Rolle. Die entscheidende Frage lautet: Unter welchen Bedingungen treten junge Menschen ins Arbeitsleben ein? In vielen Branchen beobachten wir: chronischen Personalmangel, unregelmässige Arbeitszeiten, steigenden Flexibilitätsdruck (Abend- und Sonntagsarbeit) und vieles mehr. Der Druck auf junge Arbeitskräfte nimmt massiv zu. Das zeigt sich auch bei den Lehrabbrüchen: Rund ein Viertel bricht die Ausbildung ab. Es zeigt uns klar auf: Junge Menschen sind weniger bereit, ihre Gesundheit und ihr Privatleben für unzumutbare Arbeitsbedingungen zu opfern. Natürlich passt das den Arbeitgebern nicht in den KragenKram.

Eine ganze Generation kämpft mit dem Stempel, sie sei arbeitsfaul. Wie beeinflussen solche Vorurteile die Stellensuche von jungen Menschen? Zeigt sich ein Muster von Diskriminierung auch auf bei der Stellensuche?
Stereotype beeinflussen massgeblich, wer eine Stelle bekommt und wer nicht. Wenn eine Generation pauschal als faul, unzuverlässig und überempfindlich eingestuft wird, erschwert das die Stellensuche sehr. So wird unbewusst selektioniert, die Anforderungen werden höher und während der Probezeit wird den jungen Arbeiterinnen und Arbeitern strenger auf die Finger geschaut. Das ist definitiv eine Form von Diskriminierung.
 
Was müssen Arbeitgeber in ihren Betrieben ändern, damit sich auch junge Menschen bei der Arbeit wohl fühlen und motiviert bleiben?
Die Generation Z wünscht sich am Arbeitsplatz Autonomie, dass ihre Kompetenzen ernst genommen werden und dass ihre Tätigkeit Sinn macht. Damit diese Anforderungen für die Generation Z aber auch für alle anderen erfüllt werden, braucht es schlicht und einfach bessere Arbeitsbedingungen! Darunter Arbeitszeiten, bei mit welchen man ein Privatleben führen kann. Löhne, die zum Leben reichen. Und Schutz vor Diskriminierung, einschliesslich Rassismus und struktureller Benachteiligungen, sowie vor Mobbing und sexueller Belästigung. Gute Arbeitsbedingungen sind kein Luxus, sondern eine Investition in gesunde und zufrieden Arbeitskräfte. 
 
Was macht die Gewerkschaft, um junge Menschen in ihrem Arbeitsleben zu unterstützen?
Wir engagieren uns auf mehreren Ebenen für bessere Arbeitsbedingungen der Berufseinsteiger. Einerseits mit Gesamtarbeitsverträgen, in denen wir die Mindestlöhne, Arbeitszeiten und den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmendenrn verteidigent. Wir unterstützen unsere Mitglieder aber auch in mit individuellen Beratungen bei rechtlichen Konflikten am Arbeitsplatz. Zudem sind wir politisch eine Stimme für Lernende und setzen uns ein für bessere Ausbildungsbedingungen. Als Gewerkschaft sind wir kollektiv stark – mit allen Generationen zusammen. Die zentrale Frage lautet nicht: «Was stimmt nicht mit der Generation Z?» Sondern: «Welche Arbeitsbedingungen wollen wir in der Schweiz verteidigen?»
 
Info: Dieses Interview fand an einem Freitagnachmittag statt, alle Beteiligten gehören zur Generation Z.

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