Prix Engagement
Auszeichnung für Mut, Widerstand und Ausdauer

Die Unia ehrt Mitarbeitende eines Migros-Verteilzentrums und das Kollektiv der Genfer Pflegezentren Fahpa mit dem Prix Engagement. work hat die ehemalige Migros-Mitarbeiterin Lida Nachreiner (45) bei der Preisverleihung in Bern getroffen.

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PREISTRÄGERIN LIDA NACHREINER: «Solidarität und gemeinsamer Widerstand sind auch unter schwierigen Bedingungen möglich.»

Als das Online-Shopping während der Coronapandemie durch die Decke ging, baute die Migros ein neues Verteilzentrum in Pratteln BL auf und stellte innert kurzer Zeit 130 neue Mitarbeitende ein. Eine von ihnen war Lida Nachreiner (45). Sie hat heute für die Mitarbeitenden von Migros Online den Prix Engagement der Unia entgegengenommen. Nachreiner sagte bei der Preisverleihung in Bern: «Solidarität und gemeinsamer Widerstand sind auch unter schwierigen Bedingungen möglich.» Zum Beispiel im Migros-Verteilzentrum, wo Nachreiner zu einem Tieflohn arbeitete – bis sie chronisch krank wurde.

Krank von der Arbeit

Die Migros köderte die neuen Mitarbeitenden mit einem Bonus. Doch wer krank war, verlor den Lohnzuschlag. Viele kamen deshalb auch krank zur Arbeit. Es gab fast keinen Gesundheitsschutz und ausbeuterische Arbeitsziele. Nachreiner sagt: «Wer krank wurde oder nicht mithalten konnte, wurde ersetzt. Die meisten Mitarbeitenden hatten keinen Schweizer Pass und kannten ihre Rechte nicht.» Nach zwei Jahren im Verteilzentrum hatte Nachreiner starke Schmerzen, sie wurde krankgeschrieben und in der Folge von der Migros entlassen.

Erfolgreicher Widerstand

Doch Nachreiner akzeptierte die Kündigung nicht und begann sich mit Arbeitskolleginnen und -kollegen sowie der Unia zu wehren. Im Januar 2025 übergaben sie ihren Chefs eine Petition, unterzeichnet von einer Mehrheit der Belegschaft. Und im Februar berichtete der Kassensturz über die miesen Arbeitszustände im Migros-Lager. In der Folge verbesserte die Migros die Arbeitsbedingungen. Der Bonus wurde in den Fixlohn integriert, missbräuchliche Abzüge abgeschafft und gesundheitsschädigende Arbeitsabläufe reduziert. Der zuständige Unia-Sekretär Markus Bardenheuer sagt: «Das Kollektiv bleibt aktiv. Gegen die Angst und Vereinzelung braucht es weiterhin Mut und Durchhaltevermögen.»

Der Prix Engagement der Unia

Mit dem «Prix Engagement» zeichnet die Unia jedes Jahr Gewerkschaftsmitglieder im Dienstleistungssektor aus, die sich mit besonderem Mut für ihre Rechte eingesetzt haben. 2025 ging der Preis an die streikende Belegschaft von Micarna in Ecublens VD, 2024 an die Mitglieder der «Fachgruppe Coop» und 2023 an die Genfer Pflegerin Florence Victor und an ein Kollektiv von Verkäuferinnen der Tierhandlungskette Cats & Dogs.

Preis für Genfer Pflege-Kollektiv

Auch die Mitarbeitenden der beiden Genfer Alterspflegezentren Fahpa setzten sich im letzten Jahr gegen ihre tyrannische Chefin und miese Arbeitsbedingungen in der Pflege zur Wehr. Sie wurden heute ebenfalls mit dem Prix Engagement ausgezeichnet. Nach mehreren ungerechtfertigten Entlassungen und dem Widerstand des Pflegerinnen-Kollektivs musste die Chefin nun selbst ihren Posten räumen. Einige der entlassenen Pflegerinnen werden wieder eingestellt. Neben den beiden Gewinnern des Preises gab es auch noch vier weitere Nominationen: Eine Gruppe der Migros aus Genf, Verkäuferinnen von MagicX in Zürich, Gastropersonal von Plan B Kitchen aus St. Moritz und ein Vertrauensmann aus der Tessiner Gastrobranche.

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