«Frauen am Bauen»
Ein Film, zwei Welten

Ein neuer Film portraitiert Handwerkerinnen, die den Schritt in die machoide Bau-Welt gewagt haben. Und er zeigt, wie Büezerinnen in den USA und der Schweiz mit Vorurteilen umgehen. 

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VOM BÜRO IN DIE WERKSTATT: Schreinerin Yumi bei der Arbeit. (Foto: Michael Schoch) 

Sie werden zwar immer mehr, sind aber nach wie vor eine Rarität: Frauen im Baugewerbe. Laut dem Baumeisterverband sind im Bauhauptgewerbe 11,9 Prozent der Beschäftigten weiblich. Da miteingerechnet sind aber auch Projektleiterinnen oder Planerinnen. In reinen Bauhandwerksberufen sinkt der Anteil auf 2 bis 4 Prozent, bei den Maurerinnen sogar auf 1 Prozent. Ausreisser gibt es im Malergewerbe (rund 40 Prozent der Lernenden sind Frauen) und im Schreinergewerbe (rund 22 Prozent weibliche Lernende).

Das mediale Interesse hingegen hat stark zugenommen. Davon zeugen unzählige Zeitungs- und TV-Berichte der letzten Jahre. Nun kommt mit «Frauen am Bauen» erstmals auch ein Dokumentarfilm in die Kinos. Gedreht und produziert hat ihn die Zürcher Filmemacherin Ginger Hobi-Ragaz. Sie tauchte dabei in zwei ganz unterschiedliche Welten ein.

Zum einen sind da Schweizerinnen wie Romana oder Yumi. Beide haben gute Berufe erlernt, sind mit ihrer Büroarbeit aber unzufrieden. Ex-Grafikerin und Neo-Schreinerin Yumi sagt:

Ich wollte nicht mehr ständig Pickel aus Gesichtern wegretuschieren und damit die Werbeindustrie bedienen.

Und Hochbauzeichnerin Romana merkte, dass sie ihren innersten Wunsch, Maurerin zu werden, nicht länger unterdrücken konnte. Obwohl sie «alle ausgelacht» haben, wie sie sagt. Es ist die Sehnsucht nach dem ehrlichen Bauhandwerk, das die beiden antreibt.

Deutliche Kontraste

In ziemlichem Kontrast dazu steht der zweite Drehort: Chicago, USA. Dort begleitet Hobi-Ragaz die NGO Chicago Women in Trades (CWIT). Diese hilft Frauen in prekären Lebenssituationen, erste handwerkliche Fertigkeiten zu entwickeln, um später im Gewerbe einen Job zu finden («trades» heisst im Amerikanischen Handwerk, Gewerbe). Doch es geht auch viel um Selbstbewusstsein und Empowerment. Da ist zum Beispiel Lucinda, eine alleinstehende Mutter, die zwischen Justizvollzug, Burgerladen und anderen Bullshitjobs balanciert. Für sie ist das Handwerk primär mit der Hoffnung verbunden, der Armut zu entfliehen. Wäre da bloss nicht Trump, der der CWIT den Krieg erklärt hat. In der Schweiz dagegen wollen immer mehr Firmen mit Frauen ihren Fachkräftemangel lindern. 

Und dennoch haben die Protagonistinnen aus nah und fern vieles gemein. Die Vorurteile etwa sind beiderseits des Grossen Teichs identisch. Interessant sind in dieser Hinsicht die jeweiligen Strategien dagegen. Etwas überraschend offenbart Hobi-Ragaz kurz vor dem Abspann, dass ihre Aufnahmen bereits zehn Jahre alt sind. Gern hätte man die Frauen auch in ihrem heutigen Tun gesehen. Stattdessen geben Kurztexte ein Update. Immerhin: Viele haben im Handwerk erfolgreich Fuss gefasst. Oder wie es Lucindas Tochter in Chicago sagt:

Andere Mamis streichen ihren Kindern Brötchen, meine ist draussen und baut Brücken.

Kino-Abend mit der Unia

Die Unia lädt zur Vorführung des Dokumentarfilms «Frauen am Bauen» mit anschliessendem Gespräch mit der Regisseurin Ginger Hobi-Ragaz ein:

Datum: Samstag, 17. Oktober 
Zeit: 14.30 Uhr (Türöffnung 14.15 Uhr) bis 16 Uhr
Ort: Kino Rex, Schwanengasse 9, Bern

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