St. Galler Bettenfabrik Swisspur
Matratzen-Gauner taucht ab und setzt schwer kranken Strohmann ein

Neuer Skandal bei Rheintaler Ausbeuter-Bude: Swisspur hat auch den Kanton Zug beschissen – um über 50 000 Franken! Die Unia gewinnt derweil einen ersten Gerichtsprozess. Doch Betten-Boss Michael Janzik schiebt einen schwer kranken Strohmann (71) vor.

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WO IST MICHAEL JANZIK: Der Betten-Boss zieht sich aus der Affäre. Im Bild zu sehen der Unia-Protest vor der Fabrik in Montlingen. (Bild: Unia)

Ende 2025 deckte die Unia auf: In der maroden Betten- und Matratzenfabrik Swisspur in Montlingen im St. Galler Rheintal wurden Arbeiterinnen und Arbeiter systematisch ausgebeutet. Zu GAV-widrigen Dumpinglöhnen von unter 3000 Franken – und das jahrelang! Nachdem einzelne Beschäftigte protestiert hatten und deswegen geschasst worden waren, wagte ein Teil der Belegschaft den Aufstand. Seither fordern sie mit Hilfe der Unia ihre rechtmässigen Löhne ein. Doch weder auf die brieflichen Forderungen noch auf die Vorladungen der Schlichtungsstelle für Arbeitsverhältnisse hat Swisspur je reagiert. Am 30. Juni kam es daher zu einer ersten Verhandlung vor dem Kreisgericht Rheintal. Doch auch da: Swisspur schwänzte und schickte nicht einmal eine Rechtsvertretung. Umso kürzer dauerte der Prozess. Das Urteil: Die Bettenfabrik muss einem ungarischen Arbeiter 13'000 Franken Lohn nachzahlen und weitere 3000 Franken der Gewerkschaft abliefern.

«Grundsätzlich wäre das ein gutes Zeichen», meint dazu Lukas Auer, der zuständige Unia-Rechtsberater. Mitte August stünden schliesslich noch die Prozesse von drei weiteren Geprellten an. Doch Auer ist hässig: «Ich befürchte, der Staat schaut auch diesmal dabei zu, wie sich eine Lumpenbude auf Kosten der Allgemeinheit aus dem Staub macht!» Tatsächlich deutet vieles darauf hin.

KÄMPFT MIT DEN ARBEITENDEN VOR GERICHT: Unia-Mann Lukas Auer. (Foto: Unia)

Rentner-«Chef» versteckt sich

Michael Janzik (56), der Boss von Swisspur, versteckt sich nämlich hinter einem mittlerweile ziemlich verschachtelten Firmenkonstrukt. Aktuell hat er drei Rechtseinheiten registriert, die «Swisspur» im Namen tragen. Zwei weitere Firmen hat er dagegen umbenannt, verschoben und auf einen Strohmann überschrieben, kaum war ihm die Unia auf die Schliche gekommen.

Dabei handelt es sich, wenig erstaunlich, um just jene Firmen, über die Janzik zuvor die Dumping-Arbeitsverträge abgeschlossen hat und deren Nachfolgefirmen jetzt entsprechend mit hohen Lohnnachforderungen konfrontiert sind: Aus der Swisspur Schlafkomfort AG mit Sitz in Hünenberg ZG machte Janzik die Global Sleep Europe AG mit Sitz in Zürich. Und aus der Swisspur Manufaktur AG mit Sitz in Oberriet SG wurde die Swiss Sense Global Sleep AG mit Sitz in Basel.

Beide laufen neu auf Uwe F.*, einen 71jährigen Deutschen. Seine Wohnadresse lautet auf eine ärmliche Plattenbausiedlung am Stadtrand von Herford bei Bielefeld. In den sozialen Medien präsentiert sich der Rentner rauchend und auch mal mit zwei Flaschen Hochprozentigem. Ein Blick ins Handelsregister zeigt: F. hatte seinen Namen schon früher hergegeben für die Abwicklung einer Janzik-Firma. Damals ging es um einen dubiosen Onlinehandel für Gewürze. Die Kundenbewertungen auf Google sind unterirdisch, einschliesslich Betrugs- und Wuchervorwürfen.

Bei ehemaligen Swisspur-Arbeitern heisst es jedenfalls unisono: Rentner F. sei nichts anderes als ein Strohmann für Janzik. Dabei sei er eigentlich ein armer Teufel. Zumal er schon länger schwer krank sei und kaum zurechnungsfähig in einem deutschen Pflegeheim seiner Tage harre. Für work war F. nicht erreichbar.

Fakt ist aber: Der Prozess mit der Unia musste kurzfristig verschoben werden, da beim Kreisgericht Rheintal ein Arztzeugnis für F. eingegangen war. Laut Unia-Mann Auer hatte das Zeugnis ein Unbekannter persönlich für F. vorbeigebracht. Im Schreiben heisst es, Patient F. leide an einer «akuten Verschlechterung bestehender chronischer Erkrankungen» und sei «vorerst 10 Tage» nicht reisefähig. Bloss: Auch am Ersatztermin tauchte F. nicht auf – unentschuldigt. Noch schriller sind allerdings die Signale, die aus Basel eintreffen.

Behörden überfordert

Dort hätte das kantonale Betreibungsamt nämlich zahlreiche Geldforderungen der Swisspur-Belegschaft überstellen müssen. Total geht es laut Unia-Auer um einen Betrag von rund 150'000 Franken. Doch das Amt scheiterte – und meinte dazu lapidar: «Die Zustellung konnte nicht ausgeführt werden, da an der Domiziladresse (…) keine Zustellmöglichkeiten bestehen. Zudem befinden sich die zeichnungsberechtigten Organe an einem uns unbekannten Aufenthalt. Die entsprechende Privatadresse ist uns ebenfalls nicht bekannt.» work schuf Abhilfe und legte dem Basler Betreibungsamt die recherchierte Adresse offen. Vergeblich: «Danke für Ihre Info, doch können wir in dieser Sache nichts unternehmen, da sich die Person in Deutschland befindet.»

Immerhin etwas proaktiver geht da der Kanton Zug vor, der vor einem ähnlichen Problem steht. Seine Ausgleichskasse hat unlängst einen Zahlungsbefehl zuhanden der Global Sleep Europe AG (vormals Swisspur Schlafkomfort) im «Handelsamtsblatt» publiziert. Ein ungewöhnlicher Vorgang, der nötig wurde, da auch am neuen Firmensitz in Zürich niemand reagiert. Und da ihr «Verwaltungsrat» Uwe F. «zurzeit unbekannten Aufenthalts» sei. Es geht um über 51'000 Franken fehlende Lohnbeiträge aus den Monaten Januar bis Dezember 2025. Auf Nachfrage präzisiert die Ausgleichskasse gegenüber work, es handle sich um fehlende Sozialversicherungsbeiträge. Swisspur hat also ein ganzes Jahr lang zumindest teilweise schwarzarbeiten lassen. Und die Zuger Behörden sind offenbar nicht energisch genug eingeschritten.

Jetzt dürfte es bald zu spät sein. Jedenfalls sieht alles nach einem französischen Abgang durch Konkurs aus. Für die geprellte Belegschaft wäre das bitter. Lukas Auer erklärt:

Falls keine Konkursmasse mehr vorhanden ist, können wir nur über die Insolvenzentschädigung etwas fordern, die maximal die letzten vier Monate abdeckt. Aber bei Swisspur wurden unsere Leute viel länger beschissen, bis zu vier Jahre!

Hintermann Michael Janzik könnte also günstig davonkommen – und scheint sogar ungestört weiterzumachen.

Swisspur sponsert Prasserleben

Zwar reagiert er weder auf Anrufe noch auf Mails. Doch in sämtlichen der vier Swisspur-Showrooms in Hünenberg ZG, Meilen ZH, Lyss BE und St. Gallen bestätigen die Angestellten: Ja, die Geschäfte laufen gut. Ja, in Montlingen wird weiterproduziert. Chef Janzik aber habe man schon lange nicht mehr gesehen. Und seine Handynummer dürfe man keinesfalls herausgeben, «auf strikte Anweisung».

Weniger öffentlichkeitsscheu ist da der älteste Junior (25) vom Betten-Boss. Er posiert auf Social Media auch weiterhin mit Luxusuhren und Bonzenschlitten aller Art, letztere teils beschriftet mit dem Swisspur-Logo. Ob auch die neuste Anschaffung, ein BMW M3 Touring im Wert von rund 140'000 Franken, auf eine Firma von Papa registriert ist? Es muss vorerst offenbleiben. Denn die Halterauskunft ist gesperrt.

PROTZAUTO MIT SWISSPUR-LOGO: Der BMW M3, den der Sohn des Matratzen-Gauners zur Schau stellt.

Dasselbe ist der Fall bei den diversen Porsches, mit denen sich Janzik-Junior an der Côte d’Azur oder der Zürcher Bahnhofstrasse filmt. Noch vor den ersten work-Berichten liefen die Boliden öffentlich einsehbar auf die Swisspur Schlafkomfort AG, die heutige Phantomfirma von Untergrund-Rentner Uwe F.

*Name der Redaktion bekannt

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