Kanton droht mit Bau-Sperren:
Fast alle Walliser Baufirmen umgehen Hitzeschutz!

Der Kanton Wallis zieht die Schraube an beim Hitzeschutz. Mit einem fortschrittlichen Warnsystem, aber auch mit klaren Vorgaben. Doch jetzt zeigt eine Unia-Inspektion: Über 88 Prozent der Baufirmen halten sich nicht daran!

KONTROLLIERT: Im Wallis herrscht Bau-Boom, auch wegen der Lonza in Visp (oben), doch beim Hitzeschutz haperts heftig. Foto: Wikimedia.

Letzte Woche kündigte der Kanton Wallis an, seine Schutzmassnahmen für sonnenexponierte Arbeitnehmende zu verschärfen. Dies explizit wegen der «zunehmenden Hitzewellen». Konkret erweiterte die Dienststelle für Arbeitnehmerschutz und Arbeitsverhältnisse (DAA) ihr Überwachungssystem und installierte 32 zusätzliche meteorologische Sonden auf dem Kantonsgebiet. So liessen sich die verschiedenen Regionen und Höhenlagen viel genauer erfassen – und die tatsächliche Sonnenexposition präziser einschätzen, so die DAA. Anhand der Messstationen erhielten Unternehmen zudem neu eine Vorwarnung von einigen Tagen und könnten so ihre Arbeitsorganisation frühzeitig planen. Und schliesslich liefern die Sonden auch die Daten für den sogenannten «Heatector», einen Hitzestressindex auf Basis der WBGT-Messung (wet-bulb globe temperature). Dieser Indikator bewertet das Risiko für den menschlichen Körper und berücksichtigt nicht bloss die Lufttemperatur, sondern auch die relative Luftfeuchtigkeit, die Strahlung und den Wind.

Kanton: «Strafverfahren möglich!»

Zudem hat der Kanton fünf Gefahrenstufen mit verschiedenen Massnahmen herausgegeben. Die aktuell verbreitete Gefahrenstufe 3 verlangt etwa «zusätzliche und regelmässige» Pausen sowie «angepasste» Arbeitszeiten und Arbeitstempi. Bei Stufe 4 müssen Firmen eine Spezialistin für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz (ASA) beiziehen. Und bei Stufe 5 (WBGT ≥ 29.4) sollen körperlich anstrengende Arbeiten im Freien ohne Schatten zwischen 14 und 17 Uhr ganz eingestellt werden. Der Kanton definiert die Massnahmen als Empfehlungen, warnt aber gleichzeitig: «Werden die Empfehlungen nicht befolgt und die Gesundheit der Arbeitnehmenden gefährdet, können Strafverfahren eingeleitet werden.» Ausserdem behalte sich der Kanton vor, «ein formelles Verbot körperlich intensiver Arbeiten im Freien ohne Beschattungsmöglichkeit» zu verhängen, falls die Empfehlungen «nicht ausreichend befolgt» würden.

TRINKPAUSE: Die Unia Wallis bringt Abkühlung und prüft, ob die Firmen ihre Pflichten erfüllen. Foto: zvg.

Die Unia Wallis wollte es genau wissen und hat zügig eine zweitägige Baustellen-Tour durchgeführt. Lisa Rossi, Leiterin der Unia Oberwallis, sagt: «Damit haben wir auch auf die zahlreichen Anfragen von Arbeitnehmenden reagiert, die starker Hitze ausgesetzt sind.» Der Umgang mit der Hitze-Problematik sorgt offensichtlich zunehmend für Unmut auf den Baustellen. Und tatsächlich lassen Rossis Resultate aufhorchen!

Nicht einmal Wasser gab es

Die Unia kontrollierte 41 Baustellen, auf denen zwischen Brig und Collombey-Muraz 261 Büezer arbeiteten. Von den untersuchten Firmen hielten mehr als 88 Prozent die Massnahmen nicht oder nicht vollständig ein. Lediglich fünf Firmen erfüllten die Vorschriften vollständig. Nur 14 hatten Arbeitszeiten und Tempo angepasst. Zudem hat nur eines von 10 Unternehmen der dazu verppflichteten Unternehmen einen ASA-Spezialisten engagiert. Damit nicht genug. Einige Unternehmen haben laut Unia selbst grundlegende Massnahmen nicht eingehalten, beispielsweise die Versorgung ihrer Mitarbeitenden mit Wasser oder die Bereitstellung von persönlicher Schutzausrüstung.

SCHAUT HIN: Unia-Oberwallis-Chefin Lisa Rossi. Foto: Unia

Das Ausmass der Verstösse habe sie überrascht, sagt Unia-Leiterin Lisa Rossi. Für sie ist daher klar: «So darf es nicht weitergehen!» Und wird es allem Anschein nach auch nicht.

Unia: «Ohne Vernunft brauchts Verbot»

Rossi hat ihre Resultate nämlich der DAA weitergeleitet. Und diese habe geantwortet, «dass die Massnahmen verschärft werden, damit bei grosser Hitze verstärkte Kontrollen vor Ort durchgeführt werden.» Rossi appelliert aber auch an die Baumeister, ihrer Verantwortung gerecht zu werden und die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden wirksam zu schützen. «Andernfalls stellen wir fest, dass Anreizmassnahmen nur begrenzte Wirkung zeigen und dass der Kanton formelle Arbeitsverbote erlassen müsste.» Die Probe aufs Exempel dürfte bald wieder möglich sein. Am Übergang von Juli zu August klettern die Temperaturen für gewöhnlich am höchsten.

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