Rassismus in der Schweiz ist allgegenwärtig
Die SVP-Initiative macht es noch schlimmer

Der neue Schweizer Rassismusbericht zeigt: Diskriminierung ist weit verbreitet. Besonders betroffen sind junge Menschen in Ausbildung. 

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WO ES DIE MEISTEN TRIFFT: Der Rassismusbericht zeigt anhand der Daten von 2025, in welchem Lebensbereich die Menschen diskriminiert wurden. (Grafik: EKR)

Unia-Migrationssekretärin Nivalda Still ist in diesen Tagen voll im Einsatz gegen die SVP-Chaosinitiative. Sie sagt: «Diese Initiative führt zu noch mehr Spaltung zwischen Schweizern und Ausländern. Als wäre der strukturelle Rassismus im Land nicht schon Problem genug.» 

Im neusten Bericht der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus (EKR) und der NGO Humanrights steht:  «Rassistische Diskriminierung ist nicht angeboren, sondern gesellschaftlich erlernt.» Nivalda Still erklärt: «Migration wird von der SVP systematisch als Bedrohung dargestellt, was Vorurteile gegenüber Menschen, die bereits Diskriminierung erfahren, zusätzlich verstärkt.» Für viele Unia-Mitglieder haben solche Kampagnen direkte Auswirkungen. Sie werden bei der Wohnungssuche benachteiligt oder bei der Arbeit rassistisch abgewertet. 

1245 Fälle von Rassismus

Obwohl der Rassismusbericht nur einen Bruchteil der tatsächlichen rassistischen Vorfälle in der Schweiz erfasst, wird klar: Am häufigsten werden Schwarze und muslimische Menschen Opfer von rassistischer Diskriminierung. Die Beratungsstellen, die inzwischen in allen 26 Kantonen aktiv sind, haben im letzten Jahr 406 Betroffene von antischwarzem Rassismus beraten. In 369 Fällen war es Ausländer- und Fremdenfeindlichkeit. In 281 Fällen handelte es sich um antimuslimischen Rassismus, bei 60 Fällen um Antisemitismus.

WER AM STÄRKSTE BETROFFEN IST: Die Zahlen aufgeschlüsselt nach Bevölkerungsgruppen. (Grafik: EKR)

Gegenüber dem Vorjahr hat die Gesamtzahl der gemeldeten Fälle leicht zugenommen: 1245 Personen holten sich im letzten Jahr Unterstützung, am häufigsten im Bereich Bildung mit 260 Fällen und am Arbeitsplatz mit 210 Fällen. 

Fokus auf Lernende

Die meisten Menschen, die sich gegen Rassismus zur Wehr setzen, haben einen Schweizer Pass. Die EKR geht davon aus, dass die Fallzahlen bei Menschen ohne Schweizer Pass noch deutlich höher sind. Doch diese getrauen sich oft nicht, gegen Diskriminierungen durch Arbeitgeber, Lehrpersonen oder Vermieterinnen vorzugehen. Einen besonderen Fokus richtet der diesjährige Bericht auf die Situation von Lernenden. Hier kommen im Rassismusbericht auch die Unia-Fachleute Félicia Fasel, Hilmi Gashi und Nivalda Still zu Wort. Ihr Beitrag verdeutlicht, dass junge Menschen in Ausbildung besonders oft von Diskriminierung, Stress und Erschöpfung betroffen sind. Die Umfrageergebnisse der Unia zeigen, dass etwa ein Drittel der Lernenden während der Lehre Rassismus erleben. Damit ist die Belastung bei Auszubildenden deutlich höher als im Bevölkerungsdurchschnitt, wo etwa 17 Prozent der Menschen unter Rassismus leiden. Wegen des fehlenden Wissens über Rassismus und die Unterstützungsangebote sind junge Menschen in Ausbildung auch oft besonders lange rassistischem Verhalten ausgesetzt. 

Unia-Leitfaden

Die Unia hat deshalb im vergangenen Jahr einen Leitfaden gegen Rassismus veröffentlicht, der sich insbesondere an Lernende und junge Menschen richtet (hier bestellen oder herunterladen). Die Broschüre erklärt die wichtigsten Begriffe, bietet Ratschläge für den Umgang mit rassistischen Situationen und zeigt, wie man sich zur Wehr setzen kann. Nivalda Still sagt: «Dieser Leitfaden ist sehr gefragt und wird auch von den Sozialpartnern und Berufsschulen verwendet.» 

Rassismus im Job: Büezerin wehrt sich

Im Bericht sind verschie­dene konkrete Fälle von ­Rassismus dokumentiert. Eine Frau suchte beispielsweise Unterstützung wegen schwerwiegender rassistischer Vorfälle an ihrem Arbeitsplatz in einem ­grossen Unternehmen. Der Standortleiter machte ­wiederholt diskriminierende und massiv rassistische Aussagen. Die Betroffene konnte dies mit Beweisen belegen und wandte sich an die Personalabteilung. Diese wollte die Frau ­daraufhin intern versetzen und ihr eine Schweigepflicht für die Vorfälle auferlegen. Für den Standortleiter hätte es keinerlei Konsequenzen gegeben. Aufgrund der anhaltenden Belastung ­kündigte die betroffene Frau ihre Stelle. Die Beratungsstelle begleitet und unterstützt sie derzeit bei einer Klage vor dem ­Arbeitsgericht.

Wer rassistische ­Fälle beobachtet oder ­selber Hilfe in Anspruch nehmen will, kann sich bei einer der 26 kantonalen ­Beratungsstellen melden. Seit 2021 betreibt die EKR auch die Website reportonlineracism.ch für das Melden rassistischer Online-Hassrede.

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