Neue Befragung bei Jugendlichen von Pro Juventute zeigt:
Mädchen und junge Frauen unter Druck

Eine neue Studie zeigt: Mädchen und junge Frauen sind ­deutlich mehr von ihrer schulischen Leistung und ihrer persönlichen Entwicklung gestresst als ihre männlichen Altersgenossen.

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Kein Kind mehr, aber noch nicht ganz erwachsen: Die Jugend ist und war schon immer eine herausfordernde Zeit. Pubertät, Stress mit den Eltern, Druck in der Schule, Berufswahl, Identitätskrise. Jetzt veröffentlicht Pro Juventute in Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugend­psychiatrie sowie Psychotherapie (KJPP) der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich zum zweiten Mal eine umfassende Umfrage, wie es den 14- bis 25jährigen in der Schweiz aktuell geht.

Die gute Nachricht: Eine grosse Mehrheit der Jugendlichen gibt an, sich psychisch wohl zu fühlen. Die Befragten geben zudem an, dass Eltern und Freunde die eigenen Sorgen ernst nehmen. Weniger blendend sieht es beispielsweise beim Thema Einsamkeit aus. Da geben fast ein Drittel der jungen Menschen an, sich immer, oft oder zumindest manchmal einsam zu fühlen. Auch die Müdigkeit ist ein ­grosses Thema. Über 28 Prozent geben an, regelmässig oder sogar ständig erschöpft und müde zu sein.

Blickt man noch etwas tiefer in die Umfrageresultate, fällt klar auf: Junge Frauen haben deutlich grössere Sorgen als junge Männer.

Riesiger Unterschied

Doch was stresst die jungen Frauen? Auffällig ist, dass Stressoren besonders schulischer Natur sind. An der Spitze liegt bei beiden Geschlechtern der Prüfungsstress, doch das Ausmass ist sehr unterschiedlich. Während die weiblichen Befragten zu 46,8 Prozent angaben, dass sie häufig oder sehr häufig unter Prüfungsstress leiden, liegt der Wert bei den männlichen Befragten bei 30,1 Prozent. Jungen Frauen bereitet ihre berufliche Zukunft deutlich mehr Stress als jungen Männern. Hier liegt der Wert bei den weiblichen Befragten bei 39,5 Prozent, bei den männlichen bei 24,5 Prozent. Auch bei weiteren Stressoren wie Perfektionismus, Streit in der Familie sowie Mobbing leiden junge Frauen deutlich stärker als ihre männlichen Altersgenossen.

Sich sorgen um die Welt

Mädchen und junge Frauen machen sich zudem mehr Sorgen um die Lage der Welt und die Situation der Gesellschaft. Besonders gross ist die Schere beim Thema «Sexismus, Benachteiligung oder Gewalt gegenüber Frauen». Während 42,2 Prozent der weiblichen Befragten angaben, sich Sorgen zu machen, waren es bei den Männern lediglich 17 Prozent. Das Thema «Kriege auf der Welt» bereitete Frauen mit 45,9 Prozent deutlich mehr Sorgen als Männern mit 33,8 Prozent. Weitere Themen, um die sich junge Frauen mehr Sorgen machen, sind die Zukunft, die politische Entwicklung der Welt, der Klimawandel, die zunehmende Schere zwischen Arm und Reich und vieles mehr.

Nur wenige Themen beschäftigen junge Männer mehr als junge Frauen. Dazu gehören die «Flüchtlingskrise», «Wirtschaftskrisen und Inflation» und damit einhergehend auch die «zunehmende Unsicherheit in der Schweiz bei Krisen in der Welt».

Die wenigen Sorgen, die junge Männer stärker beschäftigen, werden auf der politischen Bühne ­öfter von rechtsliberalen Kreisen bewirtschaftet, insbesondere die «Flüchtlingskrise». Oder die zunehmenden Bestrebungen für militärische Aufrüstung. Eine logische Folge, wovon work bereits letztes Jahr berichtete: Junge Frauen orientieren sich politisch zunehmend links, junge Männer rechts.

Migration als Belastung

Spannend ist weiter der Unterschied zwischen Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund. Jene mit Migrationshintergrund leiden stärker unter den schulischen Anforderungen, beispielsweise messbar mit dem Prüfungsstress. Während 11 Prozent der ­Befragten ohne Migrationshintergrund Stress vor Prüfungen haben, sind es bei jenen mit Migra­tionshintergrund 24 Prozent. Das ist mehr als doppelt so viel.

Auch finanzielle Sorgen haben unterschiedliche Belastungswerte: Knapp ein Viertel der Jugendlichen ohne Migrationshintergrund machen sich Sorgen um ihre eigene finanzielle Situation. Bei jenen mit Migrationsgeschichte machen sich mehr als ein Drittel darum Sorgen. Auch die finanzielle Situation der Eltern belastet sie deutlich mehr als Jugendliche aus Schweizer ­Familien.

Hilfe in Krisen: Die künstliche Intelligenz wird zur Seelsorgerin

Pro Juventute ist bekannt für ihre Notrufnummer 147. Dort können sich Kinder und Jugendliche in Krisensituationen ­melden und rund um die Uhr ein offenes Ohr beanspruchen. In ihrer aktuellen ­Umfrage hakte die Stiftung bei den ­Jugendlichen nach, wo sie sich Hilfe in Krisensituationen suchen. Jeder zehnte gibt an, sich mit Problemen an eine künstliche Intelligenz zu wenden. Ähnlich häufig nutzen die Jugendlichen professionelle Fachstellen und Beratungs­angebote, wie sie Pro Juventute zur Ver­fügung stellt. Unter www.147.ch finden junge Menschen diverse Hilfsangebote. Nebst der Notfallnummer gibt es auch die ­Möglichkeit, sich schriftlich via Whatsapp oder Mail beraten zu lassen. Und ­zusätzlich eine grosse Auswahl an ­hilfreichen Artikeln, wie beispielsweise Tipps gegen Prüfungsstress oder Panik­attacken.

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