KI ist mehr als eine Technik
Es geht um die Weltherrschaft

Der rasende Aufstieg von künstlicher Intelligenz trägt ein autoritäres Projekt, das uns von den Big-Data-Konzernen abhängig machen will. Um Antworten zu finden, müssen wir tiefer in der KI-Ökonomie graben. 

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KRIEGERKULTUR: Palantir-CEO Alex Karp. (Foto: Keystone)

In den ersten 24 Stunden des Iran-Krieges griffen die israelisch-amerikanischen Militärs mehr als tausend ausgesuchte, oft bewegliche Ziele an. Menschliche «Operatoren» schaffen das nicht. Denn dazu müssten sie in Sekundenschnelle Bilder von Überwachungsdrohnen und Satelliten, Handy-Bewegungsprotokolle, gehackte Social-Media-Konten und viele andere Datensätze analysieren und Zielkoordinaten errechnen.  

Die Wahrheit ist: Nicht Offiziere führen diese Angriffe durch, sondern Algorithmen. Künstliche Intelligenz. Der Überfall auf Iran ist der erste vollautomatische Krieg der Geschichte. 

Vernichtende KI

Am Drücker ist das System Maven. Entwickelt hat es der US-Konzern Palantir. Der ist gerade stark beschäftigt. Seine KI organisierte die Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro. ICE, die Miliz des Trump-Regimes, jagt Migrantinnen und aufsässige Bürger mit Hilfe der Palantir-Plattform Falcon.

Und da ist der Vernichtungskrieg in Gaza. Weil der fürs Image kritisch ist, bestreitet Palantir, die Datenbank Lavender und die KI Gospel der israelischen Armee entwickelt zu haben. Die hatten viele Tausende von Palästinense-rinnen und Palästinensern fälschlicherweise als «Terroristen» zum Abschuss bestimmt. Doch das Dementi des Konzerns ist dünn. 2024 wurde die «strategische Partnerschaft» mit Israel gefeiert.

Wie freute sich eine Palantir-Sprecherin: «Wir werden immer tödlicher, also rentabler.» Der Börsenwert des Unternehmens ist im vergangenen Jahr um 600 Prozent gestiegen. CEO Alex Karp  besteht auf einer «Kriegerkultur». Mantra: «Schneller und besser töten.» 

Ziel Weltherrschaft

Dem Mann mit seinem wilden grauen Haarbusch, der redet, als sei er permanent auf Amphetaminen, schmeichelt die journalistische Bezeichnung «gefährlichste Firma der Welt». Freilich arbeitet Palantir auch für Banken, Firmen und zivile Behörden. Unter anderem in der Schweiz. Seinen operationellen Europasitz hat der Konzern an der Zürcher Bahnhofstrasse. Aggressiv hat er versucht, mit Bund (Militärdepartement) und Kantonen (Polizei, Gesundheitswesen) ins Geschäft zu kommen. Offenbar mit geringem Erfolg. Hingegen sind Novartis, Swiss Re und der Medienkonzern Ringier gute Palantir-Kunden. 

Karp sagt, Gewinn sei ihm egal, «mich interessiert nur Dominanz». Das Ziel? «Weltherrschaft». Militärisch wie ökonomisch. 

Dies als PR-Stunt eines Kapitalisten aus dem Silicon Valley abzutun, wäre eine grobe Unterschätzung. 2025 hat das US-Regime Palantir beauftragt, die Totalüberwachung der Bevölkerung einzurichten. Ein Multi-Milliarden-Projekt. Nicht nur der gesamte Social-Media-Verkehr soll durchleuchtet werden (darum müssen Einreisende künftig ihre «History» preisgeben). Elon Musks X und Mark Zuckerbergs Facebook, Instagram, Whatsapp, Messenger liefern zu. Vor allem aber soll Palantir Profile aller Bewohnerinnen und Bewohner erstellen. Angestrebt werden 314 «Datenpunkte» pro Person. Datenpunkte sind Informationen wie: Gewerkschafterin, Diabetiker, homosexuell … Bei Google gilt als Faustregel: Mit nur acht Datenpunkten lässt sich bereits verlässlich profilieren.

Früherkennung von Demokraten 

Daraus ziehen Big-Data-Konzerne mit intelligenten Algorithmen Prognosen über künftiges Verhalten. So lässt sich besser geschäften. Oder frühzeitig identifizieren, wer zu politischer Opposition oder gar gewerkschaftlichem Widerstand neigt. Der französische Inlandgeheimdienst DGSI hat seine Palantir-Verträge gerade erst um ein paar Jahre verlängert.

Die Firma wurde 2004 vom deutsch-südafrikanisch-amerikanischen Investor Peter Thiel, Karp und einigen anderen just zum Zweck des Regimewechsels (im Innern) gegründet. Geldgeber war der Investmentfonds In-Q-Tel der CIA. Siebzehn Jahre lang machte Palantir keinen Gewinn. Doch mit öffentlichem Geld entwickelten sie die mächtigen Instrumente, auf die sich neue Rechte und die Konzerne bei ihrem Abriss der Demokratie nun stützen. 

HELD DER RECHTEN: Milliardär Peter Thiel. (Foto: Keystone)

Der Milliardär Thiel ist eine der einflussreichsten Figuren der US-Rechtsradikalen. Er hat die Oligarchen des Silicon Valley an Trump herangeführt. Als Rassist (Erbe seiner Apartheid-Jahre) und Frauenverächter stellt er die Freiheit gegen die Demokratie: Weil der reiche, weisse Mann von Gott mit einem höheren IQ beglückt sei, müsse er sich nicht an Regeln und Gesetze halten. Neuerdings trägt Thiel apokalyptische Visionen vor. Mitunter erscheint ihm der Antichrist in der Gestalt von Greta Thunberg. 

Sein erstes grosses Geld hatte Thiel mit Elon Musk und Paypal gemacht. Seither haben sie Donald Trump finanziert und ihm Thiels Zögling und Ex-Angestellten JD Vance als Vizepräsidenten aufs Auge gedrückt. Vance soll bald übernehmen. 

Als Präsident Trump das Amt antrat, standen in der vordersten Reihe die Tech-Bros. Der Regimewechsel war vollzogen. Big Data hatte als dominierende Fraktion des Kapitals zuerst die Börse, dann die Politik übernommen.

In einer ersten Amtshandlung baute Trump sämtliche Leitplanken ab, mit denen seine Vorgänger versucht hatten, die Gefahren künstlicher Intelligenz zu bändigen. Der Präsident steht ganz im Dienst des Big-Data-Kapitals. Europa droht er Übles an, sollte die EU die US-Konzerne in die Pflicht nehmen, um die Technik zugunsten der Arbeitenden zu nutzen. Und wo immer sich die Rohstoffe finden, die Big Data in exorbitanten Mengen verbraucht, Energie, Wasser, Metalle, seltene Erden, will er sie konfiszieren, notfalls militärisch. Weltherrschaft eben.

Maschinenräume des Kapitalismus

Wer Zuckerbergs 600-Milliarden-Dollar-Projekt für ein Rechenzentrum – «so gross wie Manhattan» – beobachtet, versteht rasch: Hier wird die Welt umgebaut. Thiel will Monopole in privat regierten Produktionszonen als Maschinenräume eines neuen Kapitalismus. Uns allen sollen Flausen wie Solidarität, Gerechtigkeit und soziale Sicherheit ausgetrieben werden. Und überhaupt sei nur eine schmale Schicht von Hoch-IQ-Menschen lebenswert. Sie zählen sich selbstverständlich dazu.

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