Mehr Sicherheit für Schwangere
Am Ende kamen einige Bürgerliche doch noch zur Vernunft

Pro Jahr werden ­500 ­Frauen ausgesteuert, die schwanger sind. Das hat für sie und ihre Familien existentielle Folgen: Sozialamt statt Mutterschaftsurlaub. Das soll sich bald ändern.

Beitrag vorlesen lassen.
0:00 / 2:48
IM FOKUS: Rechte wollten Schwangere aufs Sozialamt schicken. (Foto: Canva)

Stellenlose Schwangere, die krank werden, verlieren nach 30 Tagen den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung. Selbst wenn sie während Jahren ALV-Beiträge eingezahlt haben. Schlimmer noch: Sie können auch ausgesteuert werden und verlieren dann gleich noch den Anspruch auf Mutterschaftsentschädigung. Das betrifft jährlich rund 500 Frauen. Für viele ­bedeutet das: ab aufs Sozialamt. Dieses Ärgernis könnte mit minimen Anpassungen am ALV-Gesetz zu Kosten im tiefen Promillebereich beseitigt werden. Konkret: 0,12 Prozent der Ausgaben der Arbeitslosenversicherung, das sind 8 Millionen Franken von insgesamt 7 Milliarden Franken. 2024 nahm die ALV 1,4 Milliarden Franken mehr ein, als sie ausgeben musste.

Kein vernünftiger Mensch kann da dagegen sein. Die bürgerliche Mehrheit der ständerätlichen Sozialkommission schon. Sie sagte am 15. August mit 7 zu 5 Stimmen bei einer Enthaltung Nein zu einer entsprechenden Motion der Berner SP-Ständerätin Flavia Wasserfallen (work berichtete). Die dreiste Begründung der Kommissionsmehrheit im Wortlaut:

Die Kommission ist der Auffassung, dass das geltende Recht schwangerschaftsbedingte Arbeitsunterbrüche bereits ausreichend abdeckt und dass zudem die Möglichkeit besteht, branchen- oder unternehmensspezifische Lösungen zur Förderung der beruflichen Integration von Schwangeren umzusetzen.

Zusammengefasst: Ein Pro­blem gibt’s nicht. Und wenn doch, lösen das die Arbeitgeber schon.

Protest wirkt

Die Gewerkschaften, Frauenorganisationen und fortschrittliche Parteien protestierten. Und im Plenum des Ständerates kamen dann einige Bürgerliche doch noch zur Vernunft, und so kam es im September zu einer Ja-Mehrheit. In dieser Session hat jetzt auch der Nationalrat zugestimmt. Gegen den geschlossenen Widerstand der Fraktionen von SVP und FDP. Das Dossier geht nun zurück an die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Ständerates. Die Gewerkschaften werden ihr genau auf die Finger schauen.

Schreibe einen Kommentar

Bitte fülle alle mit * gekennzeichneten Felder aus.