Heute ist der Equal Pay Day
Lohn, Chefetagen und Orgasmen: Wo Frauen überall das Nachsehen haben

Frauen verdienen noch immer markant weniger als Männer. Die Lohnungleichkeit ist so gross, dass Frauen im Jahr 2026 fast 1.5 Monate komplett gratis arbeiten. Diese sogenannten Gaps gibt es auch in weiteren Kategorien – vom Friedensnobelpreis, über den Chefinnensessel bis zum Orgasmus.

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VON WEGEN CHANCENGLEICHHEIT: Bis am 13. Februar arbeiten Frauen gratis. (Illustration: jun)

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, unabhängig vom Geschlecht – eigentlich ist das in der Schweiz sogar gesetzlich geregelt. Denn seit 30 Jahren ist das Gleichstellungsgesetz in der Schweiz in Kraft. Dieses verbietet jegliche Diskriminierung am Arbeitsplatz und stellt die Chancengleichheit im Erwerbsleben sicher. Trotzdem ist er wieder da – der Equal Pay Day. Dieses Jahr fällt dieser auf den 13. Februar. Die Bedeutung: Angesichts der Lohngleichheit hierzulande haben Frauen bis heute unbezahlt gearbeitet. Eine ernüchternde Bilanz.

Die aktuellen Zahlen des Bundesamts für Statistik sind aus dem Jahr 2022 und belegen einen Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern von durchschnittlich 16.2 Prozent. Unterteilt man dies noch in öffentlichen und privaten Sektor, sind die Unterschiede im privaten Sektor – heisst bei privaten Unternehmen wie Banken, Versicherungen, Detailhandel und vielen mehr – noch viel grösser, nämlich bei 17.5 Prozent.

Der Wert der Frauenarbeit

Das Bundesamt für Statistik unterteilt die Lohnunterschiede in erklärbar und unerklärbar. Als erklärbar gelten sogenannte «persönliche Entscheidungen». Das sind beispielsweise Wahl der Ausbildung, des Berufs und der Branche, sowie ob man Teilzeit angestellt ist oder nicht. Besonders in sogenannten Frauenbranchen geht die Schere weit auf: Die Büezerinnen werden schlecht bezahlt, obschon die Arbeit in der Pflege, im Detailhandel oder im Gastgewerbe sehr anspruchsvoll und verantwortungsvoll ist.

Der unerklärbare Anteil bleibt konsequent und unsichtbar bestehen. Ist die Arbeit von Frauen wirklich weniger wert? Unia-Ökonomin Noémi Zurlinden erklärt den Anteil wie folgt:

Der unerklärte Anteil weist auf eine Diskriminierung hin, die wir nicht durch Berufserfahrung oder mit der Position innerhalb eines Unternehmens erklären können, sondern nur durch das Geschlecht. Dieser Anteil beträgt fast 50 Prozent des gesamten Lohngrabens.

Das gesamte Interview mit Ökonomin Zurlinden ist unter diesen Link zu lesen.

Faire Löhne, um die Ungleichheit zu glätten

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB), zu dem auch die Unia gehört, setzt sich seit Jahren für eine substanzielle Lohnerhöhungen, insbesondere für untere und mittlere Einkommen ein. Wer eine Lehre abgeschlossen hat, muss mindestens 5000 Franken pro Monat verdienen. Heute liegen rund ein Drittel der Berufstätigen mit Lehrabschluss darunter.

Lücken um Lücken…

Doch nicht nur bei den Löhnen sind sogenannte «Gender Gaps» zu finden. So sind beispielsweise wenige Frauen Friedensnobelpreisträgerinnen – von total 143 Friedensnobelpreisen gingen bislang lediglich 20 an Frauen. (Zahlen 2025)

Unbezahlte Arbeit klebt an den Frauen. Der Vergleich zeigt: Pro Woche beschäftigen sich Männer 54.3 Stunden und Frauen 57.2 Stunden mit bezahlter und unbezahlter Arbeit. Allerdings verbringen Frauen im Durchschnitt 61 Prozent ihrer Arbeitsstunden mit unbezahlter Arbeit, Männer hingegen 42 Prozent. (Zahlen 2024)

Rund 85 Prozent der Pflegeberufe sowie Berufe in der Alltagsgestaltung (Jobs, welche oft in Heimen sind und mit Aktivierung, Beschäftigung oder Integration zu tun haben) werden von Frauen gemacht. (Zahlen 2022)

Im Schweizer Parlament besetzen Frauen seit den letzten Wahlen 2023 lediglich 93 (von insgesanmt 246) Sitzen. Zum ersten Mal erreichten beide Räte einen vergleichbaren Frauenanteil von über einem Drittel. (Zahlen aktuell)

Und im Bundesrat? Einzig von 2010 bis 2011 bildeten Frauen (Sommaruga, Leuthard, Widmer-Schlumpf, Calmy-Rey) eine Frauenmehrheit Im Bundesrat. Die SVP hat noch nie eine Frau für den Bundesrat gestellt. (Zahlen aktuell)

Die 20 grössten Firmen des Schweizer Aktienmarktes werden in den SMI (Swiss Market Index) aufgenommen. Von diesen Unternehmen sind 19 CEOs männlich und lediglich bei einem Unternehmen eine Frau im Chefinnensessel. Nämlich Hanneke Faber bei Logitech. (Zahlen aktuell)

Weiter gibt es eine Orgasmuslücke bei Heteropaaren! Eine aktuelle Untersuchung der Universität Basel gibt bekannt, dass 94 Prozent der Männer beim Sex häufig oder fast immer den Höhepunkt erreichen. Bei Frauen liegt die Quote bei gerade mal 56 Prozent. (Zahlen aktuell)

Es gibt auch einen Gap, bei dem die Frauen vorneliegen: nämlich beim Thema fleischlose Ernährung. Während 7.2 Prozent der Frauen in der Schweiz sich vegetarisch oder vegan ernähren, sind es nur 3.4 Prozent der Männer. (Zahlen 2024)

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