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Nie seit dem Zweiten Weltkrieg war die Lohnentwicklung schwächer

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Die Lohnentwicklung der letzten zehn Jahre war enttäuschend. Dies zeigen die neuen Ergebnisse der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung. 2024 lag der mittlere Lohn bei 7024 Franken (auf eine 40-Stunden-Woche, mal 12). Angepasst für die stark gestiegenen Preise sind das gerade einmal 6 Franken mehr als 2016 (siehe Grafik). Die höheren Krankenkassenprämien hat man damit längst nicht bezahlt. Bei den tiefen Löhnen sieht es noch schlechter aus. Der tiefe Lohn, in dessen Vergleich nur jede oder jeder zehnte Arbeitnehmende weniger verdient, ist preisbereinigt sogar um 21 Franken gesunken.

Lohnschere öffnet sich

Besser sieht es oben aus. Der hohe Lohn, in dessen Vergleich jede oder jeder zehnte Arbeitnehmende mehr verdient, legte um 213 Franken zu. Noch stärker aufwärts ging es beim sehr hohen Lohn, in dessen Vergleich nur 1 von 100 mehr verdient. Er stieg preisbereinigt um 3761 Franken. Während sich also ganz oben die Schere öffnete, stagnierten die Löhne in der Breite.

Diese Entwicklung ist neu. Nie seit dem Zweiten Weltkrieg war die Lohnentwicklung schwächer als in den letzten zehn Jahren. Die Lohnschere hatte sich zwar schon zwischen Ende der 1990er Jahre bis 2010 geöffnet. Gleichzeitig gelang es den Gewerkschaften aber bis vor zehn Jahren auch immer wieder, bessere Löhne für die Normalverdienenden auszuhandeln.

Arbeitgeber verhindern Fortschritt

Hauptverantwortlich für die schwache Lohnentwicklung sind die Arbeitgeber und Manager. Sie verweigerten nicht nur reale Fortschritte, sondern mitunter den Teuerungsausgleich. Erschwerend war auch der Finanzierungsbedarf für Pensionskassen und Branchenlösungen für frühzeitige Pensionierungen (im Bau und Gewerbe). Teilweise wurde auf Lohnerhöhungen verzichtet, um die Arbeitgeber davon abzubringen, Leistungssenkungen vorzunehmen. Derzeit erschwert auch die tiefe Teuerung, bessere Abschlüsse zu erzielen. Oft lassen sich Arbeitgeber gar nicht erst auf Verhandlungen ein, weil die Preise nicht steigen.

An der harten Haltung der Arbeitgeber wird sich im nächsten Jahr wenig ändern. Damit es bei den Löhnen endlich wieder aufwärtsgeht, braucht es deshalb mehr Konflikte und ein härteres gewerkschaftliches Vorgehen.

David Gallusser ist Ökonom beim ­Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB).

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