Weltklimakonferenz in Brasilien
Die Stunde der Klimakiller-Konzerne

Schaffen es China, Brasilien und ein paar Willige an der Klimakonferenz in Belém, eine Koalition gegen die USA auf die Beine zu stellen? 

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ÖL IST HOCH IM KURS: Statt in Alternativenergien investieren die USA und Klimakiller-Konzerne wieder in Ölraffinerien. (Foto: Adobe Stock)

Man mag es nicht mehr hören, das Gerede von der Weltklimakonferenz der «letzten Chance». 2015 hatten sich 184 Nationen in Paris darauf geeinigt, die Überhitzung der Erde durch die fossile Wirtschaft auf 1,5 Grad zu begrenzen – weil alles andere verheerend wäre. 

Der Ausstieg aus dem fossilen Kapitalismus ist seither das Überlebensprojekt der Menschheit. Etliche Palaver folgten. 2024 aber wurde die 1,5-Grad-Marke überschritten. Jetzt geht die Rede von 2,8 Grad und mehr. Weite Teile der Erde wären dann aber unbewohnbar, mit Folgen wie Hunger, Massenflucht, Verwüstung, Krieg. Das befeuert die Ökoangst, eine neue psychiatrische Epidemie. Aber auch den Widerstand der -Gesellschaften. Doch nie wurde so viel Öl, Kohle, Gas verfeuert wie heute, zehn Jahre nach Paris. Nie waren die Investitionen der Banken, Konzerne und Finanzfonds in die Kohlenstoffe höher als 2024. 

Der Elefant im Raum

Alle Fakten liegen auf dem Tisch, konstatiert der Brasilianer André Corrêa do Lago. Er leitet die COP 30, die bis zum 21. November in Belém, dem karibischen Tor zum Amazonas, stattfindet. Heute gehe es nicht mehr darum, einen Befund zu diskutieren, sagt Corrêa do Lago, sondern darum, «verbindliche, klare Schritte zu tun». Die das Unheil doch noch abwenden.

Nur, während schon 250 Millionen Menschen auf der Flucht vor Klimaereignissen sind, die Welt brennt, Orkane toben, die Wasser steigen und ganze Ökosysteme kippen, bellte US-Präsident Donald Trump von der Tribüne der Vereinten Nationen:

Die angebliche Klimakrise ist der grösste Beschiss aller Zeiten… Wenn ihr diesen grünen Schwindel nicht ablehnt, geht euer Land unter.

Das war als Drohung gemeint. Das US-Regime begnügt sich nicht damit, seine Klimaforscher zu entlassen, Umweltvorschriften zu kippen, Windparks zu zerstören, Naturschutzgebiete für Bohrungen freizugeben (Trump: «Drill, baby, drill!») und internationale Klimabemühungen wie die COP 30 zu boykottieren. Auch die anderen Länder sollen daran gehindert werden, etwas für ihren klimatischen Umbau zu tun. 

So lag im Oktober nach jahrelangen Verhandlungen etwa ein globales Abkommen über Containerschiffe bereit. Trump drohte mit Strafzöllen und Sanktionen gegen die Verhandler und mit dem Verbot für umweltfreundliche Frachter, US-Häfen anzulaufen. Eine beteiligte europäische Ministerin spricht von «harten, persönlichen Einschüchterungen». Jetzt ist das Abkommen tot.

Tausende Lobbyisten

In Belém wird keine US-Regierungsdelegation auftreten, aber Hunderte von inoffiziellen US-Agenten haben begonnen, die COP 30 aufzumischen. Neben schätzungsweise 3000 Öl-, Gas- und Kohle-Lobbyisten. Plus die vielen Lobby-Leute in den offiziellen Delegationen (in der Schweizer Delegation: eine Vertreterin des Agrochemie-Multis Syngenta). 

Wer die Politik der USA der irren Psyche des Präsidenten zuschreibt, verpasst das Wesentliche. Knapp gefasst:

Natürlich erkennen Trump und seine Entourage die Mechanik der Überhitzung. Doch Ökologie und der verschärfte Kapitalismus gehen nicht zusammen, sagen sie. Vor der Wahl zwischen Profit und dem Überleben der Menschheit wählen sie den Profit. Solange es irgendwie geht.

Das spiegelt exakt die Bedürfnisse des Kapitals. Die Ölbohrer Exxon und Shell wissen seit den späten 1960er Jahren, dass sie das Klima bis zur Apokalypse aufheizen. Sie haben ihre Macht genutzt, um dieses Wissen zu verbergen, dann zu bestreiten und schliesslich in einen Vorteil zu wenden: Ab 2000 wurden sie zu den Champions erneuerbarer Energien. Die britische Regierung übertrug ihre Energiepolitik an BP und Shell, die französische ganz an Total. Doch der feuchte Traum vom Klima-Kapitalismus funktionierte nur im staatskapitalistischen China. Inzwischen ist Sonnenstrom der billigste Strom, aber er wirft kapitalistisch zu wenig Rendite ab.

Seit 2020 liquidieren also etwa BP und Total ihre Investitionen in die Alternativenergien. Jetzt gilt dort: Öl ist alles. Dasselbe in der Finanz: 2017 verschickte der Boss des weltgrössten Finanzfonds Black Rock (12'500 Milliarden) einen Newsletter: Alles in grüne Fonds. Sechs Jahre später rudert er zurück: zu wenig rentabel. Rechtsum ins Öl, in Rüstung und KI.

Drei Herausforderungen

So wird deutlich, dass die Herausforderung in Belém darin besteht, eine globale Klima-Koalition gegen die USA und die Klimakiller-Konzerne auf die Beine zu stellen. Das kann nur gelingen, wenn China und die anderen Willigen mindestens 1300 Milliarden Dollar auftreiben, um den Ländern des globalen Südens den Verzicht auf Öl, Kohle und Gas zu ermöglichen. Warum? Brasiliens progressiver Präsident Lula da Silva hat kurz vor der Konferenz neue Ölbohrungen im Amazonas zugelassen. Ein grober Widerspruch. Doch Lula braucht das Geld, um die Armut im Land zu besiegen. Sonst kommt die extreme Rechte zurück – und die will den Amazonas, Lunge der Welt, abholzen. 

Und was ist mit der EU? Die schleicht unter den Hammerschlägen der extremen Rechten gerade von den Klimazielen weg. Rüstung geht vor. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hielt in Belém wie immer eine bombastische Rede gegen «die Propheten des Chaos» (Trump) – zu Hause aber unterdrückt er die Klimabewegung mit extremer Brutalität.

1 Kommentare

  1. Rainer Kirmse , Altenburg 19. November 2025 um 7:29 Uhr

    KLIMAKONFERENZ OHNE KONSEQUENZ

    Die Klimakonferenzen vergeigt,
    wärmer wird’s, der Meeresspiegel steigt.
    Autos fahr’n und fahr’n, nichts hält sie auf,
    die Klimakatastrophe nimmt ihren Lauf.

    Es droht Kulturland zu versinken,
    weltweit die Alarmleuchten blinken.
    Wir müssen die Sintflut verhindern,
    die Welt erhalten uns’ren Kindern.

    Für unser gedeihliches Streben
    muss es Werte und Ziele geben.
    Ein Hauptziel und von größtem Werte,
    der Schutz des Lebens und der Erde.

    The earth is our mother,
    we will not have another.
    There’s no better place to find
    for animals, plants, mankind.

    We have to keep clean the air,
    as environment everywhere.
    Climate concerns all nations,
    just as plastic in the oceans.

    MENSCH – KLIMA – UMWELT

    Der Mensch macht sich die Erde Untertan,
    getrieben vom ewigen Wachstumswahn.
    Autos werden größer, Straßen breiter,
    die Wälder dagegen schrumpfen weiter.

    Es ist höchste Zeit für uns, zu handeln,
    endlich uns’ren Lebensstil zu wandeln.
    Was nützen Wohlstand und alles Geld,
    wenn am Ende kollabiert die Welt?

    Man produziert und produziert,
    plündert Ressourcen ungeniert.
    Gewinnmaximierung ist Pflicht,
    die intakte Natur zählt nicht.
    Börsenkurse steh’n im Fokus,
    Umweltschutz in den Lokus.

    Plastikflut und Wegwerftrend,
    man konsumiert permanent.
    Nur unser ständiges Kaufen
    hält das System am Laufen.
    Unser westlicher Lebensstil
    taugt nicht als Menschheitsziel.

    Die Jagd nach ewigem Wachstum
    bringt letztlich den Planeten um.
    Das oberste Gebot der Zeit
    muss heißen Nachhaltigkeit.
    Statt nur nach Profit zu streben,
    im Einklang mit der Natur leben.

    Vielen Tieren Lebensraum,
    für den Sauerstoff ein Quell,
    für gesundes Klima essenziell;
    das ist unser Freund, der Baum.

    Ohne Bäume in Wald und Flur
    wär‘ die Erde ein öder Planet nur.
    Wir sehnen uns nach diesem Grün,
    der Zeit, wenn wieder Bäume blüh’n.

    Wir wollen wandeln durch Alleen,
    das Blätterdach so wunderschön.
    Jeder Baum, der zum Opfer fällt,
    macht etwas ärmer uns’re Welt.

    Tornados, Hitze, Wassernot;
    Feuer wüten in Wald und Flur.
    Das Wetter gerät aus dem Lot,
    Klimawandel zieht seine Spur.

    Borkenkäfer in der Kiefer,
    auch zur Fichte zieht Geziefer.
    Statt sattes Grün und Waldeslust,
    kranke Bäume und Försters Frust.

    Profitgier lässt Wälder schwinden,
    fördert weltweit Umweltsünden.
    Die grüne Lunge des Planeten
    in Gefahr, da hilft kein Beten.

    Zu viele Buchen und Eichen
    mussten schon der Kohle weichen.
    Retten wir den herrlichen Wald,
    bewahren die Artenvielfalt.
    Kämpfen wir für Mutter Erde,
    dass sie nicht zur Wüste werde.

    Der Mensch, dieses kluge Wesen
    kann im Gesicht der Erde lesen.
    Er sieht die drohende Gefahr,
    spürt die Erwärmung Jahr für Jahr.
    Homo sapiens muss aufwachen,
    seine Hausaufgaben machen.

    Wir alle stehen in der Pflicht,
    maßvoll leben ist kein Verzicht.
    Teilen und Second Hand der Trend,
    Repair vor Neukauf konsequent.
    Bei allem etwas Enthaltsamkeit,
    nehmen wir uns die Freiheit.😉

    Mit Tempolimit auf der Autobahn
    und Emissionshandel ist’s nicht getan.
    Für Energieerzeugung und Verkehr
    müssen zukunftsfeste Lösungen her.

    Das Klima schützen, Raubbau beenden,
    das Anthropozän zum Guten wenden.
    Ökonomie und Ökologie im Verein,
    der Blaue Planet wird uns dankbar sein.

    Für die Zukunft des Planeten,
    weg mit Panzern und Raketen.
    Lasst die weißen Tauben fliegen,
    Aggression und Hass besiegen.
    Dem Blutvergießen ein Ende,
    Völker reichen sich die Hände.
    Allen Menschen Gerechtigkeit,
    Leben in Frieden und Freiheit.

    Rainer Kirmse , Altenburg

    Herzliche Grüße aus Thüringen

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