Frauenkonferenz

Revolutionärin übernimmt das Präsidium der Unia-Frauen

Darija Knežević

Die Unia-Frauen wählen eine Elektrotechnikerin zur neuen Präsidentin. Und sie fordern: endlich Schluss mit sexualisierter Gewalt!

AN DER SPITZE: Grazia Prezioso ist die neue Präsidentin der Unia-Frauen. (Foto: Michael Schoch)

Angereist aus der ganzen Schweiz, trafen sich 140 Frauen zur Unia-Frauenkonferenz in Solothurn. Gemeinsam blickten die Gewerkschafterinnen auf die Frauenstreiks zurück und schmiedeten Pläne für die Zukunft. Zudem wählten sie eine neue Präsidentin: Grazia Prezioso (48) aus Winterthur. Sie arbeitet als Elek­trotechnikerin und ist Mutter von zwei Töchtern. work hat Prezioso porträtiert. Damals sagte sie: «Ich mache überall Revolution!» Nun also auch mit der IG Frauen der Unia.

Weiter verabschiedeten die Frauen einen feministischen GAV-Leitfaden. Sie fordern, dass bei GAV-Verhandlungen Themen wie Lohngleichheit, Elternzeit und Nulltoleranz bei sexueller Belästigung oder Diskriminierung einfliessen. Besonders wichtig: die Forderung nach einem Mindestlohn von 5000 Franken. Denn in Tieflohnbranchen sind besonders viele Frauen tätig. Deshalb: alle Frauen raus zur grossen Lohndemo am 21. September!

TRIUMPHE MOTIVIEREN

Mehrere Frauengruppen berichteten zudem Unvergessliches vom Frauenstreik 2023. Reinigerinnen aus Luzern berichteten sichtlich ­berührt: Sie und ihre Kolleginnen hatten die Chefin der SOS Reinigung frühmorgens mit einer Aktion unter Druck gesetzt. Die Reinigungsfirma hatte die Mitarbeitenden respektlos behandelt, keine Kinderzulagen oder Reisezeiten bezahlt, die Reinigerinnen eingeschüchtert und unter Druck gesetzt. Am 14. Juni gelang den Frauen gemeinsam mit Gewerkschafts­sekretärin Ana Pica ein Triumph: Sie ­erreichten Lohngleichheit, pünktliche Lohnzahlungen und Schluss mit Mobbing (work berichtete).

AN DER SPITZE: Grazia Prezioso ist die neue Präsidentin der Unia-Frauen. (Foto: Michael Schoch)

Für die mutigen Frauen gab es Standing Ovations, und die Geschichte motivierte die Gewerkschafterinnen, auch an diesem 14. Juni auf den Strassen und in den Betrieben für ihre Rechte einzustehen. Ganz besonders gegen Gewalt: Die Frauenkonferenz fordert eine nationale Kampagne zur Bekämpfung von sexualisierter Gewalt, sexueller Belästigung und Diskriminierung. Diese ist dringend nötig, denn noch heute erlebt jede dritte Frau sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, und alle zwei Wochen stirbt in der Schweiz eine Frau durch Gewalt ihres Partners oder Ex-Partners.


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