Ratgeber

Mit diesen Zeichen erzielen Sie grosse Wirkung

Maria Künzli

Auch im Jahr 2024 haben wir in ­vielen ­Bereichen noch keine Gleichstellung der ­Geschlechter erreicht. Deshalb rufen die ­Gewerkschaften am 14. Juni alle Frauen und ­solidarischen Männer zum Frauenstreik auf. ­Setzen auch Sie ein Zeichen!

IMMER NOCH HÄSSIG: Die Gleichstellung von Mann und Frau hat unsere Gesellschaft noch nicht erreicht. (Foto: Keystone)

Gründe, um am 14. Juni auf die Strasse zu gehen, gibt es viele. Noch immer liegt das Einkommen von Frauen durchschnittlich deutlich unter jenem der Männer. In schlechtbezahlten Stellen sind sie über- und in gutbezahlten Jobs untervertreten. Frauen erledigen ­einen grossen Teil der unbezahlten (Care-)Arbeit – die daraus resultierende Einkommenslücke schlägt sich schmerzlich in der Rente nieder. Zwar gibt es bei der AHV den Ausgleich zwischen den Geschlechtern, weil sie die Betreuung von Kindern und Angehö­rigen als rentenbildende Arbeit ­anerkennt. Doch die AHV-Renten sind sehr tief: Anders als in der Verfassung verankert, ist es in der Schweiz niemandem möglich, im Alter allein mit der AHV über die Runden zu kommen. Sie brauchen noch weitere Gründe? Bitte hier lang. Um auf die ­Situation der Frauen aufmerksam zu machen, organisiert der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) gemeinsam mit den einzelnen Gewerkschaften auch am 14. Juni 2024 einen feministischen Streik. Verschiedene Komitees und Streikgruppen sind zurzeit daran, den Streik vorzubereiten. Sie möchten auch ein Teil dieser Bewegung sein, wissen aber nicht recht, wie? Vielleicht können oder wollen Sie Ihre Arbeit nicht niederlegen, möchten aber trotzdem ein Zeichen setzen? Das können Sie tun:

SCHAUEN SIE VORBEI

Schweizweit sind am Streiktag kleinere und grössere Aktionen geplant, an denen Sie teilnehmen können – entweder aktiv als Mitglied eines Streikkomitees oder passiv als Verstärkung. Beides ist wichtig und wertvoll! Falls Sie im Streikkollektiv in Ihrer Nähe mitmachen möchten, melden Sie sich via Mail unter koordination@frauen-streiken.ch. Sie möchten einfach dabei sein? Ab 16 Uhr findet auf dem Bundesplatz in Bern zum Beispiel ein feministisches Picknicken statt (Verpflegung selbst mitbringen). Der Demonstrationszug startet um 18.30 Uhr bei der Schützenmatte. Oder Sie kommen ab 19.30 Uhr direkt auf den Bundesplatz: Es gibt Reden, Musik und jede Menge Gleichgesinnte. Das Programm der einzelnen Städte und Kollektive finden Sie unter www.14juni.ch (auf der Willkommensseite runterscrollen bis zum Programm). Noch ist vieles in der Planungsphase und deshalb nicht online. Schauen Sie regelmässig vorbei.

ZEIGEN SIE FARBE

Die Farbe des feministischen Streiks ist bekanntlich Violett. Tragen Sie sie am 14. Juni bei der Arbeit, und ermuntern Sie auch Ihre Kolleginnen und Kollegen, Farbe zu bekennen. Mutige bemalen ein weisses T-Shirt mit ihren Forderungen. Violette Textilmarker sind im Bastelladen erhältlich. Sie können sich auch offizielle Merchandise-Artikel bestellen und damit die Streikkollektive finanziell unterstützen.

MACHEN SIE MAL PAUSE

Sie müssen nicht den ganzen Tag streiken, um ein Zeichen zu setzen. Verlängern Sie Ihre Pause und lassen Sie Ihre Vorgesetzten zum Beispiel mit einer passenden Mail-Abwesenheitsnotiz oder einem vio­letten Fähnchen auf Ihrem Pult wissen, dass Sie sich gerade in der Protestpause befinden. Am besten schliessen Sie sich dafür mit Arbeitskolleginnen zusammen. Vor dem Streiktag können Sie gemeinsam Ihre Anliegen formulieren und konkrete Vorschläge machen, wie die Situation an Ihrem Arbeitsplatz verbessert werden könnte. Sie können von Ihrer Firma zum Beispiel verlangen, eine Lohngleichheitsanalyse durchzuführen. Für weitere konkrete Forderungen können Sie auch Ihre Gewerkschaft einbeziehen.

BRINGEN SIE FAKTEN IN UMLAUF

Die Hälfte der Frauen verdient weniger als 4126 Franken im Monat. Im Jahr 2023 waren 22,7 Prozent der erwerbstätigen Frauen in einem Pensum von unter 50 Prozent angestellt. Bei den Männern waren es 7,6 Prozent. Solche und andere Fakten sollten Sie kennen und verbreiten. Das Bundesamt für Statistik veröffentlicht auf seiner Website regelmässig die sogenannten Indikatoren der Gleichstellung von Mann und Frau mit den neusten Zahlen. Diese helfen auch beim Argumentieren. Spannende Fakten zum Thema Gleichstellung finden Sie auch auf der offiziellen Streikwebsite des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (www.14juni.ch) oder auf der Website des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann. Noch mehr Zahlen gefällig? Frauen verdienen in der Schweiz pro Monat durchschnittlich 1500 Franken weniger als Männer. Rund die Hälfte dieser Differenz lässt sich durch objektive Faktoren wie Ausbildung oder Branchenzugehörigkeit erklären. Der Rest bleibt ungeklärt und stellt womöglich eine Lohndiskriminierung dar.

TEILEN SIE IHRE ERFAHRUNGEN

Wie erleben Sie den Alltag als Hausfrau, die Gratisarbeit leistet, als berufstätige Mutter, die ihre Woche wie ein Feldweibel durchtakten muss, damit sie alles unter einen Hut kriegt? Oder wie geht es Ihnen in einer Führungsposition, umringt von Männern und dem Gefühl, sich doppelt beweisen zu müssen? Sprechen Sie darüber! Und seien Sie stolz auf das, was Sie täglich leisten.

work-Tipp: So bleiben Sie engagiert

Sie möchten sich als Unia-Mitglied für den Frauenstreik in Ihrer ­Region engagieren? Sie sind herzlich willkommen! Schreiben Sie ein Mail an frauen@unia.ch, und fordern Sie gemeinsam mit der Unia gute Löhne und Renten sowie faire Arbeitszeiten für alle. Über den ­feministischen Newsletter bleiben Sie darüber informiert, ­welche ­Aktionen die Unia plant, um Arbeitnehmerinnen auch nach dem 14. Juni zu unterstützen und die Gleichstellung der Geschlechter voranzutreiben.


Datum mit Bedeutung
Warum der 14. Juni?

Foto: Keystone

«Wenn Frau will, steht alles still»: So lautete das Motto des ersten Frauenstreiks am 14. Juni 1991. Rund 500 000 Frauen beteiligten sich daran, legten die Arbeit nieder, versammelten sich auf Plätzen, vor Fabriken, machten Musik und feierten. Wie das «Historische Lexikon der Schweiz» schreibt, handelte es sich um die grösste politische Mobilisierung in der Schweiz seit dem Generalstreik nach dem Ersten Weltkrieg: «Trotz Einschüchterungsversuchen beteiligten sich unerwartet viele Frauen und auch Männer. Streikverbote wurden vielerorts durch Aktionen wie überlange Pausen, Aushängen von Transparenten, Tragen des Streikbuttons oder demonstratives Nichtstun umgangen.»

HISTORISCHES DATUM. Bis heute hat sich der 14. Juni als Frauenstreikdatum gehalten – doch warum eigentlich? Am 14. Juni 1981 stimmte das Schweizer Volk in einer Abstimmung der Aufnahme des Gleichstellungsartikels in der Bundesverfassung zu. Das Streikdatum soll an diese ­historische Abstimmung erinnern und daran, dass die Gleichstellung der Geschlechter zwar im Gesetz verankert, in der Realität in vielen ­Bereichen aber noch immer nicht umgesetzt ist.

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