Baumeister verweigerten generelle Erhöhung
Berner Baubüezer kämpfen vereint für mehr Lohn

Über 150 Baubüezer aus der Stadt Bern und Umgebung trafen sich im Hotel Bern. Sie diskutierten, wie sie eine anständige Lohnerhöhung erkämpfen könnten, nachdem ihnen der Baumeisterverband für dieses Jahr eine generelle Lohnerhöhung verweigert hatte.

NICHT ZUFRIEDEN: Die Berner Baubüezer haben sich im Hotel Bern versammelt. (Foto: Unia)

«Wir müssen uns vorbereiten, dass wir diesen Herbst mehr erreichen, so dass es für uns und unsere Familien reicht», sagte ein spanischsprechender Bauarbeiter vor den über 150 Baubüezern, die sich im Hotel Bern versammelt hatten. Es war die mit Abstand grösste Versammlung der Region zu einem solch frühen Zeitpunkt im Jahr, sagt Bausekretär Johannes Supe, der für die Unia vor Ort mit dabei war.

LOHNVERGLEICH ZWISCHEN BERNER BAUFIRMEN

Supe sagt: «Es ging hoch zu und her, einige sind sehr sauer und wollen nicht nochmals eine solche Nullrunde wie dieses Jahr erleben.» Denn das Bauhauptgewerbe ist eine der einzigen Baubranchen, die für 2024 keine generelle Lohnerhöhung erhalten haben. Sowohl Elektriker, Gebäudetechnikerinnen als auch Gipser und sogar Schreinerinnen erhielten von ihren Firmen gesicherte Lohnerhöhungen. Die individuellen Lohnerhöhungen der Baufirmen blieben alle unter dem Niveau, das für 2023 erkämpft wurde. Damals hatten die Bauarbeiter und Poliere mit ihren Protesten für eine schweizweite Lohnerhöhung von mindestens 150 Franken pro Monat gesorgt.

Doch trotz steigenden Kosten und explodierenden Krankenkassenprämien knausern die Betriebe in diesem Jahr. Wie viel sie nun wirklich zahlten, fand die Berner Unia in Gesprächen mit Arbeitern und deren Polieren heraus: Mehrere grosse Firmen zahlten 100 Franken Lohnerhöhung, also weniger als die 2022 mit der Gewerkschaft Unia ausgehandelten 150 Franken. Wenige zahlten mehr, bei vielen gab es eine Nullrunde.

BAUMEISTERVERBAND FINDET FLYER UNREDLICH

Für einigen Aufruhr unter den Firmen sorgte hingegen, dass die Unia Transparenz herstellte. Auf Wunsch der Arbeiter veröffentlichte sie die Lohnerhöhungen auf einem Flyer. Dazu schreibt der Baumeisterverband (SBV) auf seiner Website: «Es ist unredlich, dass die Unia einzelne Firmen namentlich erwähnt.» Die Flyer der Unia hätten einen irreführenden Inhalt und seien mit harten Fakten zu entkräften. Der SBV ruft seine Mitglieder deshalb dazu auf, bei einer Lohnerhebung mitzumachen. Supe sagt zur Kritik des SBV: «Wir haben nicht mal alle Firmen auf dem Flyer abgebildet, die eine Nullrunde gemacht haben.»

Supe erhofft sich bis zum Herbst weitere so engagierte Treffen der Baubüezer, so dass die Lohnverhandlungen dieses Jahr erfolgreicher geführt werden können. Klar sei, dass eine weitere Nullrunde nicht stillschweigend hingenommen werde.

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