Auf dem Weg zum ersten Kita-GAV der Deutschschweiz
Aufbruchstimmung in Zürcher Kitas

Betreuerinnen und Betreuer in Kitas haben permanenten Stress und viel zu tiefe Löhne. Das soll der erste GAV der Branche jetzt ändern.

GUGUSELI: Kinderbetreuung ist für viele eine Herzensangelegenheit,
doch wegen mieser Arbeitsbedingungen verlassen immer mehr den Beruf. (Foto: Keystone)

«237 Kitas unter einem GAV! Das rocken wir!» schreibt der VPOD Zürich euphorisch auf seiner Facebook-Seite. Am 20. Januar kamen in der Stadt Zürich Kita-Mitarbeitende zusammen, um ihre Anliegen im Hinblick auf die GAV-Verhandlungen zu besprechen. Das Ziel ist der Abschluss des ersten Vertrags für Kita-Mitarbeitende in der Deutschschweiz.

EIN BERUF MIT VERANTWORTUNG

Laut der VPOD-Gewerkschaftssekretärin Martina Flühmann war bei der gut besuchten Versammlung Aufbruchstimmung zu spüren. «Die Antstellungsbedingungen sollten in Zukunft auf jeden Fall der Verantwortung der Kita-Mitarbeitenden gerecht werden», sagt Flühmann. Im Frühling werden die Verhandlungen für einen Stadtzürcher GAV mit Kibesuisse beginnen, dem Verband Kinderbetreuung Schweiz. Die nächste Versammlung mit dem Kita-Personal findet am 22. Februar statt. Dann werden auch die Forderungen und Verhandlungsziele konkretisiert. Für Kita-Mitarbeitende sind nicht nur die tiefen Löhne ein Problem. Es geht auch um bessere Betreuungsverhältnisse und genügend Zeit, um den Beruf professionell und ohne Stress auszuüben. Wegen mieser Arbeitsbedingungen verlassen immer noch sehr viele Betreuungspersonen den Beruf.

KINDERBETREUUNG ALS SERVICE

Im Sommer 2023 wurde auch die Volksinitiative «für eine gute und bezahlbare familienergänzende Kinderbetreuung für alle» eingereicht. Sie will die Finanzierung der externen Kinderbetreuung mit einem am Service public ­orientierten Modell ersetzen. Nehmen die Schweizer Stimmberechtigten die Initiative an, wird die vorschulische Kinderbetreuung massgeblich vom Bund zusammen mit den Kantonen finanziert werden. Das würde zu einer massiven ­finanziellen Entlastung der Eltern und zu mehr Gleichberechtigung in den Familien führen. Doch bei den Arbeitsbedingungen der Kita-Betreuerinnen und -Betreuer bleibt die Initiative vage. Deshalb ist es wichtig, dass mit den Verhandlungen für den ersten Kita-GAV in der Branche die Weichen frühzeitig zugunsten der Mitarbeitenden gestellt werden.

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