Daru-Wache: Einschüchterung und öffentliche Blossstellung
Ein Chef ausser Rand und Band

Er macht, was er will: Armin ­Häfliger, Alleinherrscher über die Daru-Wache. Jetzt stellt er einen Mitarbeiter an den Pranger, nachdem dieser ­fragwürdige Praktiken der ­Security-Firma ans Licht gebracht hat.

ERST VORLAUT, DANN KLEINLAUT: Daru-CEO Armin Häfliger diffamiert einen Mitarbeiter in der Personalzeitschrift, gegenüber work will er sich allerdings nicht zum Vorfall äussern. (Foto: ZVG)

Es war starker Tobak für die gut 300 Mitarbeitenden der Daru-Wache. Die Personalzeitschrift der Security-Firma berichtete von einer «illegalen Aktion» eines Mitarbeiters. Er habe ein Firmenauto für die Heimfahrt nach Dienstschluss verwendet und sich damit «über alle Weisungen hinweggesetzt». Auf dieser Fahrt verunfallte er. Glücklicherweise blieb er unverletzt, doch das Auto erlitt einen Totalschaden.

Autor des Artikels ist kein Geringerer als Armin Häfliger, CEO und gleichzeitig Verwaltungsratspräsident der Daru. Der Kritisierte wird namentlich genannt: Daniel Suter. Dieser habe sich «bereits mehrfach nicht an Weisungen gehalten», es drohten ihm die fristlose Kündigung und «strafrechtliche Konsequenzen», so der Artikel weiter.

MUTIG: Daniel Suter machte die Missstände bei Daru im work publik (Ausgabe vom 17. März 2023).

KLARES URTEIL DER JURISTIN

Gegenüber work bestätigt Kadermann Suter den Totalschaden wie auch die Regel, dass Firmenautos grundsätzlich nicht für den Arbeitsweg verwendet werden dürften. Ausnahmen seien aber erlaubt. Zum Zeitpunkt des Unfalls sei er seit 14 Tagen ohne freien Tag für die Daru im Einsatz gewesen, oft mit kurzen Ruhezeiten. Der Wechsel zum weit entfernt parkierten Privatauto hätte ihn nochmals rund 20 Minuten gekostet. «In solchen Fällen sagte mein ­direkter Vorgesetzter immer: Ja, nimm das Dienstfahrzeug. An diesem Tag konnte ich ihn allerdings nicht fragen, weil er in den Ferien war.»

Suter räumt ein, man könne im nachhinein kritisieren, dass er das Dienstfahrzeug benutzt habe. «Aber dass der CEO mich öffentlich anschwärzt, das ist doch daneben!»

Regula Dick, Leiterin des Unia-Rechtsdienstes, bestätigt dies. Einen Mitarbeiter derart an den Pranger zu stellen, dazu noch namentlich, sei völlig unverhältnismässig: «Das ist eine grobe Verletzung der Persönlichkeit und nicht zulässig.» Es wäre sogar zu prüfen, so die Juristin, ob es sich bei den Äusserungen um Ehrverletzung und üble Nachrede handle. Dann hätte sich Häfliger mit dem Artikel strafbar gemacht.

Der Unfall passierte bereits im Oktober 2022. Häfliger wartete mit seinem Artikel mehr als zehn Monate zu. Warum? Auf diese und alle weiteren Fragen von work hat er nicht reagiert. Für Daniel Suter ist klar: «Er wollte mir schaden und mich einschüchtern, weil ich Missstände in der Daru ans Licht gebracht habe.» Im Frühling 2023 berichtete Suter in work von einer rechtswidrigen Praxis der Daru bei der Unfallverhütung – und davon, dass Häfliger seinen Leuten nicht einmal Trinkwasser zur Verfügung stelle. Schon zuvor hatten Mitarbeitende bekanntgemacht, dass die Firma die Löhne nicht korrekt auszahlt. Und im April dieses Jahres versuchte Häfliger mit Fake News, eine Verschlechterung der Spesenentschädigung der Unia in die Schuhe zu schieben.

DOKUMENTE MANIPULIERT?

Daniel Suter berichtet von einem weiteren Einschüchterungsversuch: Im April 2023, kurz nachdem er im work ausgepackt hatte, erhielt er gleich zwei schriftliche Verwarnungen, jede mit einer Kün­digungsandrohung. Eine wegen ­seiner öffentlichen Kritik. Und eine wegen des Autounfalls vom letzten Jahr. Suter sagt: «Diese Verwarnung wegen des Unfalls hatte ich nie zuvor gesehen.» Er vermutet, dass sie erst nach dem work-Artikel geschrieben wurde, um ihm Angst zu machen. Die Botschaft dahinter: Du warst bereits verwarnt, wir könnten dich jetzt entlassen.

«Dass der CEO mich öffentlich anschwärzt, das ist doch daneben!»

Bestärkt sieht sich Suter durch Unstimmigkeiten in den Dokumenten. Die angeblich erste Verwarnung trägt das Datum des Unfalls: 8. Oktober 2022. Das war ein Samstag. Der Daru-Hauptsitz in Riniken AG sei aber, so Suter, übers Wochenende verwaist, nur die Alarmzentrale sei besetzt. Trotzdem trägt das Dokument die Unterschrift der Personalchefin – und rügt sogar bereits Suters «Verhalten nach Bekanntwerden des Vorfalls».

Daniel Suter lässt sich von Häfligers Vorgehen aber nicht beeindrucken. Bereits im März schrieb er work: «Es würde mich nicht überraschen, wenn nun Vorwürfe gegen mich zusammengetragen werden, um etwas gegen mich in der Hand zu ­haben.»

Genau so kam es. Er zuckt die Schultern und sagt: «Unterdessen schüchtert mich das nicht mehr ein.»

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