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Amphibien-Flugzeug: Sanfte Landung fürs reiche Gewissen

Das in Payerne ansässige Unternehmen Jekta Swiss entwickelt ein Amphibien-Flugi, das die schlechten Gewissen der Stinkreichen beruhigen soll. Und der deutsche Autobauer BMW entwickelt ein elektrisches Bonzenauto. Der Wahnsinn hat System.

FLUGTAXI ZUM STRAND: Vom vollelektrischen Wasserflugzeug der Jekta Swiss Aviation sollen 400 Stück entstehen. (Projektbild: Jekta)

Der Reichtum auf dieser Welt ist ungleich verteilt. Zwischen den verschiedenen Ländern. Aber auch innerhalb der einzelnen Länder.

In reichen Ländern essen die Menschen pro Kopf viel mehr Fleisch als in armen Ländern. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) hat gerechnet: In den USA zum Beispiel vertilgt eine Person im Durchschnitt 128,6 Kilogramm, rund 25 Mal mehr als eine Person in Indien (Details siehe «Links zum Thema»).

Dabei weiss heute fast jedes Kind, dass die Produktion von Fleisch mit einem hohen CO2-Ausstoss verbunden ist. Genauso wie das Fliegen. Doch das schert die Reichen und Superreichen dieser Welt wenig, sie fliegen am meisten in der Welt herum.

FLIEGENDE KRIEGSGANS. Das grösste je gebaute Wasserflugzeug war die berühmte «Spruce Goose». Ein im Wasser startendes und landendes Holzflugzeug, das 750 Passagiere hätte transportieren sollen. Warum Holzbau? Wir befanden uns beim Start des Projekts mitten im Zweiten Weltkrieg. Stahl und Aluminium wurden für Panzer und Kampfflugzeuge verwendet. Im Kampf gegen die Deutschen. Mit der «Fichtengans», so die Hoffnung, würden die US-Soldaten sicher zu den Kriegsschauplätzen nach Europa transportiert werden können.

Am 1. November 1947 hob die «Spruce Goose» zum ersten und letzten Mal zu einem kurzen Flug ab. Am Steuer sass der US-Milliardär, Unternehmer und Luftfahrt­pionier Howard Hughes, be­- gleitet von vielen Journalisten. Der Spuk endete im Museum.

Heute, 75 Jahre später, will nun das Unternehmen Jekta Swiss Aviation, mit Sitz in Payerne, eine vollelektrische «Mini-Spruce-Goose» produzieren. Sie hat zwei Motoren mehr als das grosse US-Vorbild von damals. Soll aber anstelle von 750 Passagieren nur deren 19 transportieren. Warum? Weil, wer nicht mehr als 19 Passagiere transportiert, auch nur eine Pilotin oder einen Piloten braucht. Sparen lernt man bekanntlich bei den Reichen.

WESTSCHWEIZER OPIUM. Das 180 Kilometer pro Stunde schnelle Schweizer Amphi­bienflugzeug soll die Super­reichen und die Stinkreichen bloss von ihren Resorts an unberührte Strände und Buchten fliegen. Deshalb reichen seine Batterien nur für 150 Kilometer. Und deshalb ist der Bau von nur 400 dieser Nischenflugzeuge geplant. Das ist nichts anderes als Westschweizer Opium für das schlechte Gewissen der zu Wohlhabenden. Im Westen also nichts Neues.

Umso weniger, als der deutsche Autobauer BMW nun versucht, bei den Elektroautos gegenüber China Boden gutzumachen. Zu lange setzte BMW auf Verbrennermotoren und ist deshalb arg in Rückstand geraten. Doch nun greift das Unternehmen nach den Geldbeuteln der Bonzen: mit dem mehr als 200 000 Euro teuren, vollelektrischen Mega-Brummer M 7. Das Bonzen-Auto ist 5,36 Meter lang und wiegt 2,7 Tonnen. Als gäbe es keine Klimaerwärmung: der Wahnsinn hat System.

Links zum Thema:

  • rebrand.ly/fleischkonsum Der «Courrier international» fasst die Zahlen der FAO zum weltweiten Fleisch­konsum in einer Grafik zusammen.
  • rebrand.ly/Sprucegoose Wikipedia liefert immer wieder nützliche Hinweise, hier auch über die «Spruce Goose».
  • rebrand.ly/aero2023 Die deutsche Stadt Friedrichshafen – gelegen am Bodensee – schwimmt im Geld. Wegen der erfolg­reichen Zeppelin-Stiftung, die ihr Geld für kulturelle Zwecke einsetzt. Die Stadt leistete sich unter anderem ein riesiges Ausstellungsgelände, das sich nie und nimmer rechnet. Die Luftfahrtmesse «Aero» fand vom 19. bis zum 22. April 2023 nach zwei Jahren Zwangspause wieder in Friedrichshafen statt. Auf dieser Website erfahren wir fast alles, was auf dem Gebiet der Elektro-Flugis so geplant wird.
  • www.jekta.swiss Dieses Unternehmen mit Sitz in der Schweiz plant die «Mini-Spruce-Goose» für die Superreichen und die Stinkreichen.

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