Auf Neuenburgs grösster Luxus-Baustelle:
Preiskampf eskaliert, Löhne sind futsch

Der Wiener Bauriese Porr ergattert in Neuenburg einen Grossauftrag, delegiert aber eine Bude aus dem Appenzellerland, die wiederum Subunternehmen aus zehn Kantonen anheuert. Jetzt steht alles kopf!

SCHÄBIG: Die Büezer auf der «Bella Vista»-Baustelle bekamen zwischenzeitlich keinen Lohn mehr. (Foto: Porr)

Porr ist der zweitgrösste Baukonzern Österreichs. In der Schweiz hat er eine Niederlassung mit 300 Mitarbeitenden – und vor zwei Jahren zog er ­einen Grossauftrag an Land: Planung und Bau von «Bella Vista», einer riesigen Luxus-Wohnanlage mit spektakulärer Aussicht auf den Neuenburgersee. Bauherr ist ein Genfer Immo­bilien- und Autohändler. Er spekuliert auf maximale Rendite, Totalunternehme­rin Porr auf maximale Marge. Resultat: ein gnadenloser Unterbietungskampf bei der Vergabe der Unteraufträge. Unia-Sekretär Alexandre Martins sagt: «Die Bedingungen waren so schlecht, dass alle Firmen aus der Region ihre Offerten zurückzogen.» Porr wurde trotzdem fündig.

Die Rutsch Bau AG aus dem appenzellischen Stein war bereit, es zum Tiefpreis zu machen – aber nicht selbst. Ein Dutzend Subunternehmen aus zehn Kantonen habe er auf der Baustelle angetroffen, sagt Martins. Rutsch selbst habe fast keine Leute gestellt. Es waren denn auch Arbeiter von angeblich zahlungsunfähigen Drittfirmen, die Anfang November bei der Unia anklopften. Weil sie alle keinen Lohn mehr erhielten! Die Gewerkschaft hatte die Baustelle ohnehin schon auf dem Schirm. Denn immer wieder wurde dort die maximal erlaubte Wochenarbeitszeit von 50 Stunden überschritten. Zudem waren die Subunternehmen durch Tricksereien bei der Reiseentschädigung aufgefallen. Und nun noch Lohnbschiss?

Die Arbeiter schalten die Unia ein.

BUMMELSTREIK WIRKT

Die Geprellten wehrten sich mit einem Bummelstreik und schlossen sich am 7. und 8. November den Westschweizer Bau-Protesttagen an. Und die Unia machte den Fall publik. Das hat gewirkt. Laut Gewerkschafter Martins haben viele Arbeiter ihre Löhne mittlerweile erhalten. Von wem und ob vollständig, ist allerdings noch unklar. Porr als verantwortliche Erstunternehmerin hat auf work-Anfragen nicht reagiert. Und die Appenzeller erheben massive Vorwürfe gegen den Ösi-Konzern.

Das Totalunternehmen habe drei «ausgemach­te Anzahlungen in der Höhe von je über einer halben Million Franken» nicht überwiesen. Zudem seien «beträchtliche Nachträge» für nicht vorgesehene, aber angeordnete Arbeiten abgewiesen worden. Und zu guter Letzt habe wegen des Schlamassels noch die eigene Bank eine halbe Million blockiert. Um eine Lösung zu finden, habe man mit Porr aber eine Vereinbarung getroffen. Diese sehe Direktzahlungen von Porr an die Rutsch-Subunternehmer vor. Selbst sei man zahlungsunfähig und habe Ende Oktober «sämtliche betroffenen Parteien über die Einstellung des Betriebs informiert». Ausgerutscht im Alltag des Bau-Wahnsinns! Für Unia-Mann Martins zeigt der Fall klar: «Es braucht einen starken Landesmantelvertrag und sicher nicht Deregulierungen, wie sie der Baumeisterverband fordert!»


Jetzt Petition unterschreiben  Solidarität mit den Bauleuten, für eine starken LMV!

Der Kampf für einen starken Landesmantelvertrag (LMV) auf dem Bau läuft auf Hochtouren. Der Baumeisterverband will die Büezer 58 Stunden pro Woche chrampfen lassen und die Löhne der älteren Abeiter senken. Die Bauarbeiter hingegen kämpfen für besseren Schutz und mehr Zeit für die Familie.

Um die Bauleute zu unterstützen, hat die Unia die Petition «Bauarbeiter verdienen mehr!» lanciert. Denn: Jede Unterschrift hilft, den Meistern Druck zu machen. Aber nicht nur ihnen. Für Erstunterzeichner und Gewerkschaftsbund-Präsident Pierre-Yves Maillard ist klar: «Der Kampf der Bauarbeiter um die Arbeitszeit betrifft am Ende alle Arbeitnehmenden.»

Jetzt unterschreiben unter: unia.ch/petition-lmv-bau

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