Nach nur einer Woche Streik:
Sieg für Spaniens Frauen-Schiris!

Mit einem fulminanten Streik haben die Schiedsrichterinnen des spanischen Spitzenfussballs der Diskriminierung die rote Karte gezeigt. Jetzt gibt’s fünfmal mehr Lohn – und einen historischen Vertrag.

GESTREIKT UND GEWONNEN: Profi-Schiedsrichterin und Streiksprecherin Marta Huerta De Aza (links) und und ihre Kolleginnen können sich über bessere Löhne und Renten freuen. (Foto: Alamy)

Die Saison wurde gerade erst angepfiffen, und schon feiert Spaniens Fussballwelt einen Triumph der Extraklasse. Für einmal aber sind es die Unparteiischen, die am lautesten jubeln. Die Schiedsrichterinnen der «Liga F», der höchsten Frauenliga, haben nämlich gestreikt (work berichtete) – und schon nach sieben Tagen gesiegt! Neu verdienen sie pro Match 1666 Euro statt wie bisher 320. Und eine Linienrichterin erhält 1066 statt bloss 160 Euro. Ein grosser Lohngump! Trotzdem: Zu Spitzenverdienerinnen werden die Frauen damit noch lange nicht – 34’000 Euro beträgt künftig ihr jährlicher Mindestverdienst. Bei den Männer-Profis sind es durchschnittlich bis zu 150’000 Euro!

Die Schiedsrichterinnen hatten nicht einmal Arbeitsverträge.

ENDLICH RENTE, ENDLICH SICHERHEIT

Dennoch sind die erstreikten Verbesserungen für die Frauen massiv: Zuvor gab es gar keine Mindestlöhne, sondern eben Mini-Gagen, die oft nicht einmal die Reisekosten deckten. Sämtliche Frauen-Schiris waren deshalb auf einen Zweitberuf angewiesen. Das wiederum verhinderte eine seriöse Vor- und Nachbereitung der Spiele. Und weil die Schiedsrichterinnen nicht einmal Arbeitsverträge hatten, gab es für sie bisher auch keine Altersvorsorge und keine Lohnfortzahlung bei Unfall und Krankheit.

Auch damit ist nun Schluss. Die nationale Sportbehörde CSD, die im Streik vermittelt hat, sowie der Königliche Spanische Fussballverband (RFEF) erklärten sich bereit, einen Renten-Fonds zu äufnen und diesen bis 2024 mit jährlich je 350’000 Euro zu speisen. Ab 2025 werden diese Summen dann die Vereine und die Frauenliga zahlen müssen. So sieht es ein Abkommen vor, das die Konfliktparteien am 14. September unterzeichnet haben.

SOLIDARITÄT MIT DEN «COMPAÑERAS»

Dass die Verbandsoberen der Liga Profesional de Fútbol Femenino (LPFF) schon nach einer Streikwoche eingeknickt sind, lässt tief blicken. Denn zunächst hatten sie auf kompromisslose Hardcore-Chefinnen gemacht – und gedroht: Man werde sich nicht «erpressen» lassen, sondern alle Streikenden auf Schadenersatz verklagen.

Zwei Tage später schon krebste die Liga zurück und bot einen Jahreslohn von 25’000 Euro. Die vereinigten Schiris forderten aber 50’000 und streikten weiter. Der Saisonstart musste verschoben werden. Die Liga rechnete damit, dass der Streik unter dem Druck einer öffentlichen Empörungswelle zusammenbrechen würde. Doch das Gegenteil war der Fall.

Streiksprecherin Marta Huerta de Aza (32) sagt: «Wir haben unzählige Solidaritätsnachrichten erhalten.» Besonders die Profifussballerinnen hätten sich auf ihre Seite geschlagen. Das sei nur logisch, denn die Spielerinnen hätten ebenfalls lange für professionelle Arbeitsbedingungen kämpfen müssen. «Jetzt sind sie mit uns!» freut sich Huerta de Aza, die im Nebenberuf Lehrerin ist. Unterstützung gab es aber auch von den Männer-Schiris der Primera und der Segunda División: «Wir solidarisieren uns mit unseren Compañeras!» liessen sie verlauten. Es könne schliesslich nicht sein, dass ein Profi-Wettbewerb unter Amateur-Bedingungen geleitet werde. Kann nicht sein – und ist nicht mehr!

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