Coop-Bäckerinnen und Bäcker freuen sich:
Jetzt gibt’s endlich wieder freie Wochenenden

Allzu oft mussten die Mitarbeitenden der Coop-Bäckerei in Schafisheim AG auch am Wochenende an die Mehl­säcke. Jetzt ist Schluss mit den exzessiven Sechstage­wochen!

ZOPF EN MASSE: In der Coop-Bäckerei Schafisheim produzieren rund tausend Mitarbeitende Brot und Backwaren. Bisher dauerte ihre Arbeitswoche oft ganze sechs Tage. Jetzt nicht mehr! (FOTO: KEYSTONE)

Statt Verbesserungen schlug Coop zuerst Verschlechterungen vor…

Es ist die grösste Bäckerei der Schweiz: Die gewaltige Anlage, die Coop im aargauischen Schafisheim betreibt, produziert acht Tonnen Brot und Back­waren. Pro Stunde! Möglich ­machen das, im 24-Stunden-Schichtbetrieb, rund tausend Coop-Mitarbeiter und -Mitarbeiterinnen.

Doch sie kamen immer wieder ans Limit. Das Problem: Viele Schichten waren kürzer als acht Stunden. So konnten die Bäckerinnen und Bäcker gar nicht anders, als Minusstunden anzuhäufen. Und die mussten sie dann am Samstag oder Sonntag «aufholen». Zehn-, zwölfmal pro Jahr, manchmal noch öfter, mussten sie deshalb sechs Tage pro Woche arbeiten statt fünf. Im Februar dieses Jahres berichtete der «Kassensturz», dass viele Bäckerinnen und Bäcker ausgebrannt seien.

ILLEGALE NACHTSCHICHTEN

Für Anne Rubin, Co-Leiterin Detailhandel bei der Unia, war sofort klar: So viele Sechstagewochen, das geht nicht. Denn im Gesamtarbeitsvertrag, den die Unia mit Coop ausgehandelt hat, steht klipp und klar: «Die wöchentliche Arbeitszeit wird in der Regel auf 5 Tage verteilt.» In der Nachtschicht ist es gemäss Arbeitsgesetz sogar illegal, Mitarbeitende sechsmal in Folge arbeiten zu lassen.

Die Unia intervenierte bei Coop und sprach mit Vertrauensleuten im Betrieb. Mit Erfolg. Anfang August konnte Massimo Romano *, Nachtschicht-Mitarbeiter in Schafisheim und Unia-Mitglied, seinen Kolleginnen und Kollegen verkünden: «Wir haben gewonnen! Ab September sind die Schichten besser.»

Konkret gilt ab dann:

  • Sechstagewochen gibt es nur noch zwei- bis höchstens dreimal im Jahr. Sie werden rechtzeitig im voraus angekündigt.
  • Wer in der Nachtschicht arbeitet, hat gar keine Sechstagewochen mehr.
  • Die bisher angesammelten Minusstunden werden gestrichen.
  • Ein Monitoring stellt sicher, dass diese Eckwerte eingehalten werden.
    Coop-Mitarbeiter Romano sagt: «Das können wir akzeptieren. Verglichen mit dem, was Coop zuerst wollte, ist das eine deutliche Verbesserung.»

…dann startete die Belegschaft eine Petition. Mit Erfolg.

MUT TUT GUT

Ein erster Vorschlag von Coop habe Schichten bis zu 9 Stunden vorgesehen, mit nur einer halben Stunde Pause. Und Nachtschichten, die erst nach Mitternacht starteten, mit Arbeitsschluss im Lauf des Vormittags. Romano: «Das war eine Verschlechterung, keine Verbesserung!» Er und seine Kolleginnen und Kollegen wehrten sich, sammelten Unterschriften für eine Petition an die Coop-Chefinnen und -Chefs.

Hatte Massimo Romano keine Angst, für seine Anliegen einzustehen? Ohne zu zögern sagt er: «Doch. In einer solchen Situa­tion hast du immer Angst. Was, wenn ich meine Stelle verliere?» Über Monate habe er schlecht geschlafen. Aber gerade, wenn man Angst habe, müsse man sich wehren: «Wenn du dann nichts machst, hast du schon verloren.» Er und seine Kollegen hätten sich gegenseitig Mut gemacht. «Wir haben uns immer wieder gesagt: Wenn wir zusammenhalten, können wir gewinnen. Und so war es auch.»

Bis endlich die jetzige ­Lösung auf dem Tisch lag, brauchte es zwei weitere Varianten, eine Umfrage von Coop unter den Mitarbeitenden und ganze fünf Sondersitzungen der paritätischen Kommission. Sie wacht über die Einhaltung des Coop-GAV. Unia-Frau Rubin sagt: «Coop hat die Sozialpartnerschaft ernst genommen. Sie haben die Mitarbeitenden einbezogen und mit uns verhandelt. Dank dem grossen En­gagement unserer Mitglieder ­haben wir eine gute Lösung erreicht.»

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