Nati-Spielerinnen: Gleiche Prämien wie die Männer
Ein historischer erster Schritt

Den Kickerinnen der Schweizer Nationalmannschaft winken neu sechsstellige Summen. Ob sie schon an der ­kommenden EM etwas davon haben, ist aber ungewiss.

FRAUEN IN ACTION: Die Schweizer Fussball-Nati im siegreichen Spiel (3 : 2) Schweiz – Tschechien 2021. (Foto: SRF)

Für einmal hat der Schweizer Fussballverband alle überrascht: Die Frauen in der Nationalmannschaft sollen die gleichen Prämien bekommen wie die Männer! Vom Hauptsponsor Credit Suisse «ab sofort», von den anderen Sponsoren spätestens 2024. Und wenn sie in einem Werbespot mitmachen, bekommen die Nati-Spielerinnen ab sofort gleich viel wie die Männer. Tatjana ­ ­Haenni, Direktorin für Frauenfussball beim Verband, spricht von einem «historischen ersten Schritt».

Eine Erfolgsprämie gibt es nur in genau zwei Fällen.

ES TUT SICH WAS

Dort, wo die Frauen täglich trainieren, in den Clubs, ändert sich zwar nichts. Aber auf Stufe Natio­nalmannschaft folgt die Schweiz damit dem Beispiel USA. Dort erkämpften die Spielerinnen um Superstar Megan Rapinoe im vergangenen Februar die volle Lohngleichheit (work berichtete: rebrand.ly/rapinoe). Und auch in Europa tut sich was: England, Norwegen, Finnland, Schweden und Island haben schon länger angekündigt, eine Form von «equal pay» umzusetzen. Kürzlich kamen Spanien und die Niederlande dazu. Und jetzt also die Schweiz. Von den 16 Ländern, die ab dem 6. Juli um den EM-Titel kämpfen (siehe Spalte rechts), sind damit genau die Hälfte zumindest auf dem Weg der Lohngleichheit, was die Nationalmannschaften angeht.

Ob die Schweizerinnen um Captain Lia Wälti bereits an der EM viel von der neuen Regelung haben, ist aber fraglich. Denn wie der Fussballverband auf Nachfrage bekanntgibt, zahlt die Credit Suisse den Spielerinnen und Spielern in genau zwei Fällen eine Erfolgsprämie: wenn sie sich für eine EM oder WM qualifizieren und wenn sie an einer solchen die Gruppenphase überstehen. Die Prämie für die EM-Qualifikation der Frauen wird aber nachträglich nicht erhöht – und es wäre eine kleine Sensation, würden sich die Schweizerinnen in ihrer starken Gruppe durchsetzen.

PRÄMIENHÖHE UNKLAR

Wie hoch die Prämien sind, will der Fussballverband nicht sagen. Auch bei den Männern nicht. Zahlen gibt’s aus dem Jahr 2017. Damals qualifizierte sich die Männer-Nati für die WM in Russland, was dem Verband einen Geldsegen von 8 Millionen Franken vom Weltverband Fifa einbrachte. Davon bekam jeder ­Spieler 100 000 Franken für die erfolgreiche Qualifikation plus 10’000 Franken pro Sieg in den Quali-Spielen. Da die Schweiz zehn Siege verbuchen konnte, gab’s für Stürmer Haris Seferovic, der bei allen Spielen zum Einsatz kam, satte 200’000 Franken.

Immerhin: Schon im September haben die Schweizerinnen die Chance, sich für die WM 2023 in Australien und Neuseeland zu qualifizieren und ähn­liche Summen zu verdienen. ­Derzeit liegen sie in ihrer Quali-Gruppe hinter Italien auf Platz zwei.


Frauen-EM:  Schweiz in einer Hammer-Gruppe

Bald geht’s los: Am 6. Juli startet die Fussball-Europameisterschaft der Frauen in England. Die Schweizerinnen starten am 9. Juli gegen Portugal, das im Fifa-Ranking zehn Plätze schlechter plaziert ist und erst im Mai nachrückte, weil Russland wegen des Angriffs auf die Ukraine vom Turnier ausgeschlossen wurde. Dann aber warten zwei Top-Teams: die Olympia-Silbermedaillen-Gewinnerinnen aus Schweden (13. Juli) und die Titelverteidigerinnen aus den Niederlanden (17. Juli). SRF überträgt pro Tag ­mindestens ein Spiel live am Fernsehen (darunter alle Spiele der Schweizer ­Gruppe), den Rest im Livestream auf srf.ch.

PUBLIC VIEWING. In Bern kämpft eine Gruppe von ­Aktivistinnen dafür, dass das Turnier gleich viel Aufmerksamkeit bekommt wie der Männerfussball. Und konnte immerhin rund 15 Bars überzeugen, ein Public Viewing zu veranstalten. Unter dem Instagram-Account «em22_grossmachen» berichtet das feministische Komitee laufend über seine Erfolge – und schürt auch sonst die Vorfreude auf einen schönen Fussballsommer.

Schreibe einen Kommentar

Bitte fülle alle mit * gekennzeichneten Felder aus.