Wegen Hardliner-Haltung gegen Gewerkschaften?

Exodus bei den Baumeistern

Jonas Komposch

Im Baumeisterverband hängt der Haussegen schief. Jetzt treten 4 von 7 Geschäftsleitungsmigliedern auf einmal ab.

DER NEUE: Ab Mai wird Bernhard Salzmann oberster Baumeister. (Foto: SBV)

Die Walliser Baumeister sind wütend: «Dogmatismus» herrsche im Schwei­zerischen Baumeisterverband (SBV). Geführt werde er von realitätsfernen «Technokraten», die «eher gegen eine Gewerkschaft als für das Wohlergehen der Arbeitnehmer und der Unternehmen» kämpften. So steht es in einer ­öffentlichen Verlautbarung der Verbandssektion (work berichtete). Jetzt zeigt sich: Auch ganz oben kriselt es.

Vier von sieben Mitgliedern der nationalen Geschäftsleitung haben dem SBV den Rücken gekehrt. Gekündigt hat sogar Benedikt Koch (50), der Direktor höchstpersönlich. Der studierte Landwirt war knapp sechs Jahre beim SBV. Kochs Abgang kommt zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt: Seit Montag laufen die Neuverhandlungen für den Landesmantelvertrag (LMV) des Bauhauptgewerbes, einen der wich­tigsten GAV der Schweiz (siehe Interview links). Das Kräftemessen zwischen Gewerkschaften und Meistern dauert das ganze Jahr. Koch aber geht auf Ende Mai, also mitten in der heissen Phase. Und er geht nicht allein.

Direktor Kochs Abgang kommt zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt.

ROCHADEN MIT FOLGEN

Personalchefin Monja König (53), eine treue Gefährtin Kochs, hat ebenfalls gekündigt. Bereits weg ist Jérémy Benjamin (35), Leiter Arbeitgeberpolitik und Recht. Seine SBV-Karriere dauerte nur eineinhalb Jahre. Dabei hatte der Jurist aus Lausanne für die Baumeister extra seine Kaderstelle beim Staatsekretariat für Wirtschaft an den Nagel gehängt. Zum Abgang des einzigen welschen GL-Mitglieds äussert sich SBV-Kommunikationschef Bernhard Salzmann auf Anfrage nicht. Kenner vermuten als Trennungsgrund jedoch den jüngsten Konfrontationskurs der SBV-Spitze gegen die Gewerkschaften. Davon sei Benjamin teils abgewichen.

BERÜHMTER GROSSONKEL

Kein Geheimnis macht Salzmann aus der Personalie Urs Schüpbach (60). Der Finanzchef gehe in Pension. Überhaupt stünden die Abgänge in keinem Zusammenhang mit verbandsinternen Differenzen, so Salzmann. Folgen dürften die Rochaden trotzdem haben. So übernimmt Salzmann den Direk­torenposten von Koch. Der 41jährige Walliser hat Geschichte und Journalistik studiert. In der Baubranche, das heisst im SBV, ist er seit vier Jahren tätig. Zuvor war Salzmann die rechte Hand von FDP-Mann und Gewerblerpräsident Hans-Ulrich Bigler und in dieser Funktion eine zentrale Figur der rechten No-Billag-Kampagne 2018. Doch möglicherweise wird sich der Direktor in spe künftig eher auf seinen Grossonkel Anton Salzmann besinnen. Dieser war in den 1980er-Jahren Zen­tralpräsident des Christlichen Bau- und Holzarbeiterverbands – und ein Wegbereiter des frühzeitigen Altersrücktritts für Baubüezer!

Schreibe einen Kommentar

Bitte fülle alle mit * gekennzeichneten Felder aus.