1x1 der Wirtschaft

Keine Angst vor dem Schreckgespenst Roboter

David Gallusser

David Gallusser ist Ökonom beim Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB).

Automatisierung macht Angst. Roboter und Software, die selbständig ­Daten auswertet, würden Menschen überflüssig machen und zu Massenarbeitslosigkeit führen, lautet ein landläufiges Urteil. Klar, man kann sich eine Science-Fiction-Welt ausmalen, in der künstliche Intelligenz alles menschliche Denken und Schaffen überflüssig macht. Da wir schlicht nicht wissen, was in ferner Zukunft einmal sein wird, lassen sich solche Szenarien nicht ausschliessen. Allerdings spricht einiges dagegen, dass wir in absehbarer Zukunft damit konfrontiert sind. Der technologische Fortschritt der letzten Jahrzehnte war zwar eindrücklich. Viele menschliche Tätigkeiten bleiben aber schwierig bis unmöglich zu automatisieren. Das gilt selbst für scheinbar einfache Unterfangen wie das Wäschefalten.

(Quelle: Eigene Schätzung u. a. mit Daten HSSO, SECO und BFS)

RÜCKLÄUFIGES WACHSTUM. Trotz vielfachem Einsatz von Robotern und maschinellem Lernen erleben wir derzeit keine beschleunigte Automatisierung. Wird im grossen Stil automatisiert, bedeutet dies, dass die verbleibenden Beschäftigten mehr produzieren. Was wiederum einen schnellen Anstieg der Produktivität zur Folge hat. In der Realität ist das Gegenteil der Fall. Die Geschwindigkeit, mit der die Produktivität wächst, sinkt seit Jahrzehnten.

KEINE MASSENARBEITSLOSIGKEIT. In der Schweizer Industrie nahm die Produktivität in den 1960er und 1970er Jahren jährlich um 3 Prozent zu (siehe Grafik). In den letzten 20 Jahren war es weniger als 1 Prozent pro Jahr. Verantwortlich dafür ist die Nachfrage nach Industriegütern. Sie ist zu gering, als dass es sich für Firmen lohnen würde, ihre Produk­tion stärker auszuweiten. Eine weitreichende Automatisierung – wenn sie denn überhaupt möglich ist – ist für Firmen oft nicht profitabel.

Trotz Verlangsamung: Die Produktivität stieg in den vergangenen 60 Jahren fast ununterbrochen. Und weil sie es stärker tut als die Produktion, baut die Industrie seit Mitte der 1970er Jahre Arbeitsplätze ab. Zu Massen­arbeitslosigkeit ist es dennoch nicht gekommen. In anderen Branchen entstanden nämlich mehr neue Stellen, als in der Industrie verloren gingen. Verantwortlich dafür ist auch die ­höhere Produktivität der Industrie, die über Lohnerhöhungen bei den Beschäftigten ankam und Nachfrage für neue Dienstleistungen schuf.

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