1x1 der Wirtschaft

AHV-Finanzen: Keine Angst vor der alternden Gesellschaft!

David Gallusser

David Gallusser ist Ökonom beim Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB).

Da ist es wieder. Das Gespenst der alternden Gesellschaft. Noch bevor das Parlament mit der Debatte zur Altersvorsorge begonnen hatte, ­spukte es in den Medien herum. Dabei sprechen die Zahlen eine eindeutige Sprache: Wir werden zwar immer älter. Kamen bei der Einführung der AHV im Jahr 1948 noch 6,5 Personen im Erwerbsalter auf eine Rentnerin, so sind es heute nur noch 3,3 (siehe Grafik). Bis 2050 dürfte das Verhältnis auf 2,2 sinken. Dieser Umstand muss uns aber nicht beunruhigen. Im Gegenteil: Wir dürfen uns glücklich schätzen, länger leben zu können. Es ist Ausdruck des grossen Wohlstands in diesem Land, der vielen von uns eine gute Gesundheit und ein langes Leben ermöglicht.

(Quelle: Altersquotient: BFS; Produktivität: Eigene Berechnung mit Daten SECO, HSSO, BFS, Siegenthaler (2013))

HÖHERE PRODUKTIVITÄT. Klar, die AHV muss wegen der Alterung mehr Renten auszahlen. Trotzdem besteht kein Grund, den finanziellen Ruin der Altersvorsorge an die Wand zu ­malen. Denn der Wohlstand, der uns erlaubt, älter zu werden, spült auch viel Geld in die Altersvorsorge. Wir haben heute einen hohen Lebensstandard, weil die Produktivität in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen hat. Heute erarbeitet eine Beschäftigte in der Stunde durchschnittlich dreimal mehr als noch 1948 (siehe Grafik). Mit der zunehmenden Produktivität stiegen auch die Löhne. Die zusätzlichen Lohn­beiträge deckten weitgehend die Kosten der Alterung in der AHV.

KNAPPE ARBEITSKRÄFTE. Die Produktivität wird auch in Zukunft steigen. Um möglichst hohe Gewinne zu erzielen, brauchen die Unternehmen möglichst produktive Mitarbeitende. Die Alterung setzt die Unternehmen zusätzlich unter Druck: Sinkt der ­Anteil der Bevölkerung im erwerbs­fähigen Alter, wird das Angebot an Arbeitskräften knapper. Die Firmen müssen höhere Löhne zahlen, um die richtigen Mitarbeitenden zu finden. Das zwingt diese wiederum, produktiver zu werden, da ansonsten die Margen sinken. Bleiben also die AHV-Finanzen automatisch im Lot? Ganz so einfach ist es nicht. Die Produktivität wird in den kommenden Jahren kaum so stark steigen, um die höheren Ausgaben ganz aufzufangen. Müssen wir deshalb länger arbeiten oder die Renten kürzen? Nein, unser Wohlstand ist gross genug, um zusätzliche Beiträge zu zahlen. Auch bessere Renten sind finanzierbar – wenn man es politisch will.

1 Kommentar

  1. erich maeder

    Bessere Löhne arbeitender bringt mehr Geld in die AHV, mehr Steuergelder. Aktionäre kürzer halten.

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