1x1 der Wirtschaft

Reiche bleiben reich – und werden reicher

Daniel Lampart

Daniel Lampart ist Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds (SGB).

Was würden Sie tun, wenn Sie 26 Millionen Franken hätten? Für die allermeisten Leute ist so viel Geld fast unvorstellbar. Für die reichsten 50’000 in der Schweiz ist das hin­gegen Alltag! Dieses reichste Prozent besitzt 43 Prozent aller Vermögen. Sie besitzen Firmen, Mehrfamilienhäuser, Wald und Landwirtschaftsland und machen damit ihre Ge­schäfte. Die Dividenden und Miet­einnahmen bringen viel Geld – rasch einmal bis zu einer Million Franken Einkommen pro Jahr.

(Quelle: Statistik Kt. ZH, https://peter-moser.ch/publikationen/si2019 02vermoegensmobilitaet.pdf)

IMMER MEHR. Die Reichen bleiben in der Schweiz weitgehend unter sich. Wer einmal Millionär ist, ist es mit 90 Prozent Wahrscheinlichkeit auch in 10 Jahren. Das zeigen die Statistiken für den Kanton Zürich. Der Aufstieg in diese Kreise ist selten. Selbst unter den 30- bis 49jährigen schaffen es nur sehr wenige vermögensschwache Personen, in 10 Jahren Millionärin oder Millionär zu werden.

Durch den Boom bei den Aktien und den Immobilien sind die Reichsten sogar noch reicher geworden. Die Vermögens- und Einkommensschere ist seit den 1990er Jahren aufgegangen. 1990 besass das reichste Prozent erst 33 Prozent aller Vermögen. Neben dem Boom auf den Finanzmärkten haben sie auch von der Steuerpolitik profitiert. Steuersenkungen schenken bei den Reichen besonders ein. Die Vermögenssteuern wurden in zahlreichen Kantonen halbiert. Und die Erbschaftssteuern für direkte Nachkommen abgeschafft. Viele Kantone haben zudem die Einkommenssteuern spürbar gesenkt.

IMMER WENIGER. Ganz anders ist die Situation für Gering- und Normalverdienende. Dank den gewerkschaft­lichen Kampagnen für bessere und Mindestlöhne ging es zwar beim Lohn sukzessive aufwärts. Doch die Politik war leider nicht auf unserer Seite. Weil Bund und Kantone lieber die Steuern für die Oberschicht senkten, als die Prämienverbilligungen für die Krankenkassen aufzustocken, wurden die Krankenkassenprämien für viele Haushalte zu einer immer grös­seren Belastung. Sie verschlingen heute oft mehr als 10 Prozent des Einkommens. Dazu kommen die immer weiter steigenden Mieten und die Wohnungsknappheit in den Zen­tren. Viele Familien und Haushalte haben immer mehr Mühe, mit ihrem Lohn oder ihrer Rente über die Runden zu kommen.

Darum setzen sich die Gewerkschaften für höhere Löhne und höhere Prämienverbilligungen für die Krankenkassen ein. Und darum bekämpfen sie die vom Parlament beschlossenen Steuersenkungen bei der Stempelsteuer für Aktionärinnen und Aktionäre mit dem Referendum. Zudem unterstützen sie die 99-Prozent-Initiative der Juso, die für etwas mehr Gerechtigkeit im Land sorgen würde.

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