Internationale Reisen mit der Bahn: Endlich kommt wieder Zug in Ihre Ferien

Endlich sind Ferien auch im Ausland wieder möglich. Also auf zum Bahnhof! Denn auf der Schiene reisen Sie mit kleinem ökologischem Fussabdruck, komfortabel und preiswert – ­wenn Sie Ihr Billett clever einkaufen.

EUROPA, WIR KOMMEN: Frankreichs Paradezug TGV fährt in Bordeaux ein. (Foto: Adobe Stock)

«Seit 2019 bereise ich Europa nur noch mit der Bahn», sagt Anita Brechbühl. Da kommen einige Streckenkilometer zusammen, denn Brechbühl ist Reisebloggerin (travelita.ch). Umso wichtiger ist ihr, das umweltgünstigste Verkehrsmittel zu wählen. Tatsächlich belegen diverse Studien, dass die Bahn im Vergleich mit Flugzeug, Auto und Fernreisebus die Umwelt klar am geringsten belastet. Ganz frisch ist eine Studie von Infras, welche die Emissionen einer Reise von Zürich nach Paris berechnet hat: Während beim Flug pro Passagier 113 Kilogramm CO2 zusammenkommen und bei einer Autofahrt 103 Kilogramm, sind es im TGV nur rund 5 Kilogramm – also über zwanzig Mal weniger.

Auf www.ecopassenger.org können Sie die Umweltbelastung von Flug, Bahn oder Auto für Ihre individuelle Reise vergleichen – und erhalten gleich auch Auskunft über die durchschnittlichen Reisezeiten pro Verkehrsmittel.

Die Bahn produziert rund 20 Mal weniger CO2 als das Flugzeug.

BILETTE ZUM BESTEN PREIS

Wer mit der Bahn eine internationale Reise plant, stellt fest, dass die Bahnen wie die Fluggesellschaften mit unterschiedlichsten Tarifen aufwarten – ein Dschungel, der den Vorteil hat, dass Sparfüchse mit Rabatten bis zu 70 Prozent zu ihrem Billett kommen, aber auch den Nachteil, dass das Preisgefüge enorm unübersichtlich geworden ist. Grundsätzlich gilt für Streckenbillette im internationalen Bahnverkehr:

  • Sparbillette sind in begrenzten Kontingenten erhältlich. Wer auf Rabatte aus ist, sollte deshalb frühzeitig buchen. Diese Billette sind meistens mit Einschränkungen verbunden, etwa, dass sie nur genau für die gewählte Zugverbindung gültig sind oder keine kostenlose Umbuchung und keinen Storno erlauben. Verpassen Sie den Zug oder können Sie die Reise aus anderen Gründen nicht antreten, ist im letzteren Fall der Einsatz verloren – ausser, eine Annullationsversicherung übernimmt Ihren Schaden.
  • Mitreisende Kinder erhalten in allen europäischen Ländern Preisnachlässe. In Deutschland und ­Österreich reisen Kinder bis zum 16. Geburtstag in Begleitung einer erwachsenen Person gratis (An- und Rückreise). Andere Länder ­gewähren für Kinder ermässigte Fixpreise oder 50 Prozent Rabatt.­Achtung: Die Altersgrenzen sind je nach Land unterschiedlich. Für Reisen in der Schweiz benötigen Kinder zwischen 6 und 16 Jahren eine Juniorkarte (30 Franken/Jahr), um in ­Begleitung eines Elternteils gratis reisen zu können.
  • Halbtaxabo und Generalabonnement (GA) der SBB berechtigen bei grenzüberschreitenden Fahrten nach Deutschland und Österreich zu 15 Prozent Rabatt. Um diese 15 Prozent Rabatt auch in den anderen Ländern Europas zu erhalten, benötigen Sie die Zusatzkarte Railplus. Sie kostet 25 Franken pro Jahr. Neu ist für diesen Sommer das Monats-GA für 330 Franken (Reisen in der Schweiz).
  • Der Gepäcktransport ist nach der Faustregel «So viel Sie selber tragen können» im Billettpreis inbegriffen. Für Velos benötigen Sie bei Fahrten nach Österreich, Deutschland, in die Benelux-Staaten und osteuropäische Länder eine internationale Fahrradfahrkarte ab 20 Franken (Frankreich und Italien Preise je nach Zug).

Auf unterbruchsloses WLAN sollte man sich nicht verlassen.

INTERRAIL – IHR AUSLANDS-GA AUF ZEIT

Sie möchten Ihre Europaferien nicht die ganze Zeit am selben Ort verbringen? Vielleicht zwei, drei Destinationen besuchen? Dann ist Interrail eine attraktive Lösung. Der Interrail-Global-Pass gilt in 33 europäischen Ländern und ist für 15 Tage bis 3 Monate mit beliebig vielen Reisetagen oder für eine ­begrenzte Zahl von Reisetagen ­innert 1 bis 2 Monaten erhältlich. Erwachsene zwischen 28 und 59 Jahren bezahlen für vier Reisetage innert eines Monats in der zweiten Klasse 271 Franken. Die gleiche Leistung kostet für Kinder und ­Jugendliche 204, für Senioren ­244 Franken. Kinder bis 4 Jahre reisen kostenlos mit, 4–11jährige benötigen einen kostenlosen Kinderpass.

Als Variante erhältlich ist auch ein «One-Country-Pass», falls Sie nur ein einzelnes Land bereisen wollen – das aber gründlich. (rebrand.ly/sbbinterrail)

IM SCHLAF ANS ZIEL

Das Aufkommen der Billig-Airlines machte den europäischen Nachtzügen einst beinahe den Gar­aus – jetzt fahren einige Bahnen das Angebot wieder hoch. Aus der Schweiz führen direkte Nachtzüge nach Berlin und Hamburg, Wien und Graz sowie nach Budapest, Ljubljana, Prag und Zagreb (alle ­Infos unter rebrand.ly/nachtzug).

ZEITVERTRIEB UNTERWEGS

Internationale Zugfahrten dauern meistens länger, als man sich pausenlos mit den Mitreisenden unterhalten mag. Gut beraten, wer ein Spiel oder Lektüre bei sich hat – oder natürlich Tablet oder Smartphone.

Reisebloggerin Anita Brechbühl rät aber, Wunschfilme oder Podcasts vorab herunterzuladen. Denn längst nicht alle Fernzüge bieten zuverlässiges WLAN. Wer Wert darauf legt, auch unterwegs ständig online zu sein, verfügt entweder über ein Abo mit Roaming à discrétion oder kauft sich vor der Reise einen zeitlich beschränkten Roaming-Zusatz.

Fahrgastrechte: Geld zurück

Bei Verspätungen ab einer Stunde haben Sie bei Verbindungen in ­der Schweiz wie auch im internatio­nalen Bahnverkehr Anrecht auf Entschädigung. Je nach Situation können Sie auch Schadenersatz geltend machen für Folgekosten, zum Beispiel einen unvorher­gesehenen Aufenthalt über Nacht. Die SBB bieten eine gute Zusammenstellung der Fahrgastrechte: rebrand.ly/fahrgastrechte


Buchungsportale  Ihr Link zur Bahn

Wer seine Bahnreise ins Ausland gut schweizerisch über die SBB planen und buchen möchte, findet ­online auf sbb.ch die inter­nationalen Verbindungen und kann direkt Billette ­buchen. Beratung bieten die bedienten Bahnschalter oder das SBB Contact Center über die Telefonnummer 0848 44 66 88 (CHF 0.08/min).

Zum Preisvergleich lohnt sich ein direkter Blick auf die Website der Bahnbetreiberin für die gewünschte Destination, zum Beispiel deutschebahn.com, ch.oui.sncf, oebb.at.

GANZ EUROPA. Internatio­nale Fahrplanauskünfte mit Billettverkauf ­bietet auch thetrainline.com (in zehn europäischen Sprachen). Trainline bezieht bei seinen Routenvorschlägen auch Fernbusse ein. Deren Umweltbilanz fällt ebenfalls besser aus als jene von Flugzeug oder Auto, allerdings ist die Reisezeit auf Fernstrecken meist länger als jene mit Schnellzügen der Bahn, ­und der Komfort ist ein­geschränkt. Ähnlich wie Trainline funktioniert raileurope.com. Beide Portale sind für geübte Online-Bucherinnen und -Bucher eine Alternative mit Spar­potential zur SBB-Buchung.

DELEGIEREN. Möchten Sie selber nicht lange recherchieren, bietet simpletrain.ch eine unabhängige Be­ratung und Buchung. Das vom Migros-Pionierfonds unterstützte Zürcher Jungunternehmen empfiehlt sich speziell für kompliziertere Reisen: «Wir bringen Sie in Europa überall hin, wo ein Bahnhof steht.» Für seine Dienstleistung erhebt Simpletrain eine Gebühr.

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