Immo-Hai wollte work verklagen – jetzt geht’s ihm selbst an den Kragen:

St. Galler Bau-Gauner im Ukraine-Knast

Jonas Komposch

Erst prellte er die ­Arbeiter, dann zerrte er die Unia vor Gericht – und lag am Verhandlungstag in den ­Malediven am Strand. Doch der Rückflug endete für ­Daniel Bächtold ganz bös.

VOM STRAND IN DEN KNAST. Statt zum Prozess zu erscheinen, liess Baugauner Bächtold auf den Malediven die Seele baumeln. Doch dann klickten die Handschellen. (Illu: ninotchka.ch)

Eine Prise kriminelle Energie gehört zu Bauspekulanten und Immo-Haien wie das Salz in die Suppe. Aber so dreist wie Daniel Bächtold (63) treiben es die wenigsten. Der Rheintaler Unternehmer sorgt seit bald 30 Jahren für einen Skandal nach dem anderen: krumme Finanztricks, Baupfuschs, getäuschte Banken, geprellte Arbeiter oder ­abgezockte Mieterinnen und Mieter. Leidtragende sind aber längst nicht nur Private, sondern auch die öffentliche Hand. Schlaumeier Bächtold hingegen kam stets davon.

Er wusste sich hinter einem obskuren Geflecht aus zahllosen Briefkasten- und Baufirmen zu verstecken. Bis zum Herbst 2019, als ihm die Unia auf die Schliche kam. Denn die von Bächtold kontrollierte SRI Baumanagement AG hatte rund 30 Baubüezer und Büroangestellte geschasst und sie um ihre verdienten Löhne gebracht. work machte diesen und weitere haarsträubende Fälle publik (siehe rebrand.ly/entlarvt). Zeitgleich wartete auch das «St. Galler Tagblatt» mit brisanten Recherchen auf. Doch auf das Licht der Öffentlichkeit reagierte Bächtold höchst allergisch.

work ist im Besitz eines «ärztlichen Befunds» für «Patient Daniel Bächtold» …

RABIAT GEGEN DIE PRESSE

Über seinen damaligen Anwalt Michael Kummer verlangte der Entlarvte von beiden Zeitungen Gegendarstellungen. Das «Tagblatt» kam den Forderungen zweimal nach, work tat das nicht. Pikant dabei: Die Schweizer Rendite-Immobilien AG, also jene Übergesellschaft, in der Bächtold offiziell nur Aktionär, tatsächlich aber die zentrale Führungsfigur war, hatte kurzerhand einen «Mediensprecher» engagiert – und zwar ausgerechnet Philipp Landmark: den ehemaligen Chefredaktor des «St. Galler Tagblatts». Gegen die Unia-Zeitung aber bedarf es anderer Kaliber. Und so legte Bächtold einen Zacken zu.

Um seine Google-Einträge reinzuwaschen, beauftragte der Schlawiner eine Firma für «Suchmaschinenoptimierung». Kostenpunkt: über 10’000 Franken. Ausserdem machte Bächtold «Persönlichkeitsverletzung» geltend und zerrte work vor das Vermittleramt Unteres Rheintal. Doch kurz vor der Verhandlung, die auf den 20. Januar 2021 angesetzt war, sagte Bächtold ab – «wegen Corona», wie er ausrichten liess. Und auch am Verschiebedatum, dem 22. März, kuschte der Kläger. Und wie!

PROZESS GEGEN WORK PLATZT

Noch am Morgen des Verhandlungstags meldete Anwalt Kummer, sein Klient werde «aufgrund der Mutationen und der wieder zunehmenden Corona-Fallzahlen» nicht erscheinen. Prompt erklärte sich die zuständige Friedensrichterin bereit, Bächtold kurzfristig zu dispensieren. Zudem stellte sie seinem Anwalt in einer vorgängigen Absprache einen Klageschein in Aussicht. Einen solchen braucht es für einen späteren Gerichtsprozess. Doch da machte work-Anwältin Regula Bähler nicht mit.

Ihr Argument: Falls Bächtold krank sei oder einer Risikogruppe angehöre, müsse er dies mit einem ärztlichen Attest belegen. Das leuchtete der Friedensrichterin ein. Rasch schrieb sie dem Bächtold-Vertreter, es brauche «selbstverständlich noch die Nachreichung eines ärztlichen Attests». Die Verhandlung platzte. Ein Attest aber scheint sich der Drückeberger nachträglich noch bestellt zu haben. work ist nämlich im Besitz eines «ärztlichen Befunds» für «Patient Daniel Bächtold». Erteilt von einer fragwürdigen Klinik – in Kiew!

In die ukrainische Hauptstadt hatte sich der Baugauner nämlich schon vor Weihnachten 2020 abgesetzt. Das bestätigen ehemalige Geschäftspartner. Sie suchten dringend den Kontakt zu ihrem flüchtigen Big Boss, weil kurz nach seinem ­Verschwinden Strafanzeige gegen Teile des Firmenimperiums erhoben wurde. Bächtold aber logierte vornehm in den­Kiewer ­«Obolon Residences», einem streng bewachten Resort für Superreiche. Unweit davon war offenbar auch ein Arztzeugnis gäbig zu haben.

Wegen eines Covid-19-Kontakts leide Bächtold an «akuter Mittelohrentzündung» und einer «akuten Virusinfektion der Atemwege». So steht es schwarz auf weiss im Attest. Bloss: Ausgestellt wurde dieses gemäss Zeichnung am 20. März 2021. Also zwei Tage vor den Verhandlungen gegen work.

… erteilt von einer frag­würdigen Klinik – in Kiew!

CORONA-LÜGE VOM STRAND

Hatte Bächtold einfach vergessen, das Attest seinem Anwalt zu schicken? Wohl eher weniger: Denn am 20. März lag der «Patient» nicht in einer ukrainischen Klinik, sondern in den Malediven am Strand! Dorthin war er bereits am 17. März geflogen – also drei Tage vor dem angeblichen Arztbesuch in Kiew. Das belegt ein entsprechendes Flugticket (Business Class), das work vorliegt. Auf den Trauminseln liess der Baugauner zwei Wochen lang die Seele baumeln – zusammen mit seiner neuen Gemahlin. Derweil platzte in der Schweiz sein Prozess gegen work.

Doch nach den Ferien war plötzlich fertig lustig: Zurück am Kiewer Flughafen, klickten die Handschellen. Laut gut unterrichteten Quellen sitzt Bächtold seither in Auslieferungshaft. Anwalt Michael Kummer nimmt dazu keine Stellung. Denn einige Tage nach der Verhaftung warf er das Handtuch, legte sein Mandat nieder und trat als Verwaltungsratspräsident der Schweizer Rendite-Immobilien AG zurück. Warum aber will die Schweizer Justiz des Baugauners so dringend habhaft werden? Das berichten wir im nächsten work.


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