Die luschen Geschäfte der SRI hat Elektroinstallateur Marc Ladda (43) hautnah erlebt

Baufortschritte vorgaukeln für Kredite

Jonas Komposch

Immobilienschwindler ­Daniel Bächtold behauptet, er sei bei der Firma SRI Baumanagement AG «nur Aktionär». Doch Marc Ladda wurde von Bächtold höchstpersönlich und auf skurrilste Weise gefeuert.

MARC LADDA: Sein Ex-Chef schuldet dem fünffachen Familienvater drei Monatslöhne. (Foto: Stephan Bösch)

Die krummen Geschäfte des Immobilienunternehmers Daniel Bächtold haben Dutzende Angestellte der SRI Baumanagement AG den Job gekostet. Ohne Konkurs anzumelden, liess SRI-Hauptaktionär und De-Facto-Chef Bächtold die Firma im August «herunterfahren» und der ganzen Belegschaft kündigen (siehe «Ein Big Boss fliegt auf»). Alle Entlassenen warten noch immer auf ausstehende Löhne. Einer von ihnen ist Elektroinstallateur Marc Ladda (43). Zweifel an der SRI kamen bei ihm erstmals im Sommer 2018 auf. Als plötzlich 30 Rumänen auf seiner Baustelle standen. Die SRI hatte sie über einen Subunternehmer angeheuert. Ladda: «Das waren zwar keine Bauleute, aber sie gaben alles, schufteten 10 bis 12 Stunden am Tag, sechsmal pro Woche.» Doch dann kam es zu Fehlplanungen und Baustops. Und zu Nervosität bei den Rumänen. «Ich ahnte, was los war», sagt Lada. Also packte er sein bestes Englisch aus und bohrte bei seinen rumänischen Kollegen nach. Prompt fand Ladda heraus: Die Rumänen wurden nicht mehr bezahlt! Und schon zuvor erhielten sie nur auf dem Papier einen legalen Lohn gemäss Landesmantelvertrag. Ihr Chef, ein Geschäftspartner der SRI, hatte nämlich ihre Bankkarten eingezogen und zweigte jeweils die Hälfte des überwiesenen Lohnes ab.

«Als wir protestierten, wechselte sofort der ­Firmensitz.»

LUG UND TRUG

Wegen der Ausbeutung der Rumänen wurde im November 2018 das Arbeitsinspektorat aktiv. Sofort wechselte die SRI ihren Sitz von Herisau nach St. Gallen. Denn eine Kontrolle konnte die Firma gar nicht gebrauchen. Schliesslich flog der Laden gleichzeitig auch in der Westschweiz auseinander. In Biel hatte die SRI 9 tschechische Baubüezer zuerst nicht bezahlt und dann gefeuert. Doch die Unia intervenierte, und Bächtold und seine SRI wurden nervös.

In der Zwischenzeit half Ladda in St. Gallen den geprellten Rumänen. Er begleitete sie aufs Rathaus, damit sie sich korrekt anmelden konnten. Neu wurden die Rumänen nämlich direkt angestellt. Aber nicht über die SRI, sondern über die CPI Immobilien AG – ein weiteres Vehikel unter Bächtolds Kontrolle. Die CPI wurde ursprünglich als Unternehmen für Asbestkontrollen und -sanierungen gegründet. Der Trick dahinter: Im Fall von offensichtlich asbestverseuchten Liegenschaften sollten CPI-Angestellte einfach objektfremde Proben ins Labor schicken. So wird das kontaminierte Bauobjekt als unbedenklich eingestuft, und es entfällt eine fachmännische und teure Asbestsanierung. Das sagt Ex-SRI-Bauleiter Joeri Broothearts (43), der für Bächtold diesen Job hätte übernehmen sollen. Doch er lehnte ab. Dafür kam die CPI nun als Arbeitgeberin der Rumänen zum Einsatz. Doch im Februar 2019 sahen sich die Rumänen schon wieder um ihren Lohn betrogen. Dazu Ladda: «Ich nahm sie mit zur Unia, und wir legten Protest ein. Doch die CPI wechselte sofort ihren Firmensitz.»

BANKENSHOW

Seither ging es mit der SRI und den dazugehörigen Firmen immer steiler abwärts. Ab April 2019 erhielt auch Ladda seine Löhne immer zu spät, auf den Baustellen ging das Material aus, und volle Abfallmulden wurden nicht mehr abgeholt. Überall häufte die SRI Schulden an, und Ladda erhielt gar keinen Lohn mehr. Eine Notlösung musste her. So wurde der Elektroinstallateur für einen Spezialjob aufgeboten: «Ich musste zur Bankenshow.» Der Befehl: Sofort auf eine stillgelegte Baustelle nach Thun fahren. Überall Material verteilen und Maschinen aufstellen. Den angekündigten Inspektoren der Bank Baufortschritte vorgaukeln, damit neue Kredite fliessen. Geholfen hat es nicht. Weil Ladda hartnäckig seinen Lohn einforderte, wurde er kurz nach der Bankenshow entlassen. Bei dieser Gelegenheit lernte der Elektroinstallateur erstmals seinen eigentlichen Boss kennen. Ladda: «Begleitet von drei Männern, baute sich D. B. vor mir auf und sagte: ‹Grüezi, ich bin Daniel Bächtold, und Sie sind fristlos entlassen!›»


Marc Ladda «Das tut weh»

Dem Elektroinstal­lateur Marc Ladda (43) schuldet die SRI ganze vier ­Monatslöhne. «Das tut richtig weh», sagt der Vater von fünf Kindern im Alter von 4 bis 10 Jahren. Erst vor kurzem hat Ladda wieder Arbeit gefunden. Seine Frau jobbt jetzt nebenbei in der Gastro­nomie. Doch davor habe seine Familie «richtig untendurch» müssen.

NOT. Ladda sagt: «Ohne ­Essenspakete von Hilfswerken hätte ich meine Familie nicht ernähren ­können.» Nach den Entlassungen bot Immo-Boss Daniel Bächtold allen Notleidenden ein zinsloses Darlehen an. Ein schlechter Witz für Familienvater Ladda, denn: «Sein Darlehen betrug gerade mal 100 Franken!»


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