Ratgeber

Sammelkarten von Migros, Coop & Co.: Punkt für Punkt zum Striptease an der Ladenkasse

Martin Jakob

Migros Cumulus. Coop Supercard. Und jetzt wirbt auch noch Discounter Lidl für seine neue App Lidl Plus. Hört das denn nie auf?

KUNDENDATEN-FALLEN: Coop-Supercard, Migros-Cumulus & Co. (Foto: ZVG)

Frage an die Migros-Medienstelle: «Was spricht gegen die These, dass die Migros die Preise ­aller ihrer Produkte um mindestens ein Prozent für alle ihre Kundinnen und Kunden senken könnte, wenn sie auf das ­Cumulus-System ersatzlos verzichten würde?» Antwort: «Das Ziel unseres Treueprogramms ist:

a) treuen Kunden zu danken und b) den Kunden bedarfsgerechte Informationen und Angebote zukommen zu lassen.» Aber hallo, haben wir denn nach dem Ziel gefragt? Nein, aber zu den Kosten von Cumulus könne man gar keine Auskünfte geben.

Einkaufsdaten werden mit Alters- und Lohndaten verknüpft.

DATENKRAKEN

Cumulus und Supercard sind zwar höchst erfolgreich. Sie sind aber auch berüchtigte Datenkraken. Zum Beispiel wird Ihr Warenkorb 6 bis 10 Jahre lang gespeichert. Zudem wird Ihr Persönlichkeitsprofil mit Zusatzdaten geschärft: «Die ­Daten des Teilnehmers können von Coop mit ­Daten von Dritten, insbesondere Adresshändlern, mit zusätzlichen Merk­malen (wie Haushaltsgrösse, Hausbesitz, Alter, Einkommensklasse usw.) angereichert werden», heisst es in den AGB der Supercard. ­Deshalb rät die Stiftung für Konsumentenschutz in ihrem Onlineratgeber: «Es empfiehlt sich, gut zu über­legen, ob man an einem Kundenbindungsprogramm teilnimmt. Die angebotenen Vorteile sind die Preisgabe der grossen Mengen an ­Informationen über Sie und Ihr Einkaufsverhalten kaum wert» (rebrand.ly/konsschutz). Doch weil die Datensauger so gut funktionieren, sind auch andere Händler auf dem Plan (siehe Tabelle). Manor mit der Manor-Treuekarte. Spar mit der Spar-Friends-Karte. Und jetzt auch Lidl, neben Aldi einer der beiden deutschen Discounter, die einst auf dem Schweizer Markt angetreten waren, um die beiden Platzhirsche das Fürchten zu lehren.

SCHWAN, KLEB AN

Sympathisch, aber marginal sind da die beiden Klebepunkteverteiler Volg und ProBon. Mit deren Rabattmärkli laufen Sie unter dem Radar der Datensammler locker durch. Und dann gibt’s noch die Treue­systeme-Abstinenzler. Zum Beispiel Denner (eine Migros-Tochter) und Aldi. Denner-Mediensprecher Thomas Kaderli: «Wir investieren das Geld, das wir für Unterhalt und Bewerbung eines solchen Systems ausgeben würden, ­lieber in dauerhaft günstige Preise.»

WORK EMPFIEHLT:

1. Befreien Sie sich von der Illusion, mit ­irgendeinem Treueprogramm erhielten Sie irgendetwas geschenkt. Die Kosten für Rabatte, Aktionen und zielgerichtete Werbung bezahlen Sie alle selbst – über den Ladenpreis. 2. Werden Sie marken- und ­anbieterunabhängiger, treueprämienresistent und preissensibel. Kaufen Sie in der Schweiz ein, aber dort, wo die beste Ware zum günstigsten Preis ­erhältlich ist.


DatenschutzIhr Recht auf Einsicht

Wer Daten von Dritten sammelt, muss darüber auf Verlangen Auskunft geben. Das Einsichtsrecht betrifft auch Ihre Kundenakte bei den Firmen, die Daten über Sie und Ihr Einkaufsverhalten sammeln. Die ­Digitale Gesellschaft hat eine Website eingerichtet, über die Sie Ihr Auskunftsbegehren bei zahlreichen Firmen – auch ­Migros und Coop – formulieren und schriftlich einreichen können: ­www.datenauskunfts­begehren.ch

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