Rosa Zukunft ‒ Technik, Umwelt, Politik

Flieger & Impfstoffe: Es verändert sich unheimlich viel unheimlich schnell

Noch vor einem Jahr hätte sich niemand vorstellen können, dass in Visp VS jeden Tag eine Million Impfdosen gegen Corona produziert würden. Ebenso ­können wir uns heute nicht vorstellen, dass wir schon bald direkt, umweltfreundlicher und erst noch günstiger von Grenchen Süd SO nach ­Sarajewo fliegen können. Doch das könnte schneller klappen, als wir denken.

LUFTSCHLOSS? NEIN, NAHE ZUKUNFT: Dank neuer Batterietechnologie soll bald auch das E-Fliegen selbstverständlich werden. (Foto: Bye Aerospace)

Der Schweizer Impfpapst Christoph ­Berger ging vor einem Jahr noch davon aus, dass vor Mitte 2021 niemand in der Schweiz geimpft werde. Doch alles kam anders, auch wenn sich die Produktion des Moderna-Impfstoffes bei Lonza in Visp etwas verzögert. Dies, weil Lonza-Präsident Albert Baehny zu viele Fehler gemacht hat. Der Problembär hat den erfolgreichen Lonza-CEO Richard Riedinger verjagt. Und kurz darauf auch den von ihm selber ernannten Nachfolger Mark Funk. Dieser kannte sowohl die Lieferantinnen und Lieferanten als auch die Kundschaft der Lonza wie seinen Hosensack.

In der für die Produktion des Moderna-Impfstoffes entscheidenden Phase war Baehny gleichzeitig Präsident des Lonza-Verwaltungsrates und CEO in einem. Und vergass, genügend Personal zu rekrutieren und genügend Wirkstoffe zu organisieren. Plus eine nur 12 Millionen Franken teure Verpackungsstrasse in Visp bauen zu lassen.

Stattdessen beschäftigte er sich mit dem Verkauf der Chemiesparte an Heuschrecken. Er verkaufte sie mit rund 1800 Jobs in Basel und Visp an die beiden US-britischen Finanzinvestoren Bain Capital und Cinven (work berichtete: rebrand.ly/lonzachemie).

BERSET & BAEHNY. Jetzt will Bundesrat Alain Berset Lonza-Baehny helfen, die fehlenden Fachleute aufzutreiben. Aus­gerechnet jener Alain Berset, den Baehny eben noch öffentlich angegriffen hatte. Stinkfrech hatte dieser behauptet, er habe Berset – in Absprache mit Moderna – eine vierte Schweizer Impfstrasse in Visp offeriert. Für diese faktenfreie Geschichte gab und gibt es nicht den geringsten Hinweis, nicht einmal eine schriftliche interne Aktennotiz.

Der für Europa zuständige Chef von Moderna, Dan Starner, duschte Baehny schliesslich kalt ab, indem er sagte, es habe nie Gespräche über eine vierte Impfstrasse gegeben.

Der öffentliche Druck auf die Lonza stärkt nun die Position der Gewerkschaften in Visp: Die Arbeitsbedingungen und die Löhne haben dort Luft nach oben. Denn ohne motivierte Lohnabhängige können die Rückstände in der Impfproduktion nicht aufgeholt werden. Hoffen wir, dass alles stabil zum Laufen kommt. Dies im Kampf gegen die mutierenden Corona­viren, die sich im Gegensatz zu den Zügen der SBB an keine Fahrpläne halten.

E-FlLYER 800. Wir leben in einem Zeit­alter, wo sich unheimlich viel unheimlich schnell verändert. Auch in der Fliegerei. So will das US-amerikanische Unternehmen Bye-Aerospace dank neuen, effizienteren Batterien bereits 2025 einen Flieger für 9 Personen auf den Markt bringen, der vieles ändern könnte:

  • Vorteil Reichweite und Geschwindigkeit: Der Flieger soll 900 Kilometer weit fliegen können. Und dann noch eine Reserve für 45 Flugminuten aufweisen. Und der «eFlyer 800» ist erst noch 500 Kilometer schnell.
  • Vorteil Sicherheit: Die zweimotorige Maschine verfügt gemäss Konzept über vier getrennte Batteriepakete und gleich viele Antriebsstränge. Sie kann zur Not auch mit nur einem Propeller fliegen. Und wenn alles versagt, retten Fallschirme das Flugzeug und die Passagiere.
  • Vorteil Kosten: Die Maschine soll in der Anschaffung nicht mehr als 6 Millionen Dollar kosten. Gleich viel wie eine tradi­tionelle zweimotorige Turboprop-Maschine. Und verglichen mit heutigen Kerosinverbrennern nur einen Fünftel (!) der Betriebskosten aufweisen.

Optimistischer Blick in diese Glas­kugel des technischen Fortschritts: Vom Flughafen Sarajewo hebt 2026 eine kleiner, feiner «eFlyer 800» mit 8 Passagieren an Bord ab. 2 Stunden später landen die entspannten Fluggäste relativ leise und erst noch sicher in Grenchen, Belp, Sitten, Lugano oder Altenrhein. Die schnell mit Strom wieder aufgetankte Maschine tritt kurz darauf den Heimflug nach Sarajewo an. Pro Tag liegen so locker 43 000 Personenkilometer drin. 48 Personen hin oder her. Für gleich viel Geld, wie die Swiss heute verlangt. Nur eben viel umweltfreundlicher (rebrand.ly/bye-aerospace).

Die in der Schweiz lebenden Menschen aus dem Balkan sind wie viele von uns Menschen mit zwei Herzen, mit zwei Heimatländern. Praktisch alle von ihnen haben sich erfolgreich integriert, und nicht wenige wurden und werden erfolgreiche Unternehmerinnen und Unternehmer. Aber ab und zu haben sie das grosse Reissen, müssen sie heim in ihre alte Welt. Am liebsten schnell, umweltfreundlich und halbwegs günstig.

Das könnte schneller klappen, als wir denken.

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