Bärtschi-Post

Die Briefträgerin & das Wir-Gefühl (2)

Katrin Bärtschi

Katrin Bärtschi ist Briefträgerin in Bern und Gewerkschafterin.

Die Briefträgerin kennt es, das Wir-Gefühl in Bezug auf die Post. Weniger stark als auch schon, aber noch unverkennbar. Sie erzählte bereits davon. Und ihre Kolleginnen und Kollegen? «Es ist schon anders als früher», sagt Therese und erinnert sich an die Schanzenzeit, die legendäre. «Als wir auf der Schanzenpost arbeiteten, gingen wir nach der Büez oft zusammen eis ga zieh. Das kommt jetzt selten mehr vor.» Man arbeite heute länger, die meisten wollten danach mal nach Hause, und viele hätten das Auto gleich hinter der Bude. Aber sie würde schon sagen, sie habe gelbes Blut. Und vor allem wegen des Teams komme sie sich bei der Post behütet vor. «Ich gehöre dazu.» Auch Renate spricht, nach ihrem Wir-Gefühl gefragt, nicht von der gelben Riesin, vom Konzern oder vom Service public, auch sie nennt sofort die Kolleginnen und Kollegen. «Wir sind ein gutes Team und werden gut geleitet. Ich könnte fast sagen: Wir gehen durch dick und dünn. In strengen Zeiten und wenn’s locker ist. Und wir machen zusammen Pause.»

Nicht alle spüren gleich viel «gelbes Blut» in den Adern.

GELBES BLUT. Renate ist seit fünf Jahren Briefträgerin. «Gelbes Blut? Grundsätzlich schon, aber mir fehlen manchmal die Zusammenhänge der Abläufe bei PostMail. Besichtigungen wären da nützlich.» Trotzdem: Renate kann sich «absolut identifizieren». Und was sagt der externe Logistikstift, der bei der Post ein Stage macht? «Wenn’s der Bude schlechtgeht, bekomme ich keinen Lohn mehr. Also sollte ich wohl schon ein Wir-Gefühl zu ihr entwickeln.» Ein junger Wilder zum Thema befragt, antwortet: «Ich passe.» Pädu, sein Kollege, bemerkt desillusioniert: «Immer heisst es, wir seien eine grosse Firma. Aber die Postfinance-Mitarbeitenden bezahlen keine Gebühren für die Kontoführung. Wir schon. Und bei uns sind sie knausrig, was die Pausen angeht. ‹Wenn ein Gespräch persönlich wird, scannt ihr Pause!› heisst es. Die Oberen im Hauptsitz werden niemals so eng gehalten.» Zu guter Letzt meldet sich noch der Spassvogel zu Wort: «Ein Wir-Gefühl? Ich habe ein Wir-Gefühl zum FC Bayern. Noch Fragen?»

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