Sprachkurse:

Kantone sind Lohndumper

Christian Egg

Die Unia und die Arbeitgeber der Branche arbeiten zusammen – für mehr Qualität statt Billig-Bildung.

SPARWUT: Kantone wählen die Billigsten. (Foto: Keystone)

Auf dem Markt der Sprachkurse spielen die Kantone eine wichtige Rolle. Denn Arbeitsämter oder Integrationsfachstellen schicken oftmals Menschen in solche Kurse. Eine gute Sache: Wer eine Landessprache gut spricht, findet eher einen Job und kann sich im Alltag besser zurechtfinden. Diese Aufträge vergeben die Kantone oft in sogenann-
ten Ausschreibungen: Die Sprachschulen bewerben sich um eine festgelegte Zahl von Unterrichtsstunden oder -plätzen, meist für die Dauer von drei bis fünf Jahren. Guglielmo Bozzolini, Geschäftsleiter des gewerkschaftsnahen Bildungsinstituts ECAP, findet solche Ausschreibungen ein gutes Instrument. Nur: «In den letzten Jahren ist der Preis zum entscheidenden Kriterium geworden.» Und da in der Bildung die Löhne rund 80 Prozent der Kosten ausmachten, habe ein tieferer Preis tiefere Löhne zur Folge.

VERBINDLICHE KRITERIEN

Wenn eine Schule einen Auftrag verliere, so Bozzolini, verlören bis zu 30 Lehrkräfte ihre Arbeit. «Klar, die können sich dann bei der anderen Schule bewerben. Aber meist zu schlechteren Bedingungen. Und so sind manchmal ausgerechnet die Arbeitsämter verantwortlich für schlechtere Arbeitsbedingungen!»

Yolande Peisl von der Unia-Sektorleitung Tertiär findet es «schlichtweg skandalös, wie die Kantone hier Dumping betreiben und die ganze Branche nach unten drücken». Auch der Arbeitgeberverband der Weiterbildungsbranche will diese Entwicklung stoppen. Unia und Arbeitgeber sind sich einig, dass der Bund hier eingreifen müsse. In einer gemeinsamen Mitteilung fordern sie verbindliche Kritierien für Ausschreibungen. Im Zentrum müssten die Qualität der Weiterbildung und die ­Arbeitsbedingungen stehen – und nicht der Preis.


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