Gärtner Tobias Schweizer holte sich 10'000 Lohnfranken zurück, die ihm sein Chef schuldet:

«Gut, gibt’s die Gewerkschaft!»

Jonas Komposch

Es brauchte den Friedensrichter, damit Tobias Schweizers Chef mit dem Lohn herausrückte.

EIN CHRAMPF: Tobias Schweizers langer Weg zum Lohn. (Foto: Stephan Bösch)

Was Tobias Schweizer (30) durchmachte, erleben viele im Verlauf ihres Arbeitslebens. Der gelernte Strassenbauer trat eine neue Stelle an – als Landschaftsgärtner bei einer kleinen Gartenbaubude in Uttwil TG.

Am Anfang stimmte ­alles. Obwohl frisch dabei, führte Schweizer seine Baustellen in Eigenregie. Doch bald traf sein Lohn verspätet ein – und zwar massiv. Schweizer: «Ich musste immer einen ganzen Monat auf mein Geld warten. Zuletzt kam gar nichts mehr.» Das liess sich der Arboner nicht gefallen: «Ich habe dem Chef ordentlich die Meinung gegeigt. Aber anstatt zu zahlen, warf er mich einfach raus.» Ein klarer Fall für die Gewerkschaft, sagte sich Schweizer und meldete den Fall der Unia. Jetzt ging’s rassig.

«Anstatt zu zahlen, warf der Chef
mich einfach raus.»

IM BONZENSCHLITTEN

Zuerst rief Gewerkschafts­sekretär Lukas Auer den Chef an, doch dieser trötzelte. Also forderte Auer die Lohnnachzahlung per Einschreiben. Vergebens. Und weil der lusche Meister auch gegen die Betreibung Rechtsvorschlag erhob, ging es weiter vor den Friedensrichter.

Dazu Auer: «Am Verhandlungstermin ist der Chef demonstrativ mit einem fetten Mercedes vorgefahren.» Doch mit dem Urteil war fertig lustig: Nachzahlung von fast 10’000 Franken – mit kurzer Frist! Der Gärtnermeister beugte sich dem Verdikt und zahlte, aber notabene wieder mit Verspätung und nur auf nochmaligen Druck der Unia. Dazu Schweizer: «Gut gibt’s die Gewerkschaft! Alleine wäre das ein Riesenchrampf gewesen.» Übrigens: Jährlich erstreitet die Unia für ihre Mitglieder über 10 Millionen Franken Entschädigungen und Lohnnachzahlungen.

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