Ratgeber

Digitale Fitness für Ihre Stellensuche: So surfen Sie zielsicher zum neuen Job

Martin Jakob

Von der Ausschreibung einer Stelle bis zum ­Bewerbungsgespräch setzen die Firmen mehr und mehr auf digitale Medien. Wer sich im Web gewandt bewegt und online gut verkauft, ­hat bessere Chancen auf seinen Wunschjob.

HOMESTORY: Zeigen Sie sich im besten Licht, wenn Sie das Jobgespräch von zu Hause aus führen. (Foto: Getty)

Sie schauen sich nach einer neuen Stelle um? Frühere Generationen eilten in diesem Fall zum Kiosk und kauften sich Zeitungen mit Stellenanzeigern. Heute erübrigen sich Zeitungskauf, Telefonbuch und immer öfter sogar die Reise zum Vorstellungsgespräch. Für all das reicht heute ein Smartphone.

Mit einem Such-Abo bleiben Sie über neue Jobs informiert.

SUCH-ABOS LÖSEN

Für offene Stellen finden sich im Internet mittlerweile allein für den Schweizer Markt Hunderte von Adressen. Um sich auf den vielen Portalen nicht zu verlieren, schauen Sie sich die Plattformen einmal an, und treffen Sie eine Auswahl:

  • Branchenübergreifende Portale. Neben Suchmaschinen, die Stellenangebote von Firmen-Websites oder anderen Portalen verlinken, gibt es Portale mit bezahlten Stellenanzeigen sowie Mischformen. Gut ausgebaute Seiten wie jobs.ch bieten komfortable Suchfunktionen, Ratgeberser­vices und Such-Abos.
  • Branchenspezifische Portale. Stellenbörsen, die sich auf eine Branche spezialisieren, sind mittlerweile Legion. Viele davon sind allerdings Auszüge aus grossen Portalen, bringen also kaum zusätzliche Treffer (gaertner-jobs.ch zum Beispiel ist eine Nebenseite von jobagent.ch)
  • Websites von Firmen. Kaum ein Unternehmen unterlässt es, offene Stellen auf der eigenen Website auszuschreiben. Bei grösseren Firmen (zum Beispiel bei der Migros) lässt sich ebenfalls ein Such-Abo abschliessen.

Um sich auf den vielen Portalen nicht zu verlieren, wählen Sie ein bis drei aus, auf denen Sie Ihr Profil anonymisiert hinterlegen und ein Such-Abo starten können, das Sie über neu eingehende Angebote per Mail informiert. Tipp: Das BIZ, Berufsberatungs- und Informationszentrum des Kantons Bern, hat eine grosse Linksammlung für die Stellensuche im Internet angelegt. Sie finden Sie hier: rebrand.ly/bizlinks.

PROFIL ZEIGEN

Sind Sie auf Social Media unterwegs? Nach einer Umfrage der Personalberatungsfirma Careerplus recherchieren fast die Hälfte aller Personalabteilungen bei der Prüfung von Bewerbungen gern auch mal bei Facebook, Instagram und Co. – obwohl das gesetzlich nicht zulässig wäre. Sei’s drum: Schalten Sie auf jeden Fall Ihr Profil nicht öffentlich, und treiben Sie es nicht zu bunt.

Vorteilhaft kann sein, eine Präsenz auf Linkedin einzurichten. In diesem aufs Berufsleben ausgerichteten Netzwerk können Sie sich vorstellen, Ihre bisherige Laufbahn zeigen und Ihre Stärken präsentieren. Die Grundfunktionen sind kostenlos. Linkedin wird von Firmen, die Jobs vergeben, häufig genutzt, um für offene Stellen geeignete Bewerber zu finden, und zählt in der Schweiz aktuell etwas über 3 Millionen Nutzerinnen und Nutzer. Es ist – mit deutlichem Abstand zu Xing – das grösste berufliche Netzwerk.

60 Prozent der Firmen wählen den Videocall fürs Erstgespräch.

ONLINE BEWERBEN

Das Gute an Online-Bewerbungen: Sie sparen den Druckaufwand und die Versandkosten für das Dossier auf Papier. Das Gefährliche: Das schnelle Onlineverfahren verleitet zu mangelnder Sorgfalt. Ob Sie nun ein Onlineformular ausfüllen oder ein klassisches Dossier mit Begleitschreiben per Mail versenden, es gelten die gleichen Regeln wie bei der Bewerbung per Brief (siehe Text unten). Zusätzlich gilt es, einige technische Stolpersteine zu vermeiden: Textdokumente sind in PDF-Dateien umzuwandeln, damit sie für die Empfänger sicher lesbar sind, und wenn möglich sollte das ganze Dossier in ein einziges PDF zusammengefasst sein.

Die Regel ist, dass Sie auf Ihre Mailsendung eine Empfangsbestätigung erhalten – sollte das nicht innerhalb von wenigen Tagen geschehen, dürfen Sie telefonisch nachfragen.

GLÄNZEN IM VIDEOCALL

Auch das ist eine Folge von Corona: Seit dem letzten Jahr führen zahlreiche Firmen zumindest das erste Bewerbungsgespräch digital durch. In der Deutschschweiz sind es gemäss einer Umfrage von Job­cloud und der ZHAW deutlich mehr als die Hälfte. Vereinzelt verzichten Firmen – etwa die Krankenversicherung Helsana – je nach Job ganz auf Gespräche vor Ort, in der Mehrheit der Fälle kommt es aber vor der Anstellung doch noch zu einem Treffen in der Firma. Aber um überhaupt so weit zu kommen, müssen Sie im Videocall einen guten Eindruck machen. Anita Läderach, Leiterin Personal Support Funktionen von Implenia, hat mit digitalen Bewerbungsgesprächen Erfahrung gesammelt und rät: «Bereiten Sie sich darauf so seriös vor, wie wenn Sie bei der Firma vor Ort wären.»

Hinzu kommen die praktischen und technischen Tipps: Für gute Internetverbindung und einen vollen Akku oder Netzanschluss sorgen (Videokonferenzen sind Stromfresser!), einen unverfänglichen Bildhintergrund wählen, sich selber buchstäblich ins beste Licht rücken und das Gespräch in einem ruhigen Raum führen, in dem Sie ungestört bleiben (allenfalls Kopfhörer und Ohrbügelmikrophon benutzen). Und weil noch keine Meisterin vom Himmel gefallen ist: Trainieren Sie für Ihren Videoauftritt! Wie das geht, zeigen Ihnen Lernfilme auf Youtube, zum Beispiel dieses vom Bewerbungsexperten Lucas Zehnder: rebrand.ly/videotrainer.

Wir wünschen Ihnen viel ­Erfolg!

Bewerben mit Movendo

Der Movendo-Kurs «Auf Stellen­suche mit 50 +» macht Sie mit dem Rüstzeug für erfolgreiche ­Bewerbungen vertraut. Sie optimieren Ihr Dossier, bereiten sich auf ein Vorstellungsgespräch vor und erhalten Hintergrundinfos­ zum aktuellen Arbeitsmarkt und zu den gewerkschaftlichen ­Positionen. Mit Coach Rolf Summermatter und SGB-Chefökonom Daniel Lampart. Zweitageskurs, 29./30. April 2021 in Zürich. www.movendo.ch


Das BewerbungsdossierIhre besten Argumente

Ob digital oder analog: am Herzstück einer Bewerbung ­ändert das nichts. Es setzt sich zusammen aus dem Motiva­tionsschreiben, dem Lebenslauf und den Zeugnissen.

DAS «MOTI». Warum gerade ich für gerade diesen Job? Auf ­diese Frage soll Ihr Motivationsschreiben eine überzeugende Antwort liefern. Entwerfen Sie ein Schreiben, das Ihre allgemeinen Vorzüge nennt, und garnieren Sie es je nach Firma, die Sie anschreiben, mit Ihren speziell dort nützlichen Eigenschaften sowie mit der Begründung, weshalb Sie Ihre Zukunft in diesem Job sehen. Dabei sollte man spüren, dass Sie sich mit der Firma und ihren Tätigkeiten auseinandergesetzt haben.

DER LEBENSLAUF. Gestalten Sie den Lebenslauf in übersichtlich tabellarischer Form. Er sollte keine Zeitlücken enthalten, ­anderseits aber nicht zu ausführlich sein (je nach Alter
1 bis 3 Seiten).

DIE ZEUGNISSE. Legen Sie von den Zeugnissen (Schulen und Weiterbildungen) nur die wichtigsten bei. Von Ihren bisherigen Anstellungen sollten da­gegen die Arbeitszeugnisse der letzten 10 bis 15 Jahre lückenlos vorliegen.

EXTRAPUNKTE. Fragen Sie sich schliesslich bei jeder Bewerbung, ob Sie bei der jeweiligen Firma mit einer Erfahrung, ­einer Begabung oder einem Freizeitengagement Sympathiepunkte holen könnten. Bewerben Sie sich als Verkäufer beim Eisenwarenhändler, wird es diesem eher egal sein, dass Sie jede freie Minute auf dem Bike zubringen. Bei der Sport­handelskette hingegen wird das gleiche Hobby für Sie ­sprechen!

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