Jean Ziegler ‒ la suisse existe

Rasputin im Bundeshaus

Jean Ziegler
Jean Ziegler

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Der sibirische Mönch Grigori Rasputin übte am Hof von Zar Nikolaus II. eine beherrschende und verheerende Rolle aus. Einen Rasputin gibt es auch im Bundeshaus. Jedenfalls, wenn man einer Reportage in der Westschweizer Zeitung «Le Temps» glaubt. Der Titel: «Das Haus von Ignazio Cassis brennt». Untertitel: «Der Rasputin im EDA». Der helvetische Rasputin heisst Markus Seiler, Generalsekretär des Eidgenössischen Departements für Auswärtige Angelegenheiten. Seiler ist kein dementer Mystiker wie Rasputin, sondern ein kluger, politisch versierter Rechtskonservativer. Der Einfluss jedoch, den er auf den völlig überforderten Bundesrat Ignazio Cassis ausübt, ist vergleichbar mit jenem des Mönchs auf den Zaren.

EDA-Generalsekretär Markus Seiler manipuliert den über­forderten Bundesrat Cassis nach Belieben.

AN DER MACHT. Ex-Botschafter Georges Martin beschreibt Seilers Rolle wie folgt: «Er mischt sich in alles ein. Seine Methoden sind die eines Tyrannen. Sein Posten ist eigentlich bloss administrativ. Aber er hat sich den Grossteil der Macht angeeignet, oder man hat sie ihm gegeben.» Seiler war zuvor Chef des Schweizer Nachrichtendienstes. Sein Beziehungsnetz ist weltweit gespannt. Besonders eng ist er mit dem israelischen Geheimdienst Mossad verbunden. Er manipuliert Cassis nach Belieben – und im Sinne der israelischen Interessen.

Zur Erinnerung: Im Mai 2018 besuchte der Aussenminister Israel und die besetzten Gebiete. Er sprach über die Uno-Hilfsorganisation für die palästinensischen Flüchtlinge (UNRWA). Sie wurde gegründet, nachdem die israelische Armee 1948 fast eine Million Palästinenserinnen und Palästinenser aus deren Land vertrieben hatte. Seitdem verkörpert die Organisation das Rückkehrrecht der Flüchtlinge. Cassis erklärte: «Die UNRWA ist Teil des Problems, nicht seiner Lösung. Sie erhält den Konflikt am Leben.»

September 2019: Cassis empfängt in Luzern den israelischen Aussenminister Israel Katz. Nach dem Gespräch veröffentlicht Katz eine Pressemitteilung. Darin steht, man habe über «eine Alternative zur UNRWA» gesprochen. Cassis schweigt.

Drittes Beispiel: Bis 2019 war der hochkompetente Pierre Krähenbühl an der Spitze der UNRWA. Gegen ihn führten Israels Premier­minister Netanyahu und US-Präsident Trump eine vehemente Kampagne. Sie warfen ihm Missmanagement, Betrug und Unterschlagung vor. Gleich zu Beginn der Kampagne suspendierte Cassis die Schweizer Beiträge für die UNRWA. Uno-Generalsekretär António Guterres ordnete eine Untersuchung gegen Krähenbühl an, der in der Zwischenzeit zurückgetreten war. Ergebnis: Keiner der Vorwürfe gegen ihn war stichhaltig. Cassis enthielt sich aber jeglicher Entschuldigung an Krähenbühl und hält bis heute den Guterres-Bericht unter Verschluss.

SCHADEN FÜR DAS LAND. Franco Cavalli, vormals Chef der SP-Fraktion in der Bundes­versammlung, sagt: «Ignazio Cassis schadet unserem Land. Er sollte demissionieren.» Cavalli hat recht.

Jean Ziegler ist Soziologe, Vizepräsident des beratenden Ausschusses des Uno-Menschenrechtsrates und Autor. Im letzten Jahr erschien im Verlag C. Bertelsmann (München) sein neustes Buch: Die Schande Europas. Von Flüchtlingen und Menschenrechten.

6 Kommentare

  1. Daniel Kälin

    Ja, da bin ich auch dafür, demissionieren, Israel auf die UNO Liste der Schurken- und Terror-Staaten setzen und bedingungslos das Ziel der jüdischen Organisation Neturei Karta International unterstützen: Die Lösung des Nahostproblems; Vollständige Auflösung des „Staates Israel“
    בעזרת השם יתברך

    • Peter Bittwrli

      Antisemitismus. Pur und lauter. Endlösung.

  2. Peter Bitterli

    „Die UNRWA ist Teil des Problems, nicht seiner Lösung. Sie erhält den Konflikt am Leben.“ (Cassis) Aber selbstverständlich doch. Nebst der Rivalität gleich zweier krimineller und korrupter Regimes, die ihre Bevölkerung dumm, arm, perspektivlos und scharf halten.

  3. Peter Bitterli

    Cavalli, den ausser Ziegler niemand mehr kennen dürfte, braucht ja nicht mehr zu demissionieren.

    • Hansli Maan

      Sie tönen nach meinem Empfinden etwa gleich gespalten und zerrissen Herr Bitterli , wie die Gesellschaft in Israel, die in einer politischen Katatonie der Übermacht,der weissen miesen Männer leben muss in einem ständigen Hass und Kriegsmodus.Sie nehmen dass Wort Antisemitismus und Endlösung in den Mund so locker, als wenn es Sie persönlich gar nicht betreffen würde! Der Vergleich der zwei Regimes kann als Sarkasmus gesehen die Diskussion vielleicht noch weiter aufrechterhalten, einen Bezug zur Wirklichkeit lässt sich darin kaum finden!
      Dumme, Arme und Perspektivlose gibt es hier auch als Resultat einer Seite der schweizerischen Politik ,des rechtsnationalen Bürgertums bereits zu Hauf, zu gunsten der Profitierer und Lobbyisten! Weder die einseitige Profilierung und jahrzehntelange Hoffierung und massive Unterstützung der amerikahörigen, rechtskonservativen Juden, noch eine gutgemeinte und mit sehr viel Idealismus und Geld ausgestattete Hilfe an Palästina hat bis jetzt einen dauerhaften Frieden gebracht, der dem Sinn dieses Wortes entsprechen würde! Übrigens kenne ich wenigstens das Werk und die unendlichen Bemühungen von Herrn Cavalli, was ich bei Ihnen sehr anzweifle! Wenn sie dass nächste Mal etwas lesen wie hier,dann sitzen Sie doch mit dem Toches auf ihre Hände, demissionieren müssen ja nicht, von nichts braucht es dass nicht! Aber es würde uns vielleicht den einen oder anderen narishen Kommentar ersparen!

  4. Beat Hubschmid

    Ist die Workzeitung ein Forum für Antisemitismus? Freund Eran in Israel – der im Libanonkrieg 1982 schwer verwundet wurde – würde sich ob den Hetzschriften eines Hans aus der sicheren Schweiz, die Augen reiben. Immerhin, P. Krähenbühl war hochkompetent: im Bett von…

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