Kein Gesamtarbeitsvertrag, weniger Lohn, keine Frühpensionierung:

Basler Plattenlegermeister mauern

Michael Stötzel

Nach der Kündigung des Basler GAV durch die Patrons organisiert die Unia jetzt einen Protesttag.

KNOCHENJOB: Jetzt will der Basler Verband der Plattenleger auch noch die Mindestlöhne um 10 Prozent senken. (Foto: Keystone)

Seit Anfang dieser Woche verteilt die Basler Unia Plakate und Flyer zum Krach mit dem kantonalen Verband der Plattenleger. Die Patrons werden erneut zu Verhandlungen aufgefordert, zugleich aber auch ihre 240 Beschäftigten zum Aktionstag am 24. März aufgerufen. Denn es geht um ihren Lohn. Auf Ende März haben die Patrons nämlich den Gesamtarbeitsvertrag (GAV) gekündigt (work berichtete).

Sie verlangen die Senkung der Mindestlöhne um 10 Prozent, das sind bis zu 540 Franken. Kommt hinzu, dass der bisherige GAV den Anschluss der Basler an den Vertrag zur vorzeitigen Pensionierung im Westschweizer Ausbau­gewerbe (Resor) festschreibt. René Saner vom städtischen Gewerbeverband erklärt: «Mit den gekürzten Mindestlöhnen würden die Beschäftigten in Basel das gleiche verdienen wie in der übrigen Deutschschweiz. Nur so könnten die Firmen gegenüber der Konkurrenz aus den Nachbarkantonen bestehen.» Unia-Sprecher Manuel Käppeler erwidert: «Das ist kein stichhaltiges Argument!» Denn alle in den beiden Basel arbeitenden Firmen seien verpflichtet, die dortigen besseren Löhne zu zahlen. Intensiver zu kontrollieren, das hatte die Unia mehrfach gefordert. Zuletzt am 8. Februar in einem Brief an die Patrons. Er blieb unbeantwortet.

«Die Meister wollen mal ausprobieren, wie weit sie gehen können.»

HINTERGEDANKEN

Dafür redet Michael Mitulla, Chef des Plattenlegergeschäfts MPZ AG, der selbst nicht dem Plattenverband angehört. Es gebe nicht nur zu wenige Kontrollen, sie seien auch nicht effektiv genug, sagt er. Unia-Sprecher Käppeler widerspricht: Die Kon­trolleure seien erfahren genug, um Betrugsversuche erkennen zu können. Und bislang hätten sie keine höhere Verstossquote bei auswärtigen Firmen registriert.

Verbandspräsidentin Daniela Bernardi argumentiert gegenüber work, die Branche müsse sich auf schlechtere Zeiten vorbereiten. Sobald die Zinsen wieder anzögen, sei der Bauboom vorbei. Chris Kelley von der Sektorleitung des Baus bei der Unia sagt, das höre er seit Jahren. «Klar, irgendwann werden die Zinsen wieder steigen, irgendwann scheint auch die Sonne nicht mehr. Aber zurzeit weisen alle Baudaten noch steil nach oben, und die Auftragsbücher sind voll.»

Pirmin Zaugg *, der seit mehr als drei Jahrzehnten Platten verlegt, vermutet eher, dass die Patrons mal ausprobieren wollen, wie weit sie gehen können: «Erst wollen sie eine Zeitlang vertragslos fahren, dann werden sie einen neuen Vertrag unter ihren Bedingungen anbieten.»

* Name geändert


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