Neue Studie zeigt:

Rechter Terror nimmt stetig zu

Jonas Komposch

Während die Zahl der Opfer von Terrorismus insgesamt sinkt, steigt sie im Bereich des Rechtsextremismus markant.

MOB: Fans von Donald Trump stürmen das Parlament. (Foto: Keystone)

Die gute Nachricht zuerst: Seit 2014 ist die Zahl der durch Terroranschläge Getöteten stetig gesunken. Und zwar um beachtliche 59 Prozent. In Zahlen: Rund 35 000 Menschen starben im Extremjahr 2014, «nur» noch knapp 15 000 waren es im Jahr 2019. Zu diesem Befund kommt das wissenschaftliche Institut für Wirtschaft und Frieden (IEP) mit Sitz in Sydney in seinem «Global Terrorism Index 2020», der wohl ausführlichsten Langzeitstudie über die Entwicklung des Terrorismus. Den Hauptgrund für diese positive Entwicklung sehen die Forschenden in den herben Kriegsniederlagen des sogenannten Islamischen Staats (IS) in Syrien und im Irak.

Dennoch ist die aktuelle Situation alles andere als beruhigend. So forderten die weltweiten Terrorakte in den letzten vier Jahren insgesamt stets rund drei Mal mehr Opfer als noch Anfang der 2000er Jahre. Und während islamistische Anschläge sowie die Opferzahlen im Mittleren Osten und in Nordafrika zurückgingen, stiegen letztere in Südostasien sowie in Zentral- und Südamerika an. Dies insbesondere aufgrund ­politisch motivierter Gewalt – etwa gegen Gewerkschafter oder Journalistinnen. Und in der sogenannt westlichen Welt, wozu die IEP-Forschenden die Länder Westeuropas, Nordamerikas und Ozeaniens zählen, verüben Rechtsextreme immer häufiger Attentate.

Rechtsnationalisten schaffen mit ihrer Hetze ein Klima der Gewalt.

ESKALATION IN DEN USA

Das Ausmass dieses braunen Terrors bilanziert das Institut wie folgt: Seit 2015 ist die Zahl rechtsextremer Anschläge in der westlichen Welt um satte 250 Prozent gestiegen – auf jährlich rund 50 Fälle. Dies ist der höchste Stand seit Analysebeginn im Jahr 1970. Gemessen an den Opferzahlen in den westlichen Ländern, hat damit der Rechtsterrorismus den religiös motivierten zuletzt sogar überholt. Im Jahr 2019 gingen hier 89 von insgesamt 108 Terrortoten auf das Konto rechtsextremer Täter. Am stärksten betroffen waren die USA, wo in den vergangenen 18 Jahren 113 Menschen durch 167 rassistische oder neonazistische Anschläge starben. An zweiter Stelle steht Deutschland mit 48 Anschlägen und 19 Toten. Die höheren Zahlen führt das IEP zurück auf eine politische Stimmung, die zunehmend von Unruhen, Polarisierung, Instabilität und rechtspopulistischen Parteien geprägt sei. Wie schnell die Lage eskalieren kann, zeigen die USA. 2017, im ersten Präsidialjahr Donald Trumps, hielten 7 Prozent der Bevölkerung Gewalt für ein legitimes Mittel zur Durchsetzung politischer Ziele. 2020 waren es bereits 34 Prozent. Das machte das IEP Ende November publik – 40 Tage später stürmten Trump-Fans das Capitol.

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