Ab 1. Januar gilt im Schreinereigewerbe ein vertragsloser Zustand:

Meister schiessen Rente mit 63 ab

Christian Egg

Das ist ein Paukenschlag: Die Schreinermeister lehnen den Vorruhestand ab, den sie zuvor mit den Gewerkschaften ausgehandelt hatten.

ABGESÄGT: Schreiner hätten im neuen GAV ab 60 Jahren ihr Pensum reduzieren können, doch die Schreinermeister sagen Nein. (Foto: Keystone)

Alles für die Katz. Hart hatten die Gewerkschaften Unia und Syna mit dem Schreinermeisterverband gerungen. Am Ende hatten sie ein Modell für den Vorruhestand auf dem Tisch, hinter dem beide Seiten stehen konnten. Ab 63 hätten die Schreinerinnen und Schreiner in den Ruhestand gehen können. Oder schon ab dem 60. Geburtstag ihr Pensum reduzieren.

Hätten. Denn die Schreinermeister haben an ihrer Online-Delegiertenversammlung das ausgehandelte Modell abgeschossen.

Ab Januar gelten für Schreinerinnen und Schreiner keine Mindestlöhne mehr.

ENTTÄUSCHEND

Ganz überrascht vom Nein ist Kaspar Bütikofer vom Sektor Gewerbe der Unia nicht. In den Verhandlungen sei abgemacht worden, dass beide Seiten sich an ihrer Basis für das Resultat starkmachen. Doch die Verbandsspitze habe dies «vergessen», so Bütikofer. Es habe keinerlei Stellungnahme des Präsidenten für die Rente ab 63 gegeben. Und in der verbandseigenen «Schreinerzeitung» wurde das ausgehandelte Modell als «äusserst umstritten» betitelt. Bütikofer ist enttäuscht: «Wenn man will, dass etwas abgelehnt wird, muss man es genau so machen.»

VERTRAGSLOS

Damit gilt in der Branche ab nächstem Jahr auch kein Gesamtarbeitsvertrag (GAV) mehr. Denn das Verhandlungsergebnis war ein Paket: Vorruhestandsmodell plus GAV. Entweder treten beide in Kraft – oder keines. Wie jetzt. Bütikofer sagt: «Ab Januar werden wir einen vertragslosen Zustand haben.» Das heisst: Keine allgemeingültigen Mindestlöhne. Keine Weiterbildungen (deren Finanzierung ist im GAV geregelt). Und auch keine Kontrollen mehr. Brisant: Auch Schreinerbetriebe aus der EU, die in der Schweiz Aufträge ausführen, werden nicht mehr kontrolliert. Denn diese Kon­trollen im Rahmen der flankierenden Massnahmen hat das Seco an die Sozialpartner delegiert. 2800 Kontrollen waren es im letzten Jahr. So viele wie in keiner anderen Branche.

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