Protest bei General Electric:

Die Belegschaft macht Dampf!

Patricia D'Incau

Der US-Konzern General Electric will im Aargau Hunderte Mitarbeitende schassen. Zuvor hatte er sie monatelang an der Nase herumgeführt. Jetzt rührt sich Widerstand.

NICHT MIT UNS! Rund 300 GE-Mitarbeitende protestierten gegen die Streichung von rund 560 Stellen in Ober­entfelden AG. (Foto: UNIA)

Sie sind mächtig hässig. «Stop it!», «Aufhören!», verlangten Mitte Oktober rund 300 Mitarbeitende von General Electric (GE) an einer Protestaktion im aargauischen Oberent­felden. Mit Gelbwesten, Schutzmasken. Und Nerven, die blank liegen, nachdem das Management den nächsten Kahlschlag angekündigt hat.

562 Stellen sollen dieses Mal verschwinden. Der ganze Standort in Oberentfelden geschlossen werden. Die Nachricht kam Mitte September, völlig unerwartet. Denn noch im Juli hatte das GE-Management den Mitarbeitenden mitgeteilt, dass sie von Oberentfelden nach Birr AG um­ziehen würden. Einer der Top-3-Standorte der weltweiten GE-Energiesparte werde dort entstehen. Von Entlassungen keine Rede. Und jetzt soll plötzlich alles aus sein.

Der Bundesrat hat es verpasst,
verbindliche Zusagen von GE zu verlangen.

MIESES VERWIRRSPIEL

Es ist ein schäbiges Spiel. Mit Mitarbeitenden, die ohnehin schon im Dauerkrisenmodus sind. Kaum ein halbes Jahr vergeht bei GE mehr ohne Ankündigungen von Massenentlassungen und Standortschliessungen. Seit der US-Gigant 2015 die aargauischen Industriewerke von der französischen Alstom übernommen hat, stehen die Zeichen auf Abbruch. Von einst 5300 Stellen könnten bald weniger als 2300 übrig sein.

Schuld daran ist auch der Bundesrat: Der verpasste es, beim Alstom-Deal von GE verbindliche Zusagen zu verlangen. Genau das hatte die Unia seinerzeit aber gefordert. Im Sinne einer wirksamen Industriepolitik, die Produktion und Arbeitsplätze in der Schweiz sichert.

Doch der damalige Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann (FDP) tat: nichts. Für die erste Abbaurunde 2016, in der GE in der Schweiz 900 Stellen strich, zeigte er ­sogar noch «Verständnis». Erst später jettete Schneider-Ammann dann doch noch in die USA, um in Atlanta mit den GE-Zuständigen zu reden. Mehr als Lippenbekenntnisse gab es aber nicht: 2018 strich GE im Aargau schon wieder rund 1200 Stellen.

230-MILLIONEN-BONUS

Immerhin: Beim aktuellen Kahlschlag schaut der Bundesrat nicht einfach zu. Wirtschaftsminister Guy Parmelin (SVP) hat interveniert, um die GE-Vertreter von ihren Plänen abzubringen. Die wiederum haben verlauten lassen, dass allenfalls 57 Stellen erhalten bleiben könnten. Viel zu wenig!

Der stellvertretende Unia-Industrie-Leiter Manuel Wyss stellt klar: «Wir verlangen von GE, komplett auf die Kündigungen zu verzichten.» Dafür hätten die Angestellten mit ihrer Protestaktion bereits ein starkes Zeichen gesetzt. Gleichzeitig arbeiten sie an konkreten Vorschlägen, wie der Abbau verhindert werden könnte.

Gewerkschaft und Beschäftigte verlangen schon lange, dass GE endlich eine langfristige, nicht finanzgetriebene Strategie auf den Weg bringe. Doch alles, was für die GE-Spitze zählt, ist der Aktienkurs. Kein Wunder! Schliesslich wurde der aktuelle CEO Larry Culp bei seiner Anstellung mit dem Versprechen gelockt, wahnwitzige 230 Millionen Dollar einzustreichen, wenn er den Aktienwert steigere. Wegen Corona wurde der Zielwert jüngst halbiert. Culps Chancen stehen also gut. Und: Bis es so weit ist, sackt er jährlich zwischen 20 und 25 Millionen Dollar an Gehalt, Boni und Vergütungen ein.

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