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Personenfreizügigkeit & FLAM: besser als Kanadas Punkte

Daniel Lampart

Daniel Lampart ist Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds (SGB).

Die Personenfreizügigkeit mit den flankierenden Massnahmen (FlaM) ist ganz klar besser als das frühere Kontingentssystem mit dem Saisonnierstatut. Die Befürworter der Kündigungsinitiative zeigen aber immer wieder auf Kanada. Das dortige Punktesystem sei überlegen. Die Realität zeigt aber ein anderes Bild. Das Schweizer Modell schneidet punkto Lohn und Erwerbsbeteiligung besser ab.

(Quelle: Eurostat, Statistics Canada)

PUNKTE FÜR JUNGE. In Kanada ver­geben die zuständigen Beamten die Aufenthaltsbewilligungen nach Punkten. Besonders viele Punkte erhalten Leute, die einen Hochschulabschluss haben, sehr gut Französisch oder Englisch sprechen und eher jünger sind.

Bei der schweizerischen Personenfreizügigkeit entscheiden hingegen nicht Beamte. Sondern es braucht einen unbefristeten Arbeitsvertrag mit einer Schweizer Firma oder ein auf andere Art gesichertes Einkommen, um eine Aufenthaltsbewilligung zu erhalten. Zusätzlich kontrollieren die Lohninspektorinnen und -inspektoren, ob ein Schweizer Lohn bezahlt wird. Das Schweizer System orientiert sich daher an der Realität auf unserem Arbeitsmarkt und viel weniger an politischen Vorgaben.

HILFSJOBS FÜR STUDIERTE. Ein grosser Teil der Leute, die nach Kanada einwandern, stammen aus Indien, China oder den Philippinen. 60 Prozent von ihnen haben einen Hochschulabschluss. Doch das garantiert noch ­keine Stelle – und auch keine Stelle, die zur Ausbildung passt. So gibt es zahlreiche Migrantinnen und Migranten mit Uni-Abschluss, die in Hilfsjobs im Gastgewerbe oder anderen Branchen arbeiten müssen, zu teilweise tiefen Löhnen. Und obwohl eher jün­gere Akademikerinnen und Akademiker einwandern, ist die Arbeitslosen­rate bei den neu eingewanderten Personen (letzte 5 Jahre) knapp doppelt so hoch wie bei kanadischen Erwerbstätigen. Nur 69,8 Prozent der in den letzten 5 Jahren in Kanada eingewanderten Personen ­haben eine Stelle. In der Schweiz ­haben 86,3 Prozent der Einwanderer mit EU-Pass eine Stelle. Das sind etwa gleich viel wie bei den Schweizerinnen und Schweizern. Diese Gegenüberstellung zeigt, dass die Personenfreizügigkeit mit ihrer Arbeitsmarkt­nähe zusammen mit dem Lohnschutz durch die flankierenden Massnahmen zu besseren Beschäftigungsergebnissen führt als das sehr politisch gesteuerte und auf Hochschulabschlüsse ausgerich­tete kanadische Punktesystem.

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