Kanton Bern: Referendum gegen mehr Sonntagsarbeit
Am Sonntag chrampfen? Nein danke!

Schon wieder wollen die Rechten in Bern Sonntagsverkäufe durchstieren. Doch die Gewerkschaften halten mit einem Referendum dagegen.

SONNTAG IST RUHETAG: Demo des Verkaufspersonals auf dem Bundesplatz in Bern. (Foto: Unia)

Viele Modeläden machen gerade den Umsatz des Jahres. Nach dem Lockdown ist die Shopping-Lust mit Wucht zurückgekehrt. Doch die Verkäuferinnen und Verkäufer sind meist noch in Kurzarbeit. Die Folgen: noch weniger Personal im Laden, noch mehr Stress für die Verbleibenden.

«Jetzt müssen zuerst die Löhne im Verkauf ansteigen.»

KEIN PRIVATLEBEN

Der rechten Mehrheit im Berner Kantonsparlament ist das egal. Kurz vor der Sommerpause drückte sie eine Ausweitung der Sonntagsverkäufe durch. Statt bisher an zwei soll das Verkaufspersonal neu an vier Sonntagen im Jahr zur Arbeit antraben.

Nicht mit uns, sagen die Gewerkschaften. Und sammeln Unterschriften für ein Referendum. Tabea Rai von der Unia Bern stellt klar: Die Mitarbeitenden seien schon jetzt an der Belastungsgrenze. «Auch wer nur einen 50-Prozent-Vertrag hat, muss oft an sechs Tagen pro Woche ein paar Stunden anwesend sein.» Für Privatleben oder Familie bleibe da oft keine Zeit mehr.

Fast jeden Tag war die Unia-Frau in den letzten fünf Wochen mit den Unterschriftenbogen unterwegs. «Sehr gut» laufe das Sammeln bisher, sagt sie: «Viele Menschen sind der Meinung, jetzt müssten zuerst die Löhne im Verkauf ansteigen, bevor man über längere Öffnungszeiten diskutiere. Andere wollen den Sonntag als Ruhetag bewahren und finden, es brauche nicht mehr Shopping und Konsum, sondern eher weniger.»

ZWÄNGELEI

Pikant: Erst 2017 scheiterte die Berner Regierung mit dem Vorhaben der Sonntagsverkäufe. Damals wollte sie die untere Altstadt zur Tourismuszone erklären und den Läden erlauben, jeden Sonntag offen zu haben. Doch die meisten Ladenbesitzer und sogar die Innenstadtorganisation Berncity waren dagegen. Tenor: Das würde nichts bringen und käme den kleinen Läden zu teuer. Darauf verzichtete die Regierung auf das Gesetz. Nur, um 2019 die Sonntagsverkäufe wieder aus der Schublade zu holen.

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