Frauenstreik-Erfolg:

Schluss mit Gratisarbeit

Jonas Komposch

Am 14. Juni 2019 streikten ­Reinigungsarbeiterinnen in Luzern. Sie forderten mehr Lohn und mehr Respekt. Ein Jahr danach wollte work von den Frauen wissen, was sie erreicht haben.

KEIN DURCHKOMMEN: Die streikenden Arbeiterinnen lassen sich nicht vertreiben und lassen die Streikbrecher nicht in den Betrieb. (Foto: Fabian Biasio)

«Dumme Kuh» war noch eine der kleineren Beleidigungen, die sich Reinigungsarbeiterinnen der Luzerner Putzfirma A & M Durães GmbH ständig anhören mussten. Bei schlechter Laune habe der Chef sie nämlich noch viel übler beschimpft – mit «sehr vulgären Worten, die in keiner Zeitung stehen sollten». Das bezeugten etliche Mitarbeiterinnen vor einem Jahr. Dann sagten sie: «Basta, es reicht!» und läuteten am frühen Morgen des 14. Juni 2019 den Frauenstreik in der Innerschweiz ein. Und zwar mit einem Streik im Betrieb. Zudem blockierten die Frauen auch den gesamten Firmen-Fuhrpark. Das brachte ihren Macho-Chef so richtig auf die Palme (work berichtete: rebrand.ly/ausgeputzt). Zumal die Streikenden nicht nur Respekt verlangten, sondern auch erklärten, fortan keine Gratisarbeit mehr zu leisten. Denn gemäss Gesamtarbeitsvertrag stand ihnen auch für Fahr­zeiten und Vorbereitungsarbeiten Lohn zu.

Der Chef tobte. Doch zuletzt blieb ihm nichts anderes übrig, als einzulenken. Denn die Polizisten, die er gerufen hatte, liessen ihn abblitzen. Streiken sei nichts Illegales, erklärten sie. Für diesen Tag war ausgeputzt. Es war Frauenstreik! Wie aber ist die Situation ein Jahr danach?

«Sexistische Sprüche lassen sich
die Frauen nicht mehr gefallen.»

ENGER ZUSAMMENHALT

Unia-Sekretärin Ana Pica sagt: «Die Frauen haben massiv an Selbstbewusstsein gewonnen.» Pica hatte vor einem Jahr bei der Streikorganisation geholfen, danach mit der Durães GmbH verhandelt und ist noch heute eng mit den Reinigungsarbeiterinnen verbunden. Und der Umgangston in der Firma? Der habe sich zwar verbessert, lasse aber immer noch zu wünschen übrig.

Doch eines sei klar, sagt Pica: «Sexistische Sprüche lassen sich die Frauen jetzt nicht mehr gefallen.» Wenn es heute Probleme gebe, stünden die Arbeiterinnen schon am nächsten Tag in ihrem Büro. «Dann suchen wir gemeinsam nach Lösungen», sagt Pica. Dabei helfe es, dass mittlerweile fast die ganze Durães-Belegschaft in der Unia organisiert sei. Und dass die Frauen seit dem ­Arbeitskampf eng zusammenhielten und auch ihre Freizeit oft gemeinsam verbrächten.

Der Streik vom 14. Juni 2019 macht sich aber auch im Zahltag bemerkbar. Pica: «Noch während des Streiks musste Durães in Verhandlungen einwilligen.» Später habe der Chef eine Verpflichtungserklärung unterzeichnet, auch Anfahrtswege und Vorbereitungsarbeiten als Arbeitszeit zu verrechnen. «Und das funktioniert bis heute», freut sich die Unia-Frau.

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