Unia-Studie zeigt: So viel kassiert Roche-Chef Severin Schwan • Das sind die Corona-Profiteure

1 Schwan = 308 Betriebsbüezer

Ralph Hug

Sie machen beim Staat die hohle Hand, um noch mehr Geld für die ­Aktionäre abzuzügeln. Und die Abzockerei geht munter weiter.

SPITZEN-ABZOCKER: Roche-CEO Severin Schwan garniert 308 Mal so viel wie die Mitarbeitenden mit den tiefsten Löhnen. Sein Jahresgehalt beträgt 15,1 Millionen. (Foto: Roche)

Solidarität mit den Corona-Kranken? Von wegen! In den Schweizer Konzern­etagen gilt, Virus hin oder her: immer noch mehr Gewinn herauspressen. Die Summe, die die Konzerne an ihre Aktio­närinnen und Aktionäre auszahlen, übertrifft mittlerweile die Mil­liarden-Staatshilfe in der Coronakrise. Der Bund hat 60 Milliarden Franken aufgewendet, um in der Pandemie Jobs und Löhne zu sichern. Letztes Jahr zahlten die Konzerne 63 Milliarden Franken in Form von Dividenden und Aktienrückkäufen in die Taschen der Kapitalbesitzer. Notabene alles Gelder, die von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erwirtschaftet wurden. Dies hat die Unia in ihrer neuen Lohnschere-­Studie berechnet. Dabei nahm sie 37 Schweizer Konzerne unter die Lupe, 33 davon sind an der Börse notiert.

Die Summe, die die ­Konzerne an ihre ­Aktionäre auszahlen, …

STRAUMANN BESONDERS DREIST

Besonders stossend: Die Coronakrise hat sieben Konzerne nicht daran gehindert, gleichzeitig Kurzarbeitsentschädigung vom Staat zu kassieren und rund 4 Milliarden Franken an die Aktionäre auszuzahlen. Nämlich LaFarge Holcim, Lindt & Sprüngli, Sika, Straumann, Adecco, ABB und Swatch. Während oben das Geld in rauhen Mengen fliesst, müssen Beschäftigte unten den Gürtel enger schnallen und sehen, wie sie mit 80 Prozent des Lohns über die Runden kommen. Nur so hoch ist ihre Kurzarbeitsentschädigung. Besonders dreist handelt der Basler Zahnimplantate-Hersteller Straumann. Er lässt sich vom Staat nicht nur die Löhne zahlen, sondern kündigt darüber hinaus auch noch eine Massenentlassung an. 660 Stellen sollen verschwinden. Dieses schamlose Treiben hat der Ständerat geschützt, indem er ein Dividendenverbot für Firmen ablehnte, die staatliche Unterstützung beanspruchen.

… übertrifft die Corona-Staatshilfe des Bundes.

LOHNSCHERE WEITER GEÖFFNET

Die Umverteilung von unten nach oben schreitet ungebremst voran. Das ist das Fazit der brisanten Unia-Lohnscheren-Studie*. Letztes Jahr gingen l­ediglich 67 Prozent der gesamten Wertschöpfung an die 1,6 Millionen Beschäftigten, 33 Prozent dagegen flossen in die Taschen der Aktionärinnen und Aktionäre. Am extremsten ist es bei der Ems-Chemie der Familie Blocher. Dort sahnen die drei Blocher-Töchter, denen der Betrieb formell gehört, gleich zwei Drittel des Gewinns ab, während sich die Beschäftigten mit dem Rest begnügen müssen (siehe Box). Die soziale Ungleichheit – Gift für den Zusammenhalt jeder Gesellschaft – verschärft sich somit immer mehr. Studienverfasser und Unia-Ökonom Beat Baumann sagt denn auch: «Die Konzerne sind die Haupttreiber der sozialen Ungleichheit.» Das spiegelt sich auch in den Löhnen. Die Schere zwischen den höchsten und den tiefsten Löhnen hat sich in den analysierten Konzernen weiter geöffnet. Sie beträgt jetzt 1: 148. 2018 betrug sie noch 1: 142.

(Quelle: SGB / Grafik: work)

Der höchste Lohn ist heute im Schnitt also 148 Mal höher als der tiefste. Die grösste Kluft zwischen der Abzockerei in der Chefetage und der Lohnentwicklung bei den Mitarbeitenden weist der Pharmakonzern Roche auf. Der Graben beträgt dort 1: 308. Roche-CEO Severin Schwan ist denn auch der gegenwärtige Ober­abzocker, mit einem Jahresgehalt von 15,1 Millionen Franken. Ansonsten hat sich in der obersten Grossverdiener-Gilde wenig geändert: Schwan auf den Fersen folgen die Bankenchefs Sergio Ermotti (UBS) und der frühere Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam sowie Nov­artis-CEO Vasant Narasimhan. Auch Nestlé-Chef Ulf Mark Schneider garniert mehr als 10 Millionen Franken pro Jahr. Neu bei den Oberabzockern sind Nicolas Bos vom Luxusgüterkonzern ­Richemont sowie Jan Jenisch vom ­Zementkonzern LaFarge Holcim. Der bei ABB geschasste CEO Ulrich Spiess­hofer bezieht ebenfalls ein Millionengehalt. Aber fürs Nichtstun. Dieser Fall ist brisant. Seit Mitte April ist er nicht mehr im Amt, dennoch fliessen in den kommenden zwei Jahren rund 13 Mil­lionen Franken auf sein Konto. Das sind pro Monat 544 000 Franken, ohne dass er dafür arbeitet. Wie kommt das, wo doch exzessive Abgangsentschädigungen seit der Minder-Initiative verboten sind? Unia-Ökonom Baumann sagt: «Das Verbot wird mit Tricks umgangen, nämlich mit überlangen Kündigungsfristen und mit üppig entschädigten Wettbewerbsverboten.» Noch dreister beim früheren CS-Chef Thiam: Obwohl dieser über einen peinlichen Beschattungsskandal gestolpert ist und gekündigt hat, wird er voraussichtlich bis zu 30 Millionen Franken in Form von aufgeschobenen Boni einstreichen.

Der Lohnverzicht, den jetzt einzelne CEO ankündigen, ist nur scheinbar hoch. Der Verzicht betrifft meist nur das Basissalär und nicht die Boni. Daher ist die gesamte Entschädigung nur leicht tiefer.

* Link zur Studie: unia.ch/lohnschere

Hammer-Profite: Die raff­gierigen ­Blochers

Magdalena Martullo-Blocher. (Foto: Sabine Wunderlin / RDB)

Magdalena Martullo-Blocher ist die Extremistin von Ems GR. In keiner ­anderen Firma sackt die Chefin mehr Gewinn ein als bei der Ems-Chemie. Und in keinem anderen Unternehmen ist die Ungleichheit zwischen Kapital und Arbeit so gross. Letztes Jahr schüttete der Konzern doppelt so viel Geld an die Aktionäre wie an die Mitarbeitenden aus, nämlich 462 Millionen Franken Dividenden gegenüber 239 Millionen Franken Löhnen. 70 Prozent dieser ­Dividenden flossen in die Taschen der drei Blocher-Töchter Magdalena, ­Miriam und Rahel, nämlich 325,7 Millionen Franken. Das ist mehr als alle Löhne der insgesamt 2777 Mitarbeitenden zusammengerechnet. Martullos Chemiefabrik – das ist die mit Abstand grösste Ungleichheits- und Bereicherungsmaschine im Land.

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