Unia sammelt Unterschriften gegen Tiefstlöhne in Zürich
Keine Löhne mehr unter 23 Franken pro Stunde!

Jetzt soll auch Zürich einen gesetzlichen Mindestlohn erhalten: Deshalb haben die Gewerkschaften gleich drei Volksinitiativen gestartet.

DIE NÄGEL SCHÖN … der Lohn eher nicht. Kosmetikerin in einem Nagelstudio in Zürich. (Foto: Keystone)

170’000 Menschen. So viele verdienen in der Stadt Zürich weniger als 4000 Franken pro Monat. Sie arbeiten im Detailhandel, in der Gastronomie, in der Reinigung. Zwei Drittel sind Frauen. Ihr Lohn reicht oft nicht zum Leben. Dabei ist in der Bankenmetropole reichlich Geld vorhanden: Die Hälfte der Löhne liegt über 7800 Franken, ein Viertel sogar über 10’000.

Dieser Ungleichheit sagt jetzt eine Allianz aus Gewerkschaften, Parteien und Hilfswerken den Kampf an. Und startet gleich drei Volksinitiativen für einen gesetzlichen Mindestlohn von 23 Franken pro Stunde. Das ergibt 4000 Franken brutto im Monat.

«Wer in der Stadt arbeitet, soll auch hier leben können.»

TIEFLOHNZONE FLUGHAFEN

Drei Initiativen? Ja, sagt Lorenz Keller, Leiter der Unia Zürich-Schaffhausen, die das Projekt massgeblich unterstützt. Es handelt sich um Gemeinde-Initiativen in den drei grossen Städten Zürich, Winterthur und Kloten. «Dort ist am Flughafen ein Ballungsraum für Tieflöhne entstanden», begründet Keller, «etwa in der Reinigung, der Sicherheit und im Verkauf.» Und: «Wer in der Stadt arbeitet, soll auch hier leben können», sagt Keller. Das ist immer weniger der Fall – die meisten Geringverdienenden wohnen heute ausserhalb und müssen pendeln. Das kostet viel Zeit und verstärkt die soziale Isolation.

ERFOLGSMODELL

Eine Stadt, ein Mindestlohn. Auch New York, San Francisco oder Chicago haben ihn eingeführt. Mit Erfolg, wie die Forschung zeigt: Die Tiefstlöhne steigen an. Wenn der Mindestlohn sich auf der auch in Zürich angestrebten Höhe bewegt, verschwinden auch keine Jobs. Allerdings steigen die Preise, etwa in Restaurants, Kleiderläden oder Nagelstudios.

Das sei auch richtig so, sagt Unia-Mann Keller: «Ähnlich wie beim Fairtrade-T-Shirt oder beim Biogemüse stellen die Initiativen die richtige Frage: Sind wir bereit, für einen Mehrwert, in diesem Fall faire Löhne, einen etwas höheren Preis zu zahlen?»

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