1x1 der Wirtschaft

Frauen verdienen zu wenig – jetzt muss die Wende kommen

Daniel Lampart

Daniel Lampart ist Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB).

Frauen leisten sehr wichtige Arbeit – das wurde uns in der Coronakrise wieder einmal klar vor Augen geführt. Ebenso klar wurde aber auch, dass sich diese Arbeit zu wenig im Lohn niederschlägt. Besonders gross sind die Lohnprobleme im Verkauf, im Gastgewerbe oder in ähnlichen Berufen. Dort haben die Frauen einen Monatslohn von weniger als 3100 Franken (Median), weil sie Teilzeit arbeiten und die Löhne in diesen Branchen generell tief sind. Ihre Kunden hingegen verdienen mehr als das Doppelte.

(Quelle: BFG, Berechnungen SGB)

HUNGERLÖHNE. In der Coronakrise wurden viele von ihnen in Kurzarbeit geschickt. Das hatte zwar den Vorteil, dass sie die Stelle behalten konnten. Aber bei der Kurzarbeit zahlt die ­Arbeitslosenversicherung nur 80 Prozent des Lohnes. Nur wenige Firmen haben den Lohn auf 100 Prozent aufgestockt. Die finanzielle Lage der betroffenen Frauen hat sich damit zusätzlich verschlechtert. Es ist bereits in «normalen» Zeiten ausgesprochen schwierig, mit 3100 Franken über die Runden zu kommen. Wenn es nun bei Kurzarbeit nur noch rund 2500 Franken sind, reicht der Lohn definitiv nicht mehr.

Schlimmer noch: Wer im Berufsleben wenig verdient, hat im Alter auch eine tiefere Rente. Vor allem in der Pen­sionskasse. Wenn der Arbeitgeber nur das gesetzliche Minimum versichert, so gibt es bei einem Lohn von 3100 Franken eine Pensionskassenrente von monatlich rund 300 Franken. Die AHV ist mit einer Rente von ungefähr 1500 Franken (Alleinstehende, ohne Kinder) wesentlich besser, weil sie zugunsten der Frauen und der unteren Einkommen umverteilt. Doch ohne Ergänzungsleistungen wird das Geld im Alter auch so kaum reichen.

AHV STÄRKEN. In der Altersvorsorge liegen Lösungen für diese Probleme auf dem Tisch. Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) sammelt Unterschriften für eine 13. AHV-Rente. In der zweiten Säule hat der SGB mit den Arbeitgebern einen Kompromiss ausgehandelt, der spürbare Rentenverbesserungen für Frauen und ­untere Einkommen vorsieht. Nun braucht es auch noch bei den Löhnen einen Schub. Die Frauenlöhne müssen steigen. Und es muss mehr bezahlbare Kita-Plätze geben. Damit auch die Frauen ihre Arbeitspensen erhöhen können, wenn sie möchten.

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