Wiederöffnung: Koch Stefan Krauer (35) und Restaurant­leiterin Majlinda Veli (26) erzählen vom ersten Arbeitstag:

«Wir machen vieles möglich»

Christian Egg

In der Quartierbeiz lief es am ersten Tag gar nicht gut – und im Selbst­bedienungsrestaurant nur dank Take-away-Angebot.

HOHER ZUSATZAUFWAND: Majlinda Veli muss für die Schutz­massnahmen grossen Aufwand treiben. (Foto: Nico Zonvi)

Schon in den zwei Wochen vor der Wiederöffnung haben Koch Stefan Krauer und seine Kollegen immer wieder angepackt. Haben einen ganzen Tag die Tische um­gestellt, bis überall zwei Meter Abstand waren. Haben Bleistifte und Kärtchen bestellt für die Kontaktdaten der Gäste (die sie jetzt doch nicht brauchen). Haben versucht, mit Maske zu kochen. Krauer: «Schon nach 45 Minuten sah sie schlimm aus – und wie willst du mit einer Maske probieren?» Und dann am grossen Wiederöffnungstag: nichts. Oder fast nichts.

VOM START ENTTÄUSCHT: Stefan Krauer vermisste den Stress. Am ersten Tag nach dem Lockdown kamen nur wenige Gäste. (Foto: ZVG)

ZEHN GÄSTE STATT HUNDERT

«Sehr schlecht» laufe es, berichtet Krauer, als work ihn während der Zimmerstunde erreicht. An Montagen hätten sie über Mittag normalerweise etwa hundert Gäste. Am Wiederöffnungstag kamen gerade mal zehn. Das Team in der Zürcher Quartierbeiz konnte es kaum glauben. Ein Kollege sei dann auf Erkundungstour gegangen in den Restaurants in der Umgebung. Und kam zurück mit der Nachricht, auch bei den anderen sei tote Hose. «Wirtschaftlich hat das nicht viel Sinn», sagt Krauer.

Und nicht nur das: «Im Gastgewerbe stehen wir alle auf den Stress. Wir sind stolz darauf, dass wir trotzdem ein feines Essen hinkriegen.» Wenn der Druck fehle, so der 35jährige, «dann geht der Spirit verloren». Für ihn ist klar: ­Es wäre besser, die Beizen noch eine Weile ­geschlossen zu lassen und dann dafür richtig zu öffnen.

EIN KNOCKOUT

Dasselbe sagt Gastrofachfrau Majlinda Veli. Sie ist überzeugt: «Die Branche wird so einen grossen Verlust machen.» Die 26jährige arbeitet schon seit zehn Jahren in der Gastronomie. Da sei «immer es bitzeli Krise – aber das hier, das ist ein Knockout.»

Das Selbstbedienungsrestaurant, das Veli in Zürich leitet, hat diese Woche trotzdem täglich über Mittag geöffnet. «Viele Leute machen Take-away oder bestellen per Internet, deshalb geht die Rechnung für uns auf.» Wenn auch auf tieferem Niveau: Etwa 200 Gäste bedienen sie jeweils zwischen 10 und 14 Uhr. Vor Corona waren es 600 bis 700.

Zum Verweilen laden jetzt nicht mehr rund fünfzig kleine Tische. Sondern, im Zwei-Meter-Abstand, nur noch zwölf. Die seien allerdings häufig gut besetzt, sagt Veli: «Das hat mich überrascht. Das Restaurant sieht leer aus, es hat Markierungen am Boden, das Personal trägt Masken und Handschuhe – ist das wirklich ein schönes Ambiente?»

«Wie willst du mit Maske probieren?»

ZEHN PAAR HANDSCHUHE PRO STUNDE

Die Handschuhe wechselt Veli pro Stunde mindestens zehnmal. Damit sie nicht Viren von einem Gast zum nächsten weitergibt. Dann kommen sie in einen separaten Abfalleimer mit Deckel. Und der wird jede Stunde geleert. So geht das zu Corona-Zeiten.

«Wir im Gastgewerbe machen vieles möglich», sagt dazu Unia-Mitglied Veli. «Ich wünsche mir, dass das mehr wertgeschätzt wird. Und ja: dass sich diese Wertschätzung auch in besseren Löhnen niederschlägt.»

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